Alles, was Tasten hat Neues Haus, alte Tradition: Das Osnabrücker Pianohaus Kemp

Von Robert Schäfer


Osnabrück. Im Osnabrücker Pianohaus Kemp gibt es neue und gebrauchte Klaviere und Flügel und eine Werkstatt mit einem hervorragenden Ruf. Als Nachfolger des Musikhauses Bössmann steht das Familienunternehmen für einen Teil der musikalischen Tradition der Stadt.

Seit Januar 2013 ist das Pianohaus Kemp an der Hannoverschen Straße 95 beheimatet. Früher war es als Musikhaus Bössmann bekannt. Viele Jahre war das Geschäft am Neumarkt Anlaufpunkt für Musikinstrumente und Zubehör aller Art. Mit der Übernahme des Hauses durch das Pianohaus Kemp aus Bielefeld wurde das Sortiment wieder auf das Kerngeschäft zurückgefahren.

„Wir machen die Taste, und das machen wir richtig“, betont Geschäftsführerin Corinna Hochheim. Der Ursprung des Musikhauses sei auch bei Bössmann das Klavier gewesen, meint auch ihr Vater Josef Stühlmeyer. „Erst in den Fünfzigern kamen andere Musikinstrumente dazu.“ Der Umzug an die Hannoversche Straße ermöglichte darüber hinaus einige Verbesserungen. Ebenerdig gelegen, mit einem Lager und Platz für die Werkstatt, ist die Lage optimal. „Auch die Leih- und Stellungsinstrumente müssen gelagert werden“, erklärt Hochheim. Kaum ein „klassisches“ Musikevent in der Region ist ohne die Konzertflügel des Pianohauses möglich.

Auch Klaviere sind heute oft digital

Bei den Klavieren hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Während sich die grundsätzliche Struktur der Instrumente kaum verändert hat, erweitern neue Ideen und Technologien das Angebot. „Akustische Klaviere sind teilweise stummschaltbar“, berichtet Stuhlmeyer. Bei Kemp kommen neuerdings auch Digitalpianos und computergestützte Tasteninstrumente hinzu. „Der Übergang zwischen den E-Pianos, Keyboards und Digitalpianos wird immer fließender“, hat Hochheim beobachtet. Dieser Entwicklung habe man sich natürlich angepasst.

Im Mittelpunkt stehen bei Kemp jedoch immer noch ganz klassische Klaviere und Flügel. In das Geschäft ist in den letzten Jahren viel Bewegung gekommen. „Die Nachfrage nach Klavieren und Flügeln ist ungebrochen hoch“, freut sich Hochheim. Der Markt habe sich jedoch geändert, jahrelang sei Deutschland mit billigen Instrumenten aus China geradezu geflutet worden, beschreibt Stühlmeyer. Dieser Trend sei glücklicherweise gebrochen. Allerdings haben viele alte Hersteller mittlerweile aufgegeben. „Deutschland war mal ein Land mit vielen traditionellen Klavierbauern“, erinnert er sich. Heute seien viele ehemalige Spitzenhersteller vom Markt verschwunden oder in Besitz ausländischer Investoren. Andere Hersteller hätten aber die Zeichen der Zeit erkannt und in neue Technologien und Strukturen investiert.

Erst einmal mieten, dann vielleicht kaufen

Klaviere werden nicht nur gekauft, bei Kemp werden sie auch gemietet. „Gerade Einsteiger mieten sich zuerst ein Instrument“, so Hochheim. Über 300 Instrumente hat das Pianohaus in Osnabrück und Bielefeld im Einsatz. Die Zusammenarbeit der beiden Pianohäuser macht eine große Auswahl und vielfältigen Service möglich. Dazu gehören auch die regelmäßigen Fahrten zur Fabrik der renommierten Firma Bechstein. Die enge Kooperation mit dem Hersteller sorgt dafür, dass Kunden sehen können, wo und wie ihr persönliches Instrument entsteht.

Schätze in der eigenen Werkstatt

An der Hannoverschen Straße betreibt das Pianohaus Kemp außerdem eine eigene Werkstatt für Reparaturen der edlen Instrumente. Zurzeit hat Klavierbauermeister Stühlmeyer einen Bechstein-Flügel aus den Dreißigerjahren in der Werkstatt. Das Instrument ist hervorragend erhalten und muss nur sehr wenig repariert werden. „Der Klangboden, die Tasten, die Mechaniken – alles ist in einem sehr guten Zustand“, freut sich der Experte. Die Einlegearbeiten aus Palisanderholz in Mahagoni sind perfekt erhalten, auch der Lack glänzt noch, und selbst die Tasten sind nahezu perfekt. Der Flügel war für einen Hof in Österreich gefertigt worden und ist dann nach Luxemburg gekommen, wo Stühlmeyer ihn aufgekauft hat. Aber auch „nur“ 20 bis 30 Jahre alte Instrumente werden in der Kemp-Werkstatt wieder mit Musik gefüllt. „Luftfeuchtigkeit und Temperaturen setzen den Klavieren zu“, beschreibt Stühlmeyer. In der Werkstatt erledigt dann das Team die Reparaturen, stimmt die Instrumente oder baut Stummschaltungen oder Klimasysteme ein. Auch E-Pianos werden repariert. Nachwuchssorgen kennen aber auch die Klavier- und Cembalobauer, wie die offizielle Bezeichnung des Berufes lautet. Das liegt unter anderem an den hohen Anforderungen: Musisches und handwerkliches Verständnis werden genauso verlangt wie eine hohe Einsatzbereitschaft.

Damit Kinder schon früh das Klavier für sich entdecken, veranstaltet und unterstützt das Pianohaus Kemp nicht nur Musikwettbewerbe wie den Kinderwettbewerb, bei dem jedes Jahr bis zu 50 junge Musiker teilnehmen. „Wir haben auch den Workshop ,Kleine Klavierbauer‘ für Kinder ab fünf Jahren im Programm, bei dem die Kleinen lernen, wie ein Klavier funktioniert“, berichtet Hochheim. So wird die Liebe zum Piano schon im Grundschulalter geweckt.


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