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Konkurrenz Internet Ende einer Ära: Osnabrücker Musikhaus Bössmann schließt – Pianohaus Kemp eröffnet

Von Ralf Döring

Ende einer Ära: Nach 93 Jahren schließt das Musikhaus Bössmann. Foto: EMichael HehmannEnde einer Ära: Nach 93 Jahren schließt das Musikhaus Bössmann. Foto: EMichael Hehmann

Osnabrück. Die Nachfrage sinkt wie die Preise, schuld ist das Internet, und das Leid trägt der Fachhandel – ein trauriger Refrain. Jetzt stimmen ihn die Mitarbeiter des Musikhauses Bössmann an: Am 31. Dezember enden der Räumungsverkauf und die 93-jährige Geschichte des Hauses.

„Noten gibt es bei Amazon, Saiten und Klarinettenblättchen beim Musikversand im Internet – zu anderen Preisen, als wir sie anbieten können“, sagt Corinna Hochheim, die Geschäftsführerin des Musikhauses. Seit 2007 Josef Stühlmeyer und sein Sohn Christian das Geschäft von Werner Bössmann übernommen haben, beobachtet sie, wie sich die Einnahmen aus dem Verkauf von Gitarren, Blasinstrumenten und Zubehör entwickeln: kontinuierlich nach unten. Gewinn garantiert einzig der Bereich Klaviere und Digitalpianos, und den führen die Inhaber weiter. Aber sie verlassen die Innenstadt, geben den Namen auf – nach dem Räumungsverkauf sei der Name „Bössmann“ möglicherweise negativ besetzt, meint Hochheim. Deshalb wird das Klavierfachgeschäft ab 5. Januar als Pianohaus Kemp firmieren – eine Dependance des Bielefelder Geschäfts gleichen Namens, das die Stühlmeyers seit 2005 besitzen.

Dass der Handel mit Zubehör und Kleininstrumenten schwieriger geworden ist, bestätigt Saskia Zierenberg, die Geschäftsführerin von Musik Produktiv. Dabei erwirtschaftet dieses Haus in Ibbenbüren selbst einen Teil seines Umsatzes durch den Versand. Doch Konkurrenten sind auf den Plan getreten, der härteste heißt Thomann und stammt aus dem oberfränkischen Burgebrach. Diese Global Player könnten ihre Produkte zu Preisen anbieten, die Bössmann im Einkauf zahlen müsse, sagt Hochheim. Die Räume in der Innenstadt lassen sich damit nicht halten, eine Erfahrung, die auch Musik Produktiv gemacht hat: Die Niederlassung schloss nach einem Jahr – was Zierenberg aber nicht dem Internethandel anlastet, sondern der Nähe zum Hauptgeschäft in Ibbenbüren.

Profitiert hat davon das zweite große Musikgeschäft in Osnabrück: Rohlfing Musikland gegenüber von Bössmann. Dem bescherte die Musik-Produktiv-Niederlassung mehr Laufkundschaft. Deshalb bedauert Albert Kloos auch das Ende des Musikhauses Bössmann: Er glaubt an die belebenden Effekte der Konkurrenz, auch in den schwierigen Segmenten, setzt auf Service und Beratung – und auf Preise, die kaum über denen des Internethandels liegen. Die Mitarbeiter von Bössmann dürfte das kaum trösten: Während zwei Mitarbeiter im künftigen Pianohaus Kemp eine Stelle finden, haben zwei Vollzeit- und eine Teilzeitkraft zum 31. Dezember die Kündigung erhalten.


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