Herzensbrecher und Antistar A-ha mit Sänger Morten Harket in Halle

Von Tom Bullmann


Halle, Westfalen. Die norwegische Popband A-ha gibt sich nach diversen Trennungen mal wieder die Ehre: Im Rahmen ihrer „Cast In Steel“-Tour gastierte das Trio mit Begleitband und der deutsch-norwegischen Musikerin Anneli Drecker als Background-Sängerin im Tennis-Rund von Gerry Weber.

Ist Morten Harket noch für das Popgeschäft geeignet? Wenn er in Interviews beteuert, dass er einfach nur ein ganz normaler Mensch sein will, dass er sich nicht von Groupies anmachen lassen möchte und dass er die Natur liebt, dann versteht man, warum er da geradezu schüchtern oder gelangweilt auf der Bühne vor 4400 Fans steht. Er wagt keinen Tanzschritt und überlässt Keyboarder Magne Furuholmen die Ansprache ans Publikum. Vielleicht ist Furuholmen derjenige, der auf die immer wiederkehrenden Reunions von A-ha besteht. Auch Pål Waaktaar-Savoy scheint es eher als Harket zu genießen, im Applaus der Menge zu baden. Beherzt lässt der Gitarrist bei einigen Hits aus den 80er Jahren die Saiten opulent rockend vibrieren.

Spartanische Bühne

Spartanisch ist dagegen die Bühne ausgestattet: Keine aufwändige Kulisse wurde aufgebaut, dafür agiert die Band vor riesigen Video-Leinwänden, auf denen Bilder einer ausgefeilten, zu den jeweiligen Songs passenden Choreographie folgen. Die Visuals erinnern daran, dass A-ha ihren weltweiten Erfolg nicht zuletzt einem Video zu dem Song „Take On Me“ verdanken, dessen Regisseur auf gekonnte Art reale Aufnahmen mit einem skizzierten Animationsstil mixte. So sind jetzt bei „Cry Wolf“, einem anderen großen Hits der Norweger, Wölfe mit grell-gelben Augen zu sehen, die im Takt der Musik die Köpfe bangen.

Harket, mittlerweile 56 Jahre alt, absolviert dazu seinen Job - und hat offenbar auch Probleme mit seinem Monitor im Ohr. Häufiges Gestikulieren in Richtung Monitorsound-Ingenieur gipfelt in einer stummen Bitte um Abhilfe, die er dem Mann auf Knien vorträgt. Ein Heiratsantrag war es bestimmt nicht.

Dennoch besticht Harket mit starker Stimme und klaren Tönen im Falsett-Bereich, die die Musik von A-ha so berühmt machten. Unterstützt wird er von Anneli Drecker, der Tochter einer Norwegerin und eines deutschen Vaters aus Bielefeld – wodurch Furuholmen bei der Vorstellung der Band ein Quantum Lokalkolorit ins Spiel bringen kann.

Trio um Marcel Brel

Eröffnet wurde der Konzertabend von einem Trio um den Sänger Marcel Brell, der das Publikum mit Texten wie „Ich will so sein wie du“ oder „Guten Tag, ich bin ein sprechendes Tier“ eher untypisch auf den Abend einstimmt. Das ist Singer/Songwriter-Musik von drei Leuten, die sich von dem einsamen Eindruck auf der Riesenbühne am frühen Abend im Licht der untergehenden Sonne nicht abbringen lassen, gute Laune zu verbreiten.

Effektvoll inszeniertes Konzert

A-ha starten nach einer Umbaupause mit „I´ve Been Loosing You“. Noch sieht Morten Harket mit seiner Sonnenbrille und der Lederjacke wie ein Popstar aus. Als er später im langärmeligen weißen T-Shirt eine dezente Lesebrille aufsetzt, macht er eher einen intellektuellen Eindruck. Die Stimmung im Stadion steigt, als die Band „Stay On These Roads“ von 1988 anstimmt. Die gefühlvoll gesungenen Falsett-Passagen wecken bei den Fans nostalgische Gefühle. Wunderschön auch „Crying In The Rain“, im Original von Carole King, das er jetzt im Duo mit Anneli singt. Ob schimmernder Popsong wie „Foot Of The Mountain“ aus dem Jahr 2009 oder wuchtige Rocknummer wie „The Swing Of Things“, A-ha inszenieren ihr Konzert effektvoll. Wenn da nicht diese unprätentiöse Art von Morten Harket wäre, die weit entfernt von Stargehabe und jeglichem Showbrimborium ist. Aber das macht den Norweger eigentlich richtig sympathisch…


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