tpw zeigt „(K)ein anderer“ Stück über das Tabuthema Pädophilie

40-minütiger Monolog: Reinhard Gesse in der Rolle des namenlosen Protagonisten in dem Theaterstück „(K)ein anderer“ der Theaterpädagogischen Werkstatt. Foto: Uwe Lewandowski40-minütiger Monolog: Reinhard Gesse in der Rolle des namenlosen Protagonisten in dem Theaterstück „(K)ein anderer“ der Theaterpädagogischen Werkstatt. Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück.  Dürfen wir Pädophile, die ihre Neigung nicht ausleben, ausgrenzen? Diese Frage berührt das neue Stück „(K)ein anderer“ der Theaterpädagogischen Werkstatt (tpw) in Osnabrück.

„Ich bin ein Teufel.“ Beschämt schlägt der Mann sich die Hände vors Gesicht. Er weiß, dass er nicht so sein darf, wie er ist. Dass seine Gefühle nicht erlaubt sind. Denn er fühlt sich zu kleinen Jungs hingezogen. Die Theaterpädagogische Werkstatt (tpw) beschäftigt sich in mehreren ihrer Stücke mit dem Thema sexueller Missbrauch. Bisher ging es immer um die Opfer. In „(K)ein anderer“ befasst sie sich mit dem Tabuthema Pädophilie. Im Mittelpunkt steht ein Mann, der sich zu Kindern hingezogen fühlt, seine Neigung aber nicht ausleben will.

Dürfen wir Pädophile ausgrenzen?

Unklar ist, ob Pädophilie eine Veranlagung ist oder durch Erlebnisse in der Kindheit begünstigt wird. Sicher sind sich Forscher aber, dass diese Neigung ein Leben lang bestehen bleibt. Dürfen wir Pädophile allein wegen ihrer Veranlagung ausgrenzen, auch wenn sie ihre Neigung gar nicht ausleben? Der rund 40-minütige Monolog wirbt um Verständnis für diese Menschen.

Pädophil, aber kein Täter

Die tpw hat das Stück im Auftrag der Fachtagung „Wegsperren - und zwar für immer?“ entwickelt, die Mittwoch und Donnerstag in Berlin stattfindet. Dort wird auch der Premiere von „(K)ein anderer“ gezeigt. Im Museum Industriekultur war am Samstag eine öffentliche Generalprobe zu sehen. Reinhard Gesse spielt den Mann, der pädophil ist, aber kein Täter. Zu erleben ist seine innere Zerrissenheit. Es geht um seine Angst und seine Scham. Um seine Verzweiflung, weil er mit niemandem reden kann. „Ich bin so, wie ich bin“, sagt der Mann. Doch er weiß, dass das nicht akzeptiert wird in einer Welt, in der manch einer die Todesstrafe für Pädophile fordert. 

„Lasst mich nicht allein“

Der innere Monolog (Text: Jens Pallas) zeigt, wie dieser namenlose Protagonist als Jugendlicher seine Neigung erkennt. Beschämt zieht er sich zurück und ist lieber allein. Das bleibt auch so, als er älter wird. Er sehnt sich danach, mit jemandem darüber zu reden. Aber wie soll das möglich sein in einer Welt, in der auch Pädophile geächtet werden, die keine Täter werden? Das beklemmende Stück, in dem Gesse sehr überzeugend die ganze Gefühlsskala innerer Qualen durchlebt, ruft zu mehr Verständnis für diejenigen auf, die sich bewusst sind, was sie Kindern durch sexuellen Missbrauch antun würden. „Lasst mich nicht allein“, bittet der Protagonist am Ende.


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