Mobiler Schutzengel Osnabrücker Sicherheitsfirma entwickelt Notruf-App

Sicherheitsexperte Lothar Röwer stellt Maria Meyer von der Frauenberatungsstelle für bedrohte Frauen seine Notruf-App zur Verfügung. Foto: Thomas OsterfeldSicherheitsexperte Lothar Röwer stellt Maria Meyer von der Frauenberatungsstelle für bedrohte Frauen seine Notruf-App zur Verfügung. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Auf die Aufforderung der Frauenberatungsstelle, sexuelle Belästigungen zu melden, hat außer betroffenen Frauen auch ein Mann reagiert: Der Osnabrücker Sicherheitsexperte Lothar Röwer stellt den Mitarbeiterinnen kostenlos eine Reihe seiner Notruf-Apps zur Verfügung.

Die von Röwers Firma schon 2011 entwickelte App „Mein Notruf“ für Smartphones werde inzwischen auch von Stalkingopfern genutzt, berichtete Röwer bei einem Besuch in der Frauenberatungsstelle. Dabei sei die App ursprünglich aus ganz anderen Gründen entstanden. Viel zu oft kämen Rettungswagen zu spät, weil den Einsatzkräften keine genaue Ortsbeschreibung vorliege. „Wer kann beim Wandern in der Lüneburger Heide schon sagen, wo genau er ist, wenn er sich den Fuß bricht?“, fragt Röwer. Das könne ebenso gut am Rubbenbruchsee passieren.

GPS-Daten für den Rettungsdienst

Der Notruf arbeite ähnlich wie seit Jahrzehnten Brand- und Einbruchsmeldeanlagen. Allerdings geht es bei „Mein Notruf“ nicht um einen festen Standort. Um zu funktionieren, muss am Smartphone der Ortungsdienst eingeschaltet sein. Wird der Notruf aktiviert, landet er in einer rund um die Uhr besetzten Zentrale. Innerhalb kürzester Zeit ist dort bekannt, wer wo genau der Notruf abgesetzt hat.

Ein für Notfälle geschulter Mitarbeiter rufe umgehend zurück. Handelt es sich um einen Unfall, werden Rettungskräfte zu der ermittelten Adresse geschickt. „Die GPS-Daten werden zum Beispiel direkt an den Rettungshubschrauber weitergeleitet“, erläutert Röwer. Die Kunden können im Vorfeld wichtige Informationen wie „Bluter“ oder „Gehörlos“ angeben, sodass entsprechend reagiert werden kann. Ist der Absender des Notrufes nicht in der Lage zu sprechen, werde automatisch die Polizei alarmiert.

Thema im Koalitionsvertrag

Ein bundesweiter Notruf gehört auch zu den Zielen der Großen Koalition in Berlin. Im Koalitionsvertrag heißt es wörtlich: „Wir führen Systeme ein (zum Beispiel eine zentrale Nummer für SMS-Notrufe oder eine Notruf-App) und ändern das Telekommunikationsgesetz, sodass sich Menschen in einer Notsituation bemerkbar machen und Hilfe anfordern können, ohne zurückgerufen werden zu müssen.“

Mit dem Thema Sicherheit befasst sich deshalb seit 2013 die Expertengruppe Notrufe, ein Gremium der Innenministerkonferenz der Länder. Darin vertreten sind auch Betreiber von Notrufabfragestellen in den Ländern. Das Bundeskriminalamt in Wiesbaden führt die Geschäfte des Gremiums.

Keine Antwort vom BKA

Schon vor zwei Jahren hatte Lothar Röwer dem Bundeskriminalamt seine App vorgestellt und eine Zusammenarbeit angeboten. Möglich sei, die „Mein Notruf“-App an die Anforderungen der Expertengruppe anzupassen. Die Firma Röwer sei außerdem gerne bereit, „beratend bei der Realisierung oder Weiterentwicklung der staatlichen Notruf-App mitzuwirken“. Eine Antwort hat Röwer nach eigener Aussage bisher nicht bekommen.

Gegenüber dem Mittelstands-Magazin, das in seiner März-Ausgabe über die App berichtete, hieß es von einem BKA-Mitarbeiter: „Der Notruf ist nun mal ein Teil der Daseinsvorsorge, er ist gesetzlich geregelt, und er muss völlig kostenneutral erfolgen können.“ Das kann die Firma Röwer nicht leisten. Für Privatpersonen kostet die „Mein Notruf“-App 27,99 Euro im Jahr. Größere Firmen und Institutionen können Sonderkonditionen erhalten. Derzeit gebe es annähernd 50000 Downloads, schätzt Röwer.

Steuergelder verschwendet

Neulich habe er von der für den Notruf zuständigen Parlamentarischen Staatssekretärin erfahren, dass es einer teuren Expertengruppe nicht gelungen sei, eine App zu entwickeln, erzählt Röwer. Er ärgert sich über die Verschwendung von Steuergeldern: „Das ist wie beim Berliner Flughafen. Der wird immer teurer und nicht fertig, während Sie bei mir starten und landen können.“


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