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21.04.2016, 11:59 Uhr KOMMENTAR

Das Sozialticket in Osnabrück: eine nette Geste

Kommentar von Dietmar Kröger

Günstig Busfahren mit dem Sozialticket – für Osnabrück-Pass-Inhaber auch in den kommenden Jahren möglich. Foto: Archiv/Klaus LindemannGünstig Busfahren mit dem Sozialticket – für Osnabrück-Pass-Inhaber auch in den kommenden Jahren möglich. Foto: Archiv/Klaus Lindemann

Osnabrück. Wenn etwas als „nett“ bezeichnet wird, heißt das in der Regel nichts anderes als das oft zitierte „er hat sich stets bemüht“ auf dem Arbeitszeugnis. Ein Kommentar zum Sozialticket in Osnabrück.

Politik und Verwaltung haben sich auch „bemüht“ und mit ihren gemeinsamen Anstrengungen etwas „Nettes“ geschaffen – das Sozialticket. Es ist aller Ehren wert, jenen unter uns, die das Geld für eine Busfahrt nicht aufbringen können, unter die Arme greifen zu wollen. Bei 16000 Osnabrück-Pass-Inhabern ist der Verkauf von monatlich etwa 450 Sozialtickets aber nicht eben ein berauschender Erfolg.

Es drängt sich förmlich die Frage auf, warum denn die Akzeptanz in der Zielgruppe nur schwach ausgeprägt ist? Sind es nur die Besserverdiener unter den Schlechtverdienern, die sich eine Busfahrt leisten können? Antworten auf diese Fragen gab es in der Sitzung des Finanzausschusses nicht. Der Fairness halber muss man die Schüler, die ohnehin eine Buskarte haben, aus der Zahl der potenziellen Kunden herausrechnen. Gleichwohl stößt das Sozialticket bislang nur bei einer Minderheit der Anspruchsberechtigten auf Interesse.

Der Verdacht liegt nahe, dass das Ticket floppt, weil es schlicht noch zu teuer ist. Beim Dauerdefizit der Stadt, bröckelnden Steuereinnahmen und teuren Pflichtaufgaben, wird sich daran wohl auch kaum etwas ändern. 11,10 Euro für acht Fahrten – 5,80 Euro weniger als der Normalpreis – ist für einen Hartz-IV-Empfänger nicht eben ein Schnäppchen. Da ist Busfahren in Panama City weitaus billiger. Aber dort hat ein Hartz-IV-Empfänger ja nicht mal einen Briefkasten.


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