Ehrenamtlicher Einsatz Zwei junge Syrer arbeiten in der Osnabrücker Tafel



Osnabrück. Zu den Kunden der Osnabrücker Tafel gehören immer mehr Flüchtlinge. Es gibt aber auch Geflüchtete, die selbst etwas für die Tafel tun: Die Brüder Fayez und Saeed Karaziwan aus Syrien arbeiten als ehrenamtliche Helfer.

Saeed (27) und Fayez (25) stammen aus Aleppo. Dort haben sie Informatik und Bankwesen studiert. Im Verlauf des Krieges wurde ihre Heimatstadt angegriffen und zerstört. Die Brüder sahen für sich keine Zukunft mehr in Syrien. Sie jobbten nebenbei, um Geld anzusparen. 8000 Euro brauchte jeder von beiden, um ein Visum für Deutschland zu erhalten und nachweisen zu können, dass sie ein Jahr lang ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können. Nach Ablauf des Visums stellten sie einen Asylantrag, der inzwischen anerkannt ist.

Hilfe beim Übersetzen

Inzwischen lernen sie fleißig Deutsch und haben das Zertifikat B1 gemacht. Die Goethe-Zertifikaten B2 und C1 sollen folgen, damit sie in Deutschland studieren und eine Ausbildung machen können. Über Freunde erfuhren sie von der Osnabrücker Tafel, die Lebensmittel an Bedürftige abgibt. Mit Anerkennung ihres Asylantrages bekamen Saeed und Fayez einen Osnabrück-Pass und damit die Berechtigung, sich an die Tafel zu wenden.

Im Gegenzug boten sie dem Verein ihre ehrenamtliche Arbeitskraft an. Saeed hilft zweimal wöchentlich hinter den Kulissen beim Sortieren der gespendeten Lebensmittel. Fayez steht als Dolmetscher für die arabisch-sprechenden Kunden der Tafel bereit. „Das ist für uns eine enorme Hilfe“, sagt die 2. Vorsitzende Edith Lücke, die die Brüder ein wenig unter ihre Fittiche genommen und sie auch schon in ihrer Unterkunft an der Martinsburg besucht hat.

Genug Ware für alle

Unter den knapp 5000 Menschen, die wöchentlich von der Tafel unterstützt werden, sind nach A uskunft des 1. Vorsitzenden Hermann Große-Marke inzwischen gut 1100 Geflüchtete. „Wir haben glücklicherweise genug Ware für alle“, meint Lücke. Probleme, Neid oder Missgunst, wie es aus anderen Tafeln in Deutschland zu hören war, habe es in Osnabrück noch nicht gegeben.

„Ich kann hier in der Tafel lernen, besser Deutsch zu sprechen“, lächelt Fayez. Die Arbeit lenkt aber auch etwas ab von der Sorge um die Mutter und die jüngere Schwester, die noch in Aleppo leben. Die 17-Jährige sei schon einmal durch Bombensplitter am Rücken verletzt worden. Gerne würden sie den Rest der Familie – der Vater starb vor der Geburt der Schwester – nach Deutschland in Sicherheit bringen.

Geschmack an Grünkohl gefunden

In Aleppo gebe es oft tagelang keinen Strom und kein Wasser. Telefonate, die Familien spricht untereinander aramäisch, seien oft schwierig. Wenn nach Bombenangriffen Mutter und Schwester nicht zu erreichen sind, steigt die Sorge der jungen Männer.

Die lenken sich mit Deutschkursen ab, gehen als Gasthörer in die Universität, wo sie auch in Kürze an einem Mentorenprogramm teilnehmen werden. Und Fußball spielen sie auch noch. An Deutschland gefallen ihnen klare Regeln, auch bei Behörden: „In Syrien braucht man immer Vitamin B.“ Sie genießen das Klima, das es den Bäumen hier gut gehen lässt. Der viele Regen allerdings ist nicht so ihre Sache. Auch deutsche Küche lernen sie schätzen, zuletzt Grünkohl mit Mettwurst, die die Brüder christlichen Glaubens im Gegensatz zu ihren muslimischen Landsleuten essen dürfen. Mit Lebensmitteln von der Tafel kocht Saeed selber für die beiden. Die Zutaten für die syrische Spezialität Kibbebat, unter anderem Bulgur, müssen sie allerdings kaufen.


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