Verliert Stadtteil die Mitte? Bürgerforum Hellern diskutiert über Nahversorgungszentrum

Geschlossen – doch soll aus dem ehemaligen Baumarkt in Hellern ein Nahversorgungszentrum werden. Bürger machen sich Sorgen um die Geschäftswelt im Zentrum ihres Stadtteils: Werden die überleben? Foto: Archiv/Swaantje HehmannGeschlossen – doch soll aus dem ehemaligen Baumarkt in Hellern ein Nahversorgungszentrum werden. Bürger machen sich Sorgen um die Geschäftswelt im Zentrum ihres Stadtteils: Werden die überleben? Foto: Archiv/Swaantje Hehmann

Osnabrück. Rettung für die Kapelle – das war die wohl beste Nachricht im Bürgerforum Hellern. Viele Anwohner ärgern sich über das geplante Nahversorgungszentrum. Manche grübeln über den Zustand der Grundschule.

Erleichterung in Hellern – zumindest, was die Friedhofskapelle angeht: Dass dieses Gebäude nun doch erhalten bleibt, freut viele Anwohner. Für Axel Raue, dem Leiter des Osnabrücker Servicebetriebes (OSB), ist diese Entscheidung jedoch auch mit Kosten verbunden – bei finanziell angespannter Lage, wie er sagte. Die Kapelle sei im vergangenen Jahr nur 13 Mal gentutzt worden, berichtete er. Gleichwohl wünschen sich einige Bürger noch etwas mehr als den Erhalt des Gebäudes: Sie vermissen Toiletten. „Hier kann man ja nur in die Büsche gehen“, meinte einer von ihnen. Wie Raue diesen Wunsch, der mit weiteren Kosten verbunden wäre, aufnahm, ließ er im Ungewissen. Ratsherr Ulrich Hus (SPD), der die Sitzung leitete, nahm den Betriebsleiter in Schutz: „Herr Raue ist nicht der Buhmann. Zu seinen Aufgaben gehört es auch, unangenehme Dinge zu tun.“ Oder eben: Wünsche nicht zu erfüllen.

Ulrich Haskamp von „Helfen in Hellern“ jedenfalls zeigte sich geradezu dankbar für die Rettung der Kapelle und sagte: „Wir können uns hier nicht alles nehmen lassen.“ Hinter dieser Formulierung verbirgt sich offenbar die Sorge um den Verlust von Geschäften im Zentrum Hellerns.

Nicht mehr zu Fuß einkaufen?

Dass in dem ehemaligen Baumarkt Bahr an der Ecke zur Blankenburg und damit am Rand des Stadtteils ein Nahversorgungszentrum entstehen soll und sich dann Geschäfte in der Mitte Hellerns vielleicht nicht halten können, bekümmert viele. Dann könnten sie nicht mehr zu Fuß einkaufen gehen. Die SPD und die CDU in Hellern befürchten auch zunehmende Verkehrsprobleme.

Autos sollen „rechts rein – rechts raus“

Finanzvorstand Thomas Fillep trug eine Stellungnahme des Fachbereichs Städtebau vor: Die Verwaltung rechnet damit, dass Hellern wachsen und damit die Nachfrage für die Nahversorgung steigen wird. Gleichzeitig stellt sie fest, dass etwa der Supermarkt an der Töpferstraße nicht wachsen kann. Was den Autoverkehr um das künftige Nahversorgungszentrum angeht, verweist die Verwaltung auf ihr Verkehrskonzept auf der Grundlage von Gutachten. An der Einfahrt zur Blankenburg soll der Verkehr nach dem Prinzip „rechts rein – rechts raus“ geführt werden. Damit würden größere Eingriffe für den Straßenbau vermieden.

Die Grundschule soll wieder zum Rohbau werden

Wie geht es mit der Grundschule Hellern weiter? Der Boden zieht Feuchtigkeit an, die Wände schimmeln. Eltern sorgen sich um die Gesundheit ihrer Kinder. Und dabei soll das Haus zur Ganztagsschule werden. Die CDU in Hellern fragte, ob es nicht besser sei, zumindest Teile der Schule abzureißen und neu zu bauen. Clemens Diessel merkte an, das Gebäude zerschneide den Schulhof – mit Nachteilen: In den Pausen müssten zwei Lehrer die Schüler beaufsichtigen. Die Lieferanten für die künftige Mensa müssten mitten über den Hof fahren.

Brigitte Neumann (CDU) berichtete aus dem Schulausschuss, dass die Schule in den Zustand nahezu eines Rohbaus zurückversetzt werden soll. „Die Schimmelbereiche werden saniert.“ Gutachter, die sich mit Schadstoffen beschäftigen, bräuchten für ihre Arbeit noch etwas Zeit.

Brücken wegen feuchten Bodens später fertig

Wer die beiden neuen Eisenbahnbrücken herbeisehnt, muss sich noch gedulden. Wegen des starken Regens zwischen Januar und März war der Boden aufgeweicht. Der Fachbereich Städtebau teilte mit, dass die Brücke Hörner Weg Ende Mai fertig sein soll, die am Ohrbecker Weg Ende Juni.


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