Heute rum-orthodoxe Gemeinde Osnabrücker Erlöserkirche vor 50 Jahren geweiht

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Osnabrück. Vor 50 Jahren wurde die Erlöserkirche als seinerzeit fünftes Gotteshaus der evangelisch-reformierten Gemeinde Osnabrücks geweiht. Vor acht Jahren verordnete sich die Gemeinde einen Sparkurs. In dessen Folge ging das Haus an eine christlich-orthodoxe Glaubensgemeinschaft über.

Insofern fand das 50. Jubiläum der Kirchweihe am 27. März 1966 auch in aller Stille statt. Als „Geburtstagskind“ könnte sich nur noch das Gebäude feiern lassen, nicht aber die Institution Erlöserkirche.

Den Zeitentwicklungen gehorchend, trennte sich die reformierte Gemeinde Ende 2007 in einem radikalen Schnitt von drei ihrer fünf Gotteshäuser. Erhalten blieben die Bergkirche am Westerberg als „Mutterkirche“ der 6000 reformierten Protestanten in Stadt und Landkreis Osnabrück – sie war 1893 der erste protestantische Kirchenneubau in Osnabrück seit der Reformation – und die Friedenskirche von 1926 an der Klöntrupstraße, die im Zuge der Umstrukturierung ihre neue Bestimmung als Jugendkirche erhielt. Die drei Neubaukirchen der Nachkriegszeit, die der Versorgung in zentrumsferneren Stadtteilen dienten, wurden hingegen entwidmet: Die Atterkirche an der Karl-Barth-Straße (jetzt kommunales Begegnungszentrum), die Gnadenkirche an der Rappstraße (abgerissen und jetzt Standort einer Kita) und eben die Erlöserkirche.

Aufbruchstimmung 1964

Bei der Grundsteinlegung am 4. Advent 1964 aber herrschte allgemeine Aufbruchstimmung. Kirchenpräsident Wilhelm Buitkamp sprach von „innerer Berechtigung und äußerem Mut“, die der Herrgott der Gemeinde verliehen habe, und den Wunsch der Gemeindeglieder nach einem eigenen Gotteshaus im Nordosten der Stadt nun bald erfüllen würde.

Zum Richtfest am 18. Juni 1965 zeichneten sich die Umrisse des kleinen, aber feinen Kirchenensembles bereits deutlich entlang der Sparren der Dachstühle ab. Mit einer Strophe von „Nun danket alle Gott“ und einem kurzen Gebet rundete Pastor Buitkamp die Richtfeier am Fuße des noch ungedeckten Kirchturms ab und bat die Gäste anschließend zum Richtschmaus in die Gaststätte Sonnenhügel.

Würdevolle Zweckmäßigkeit

Bei der Weihe am 27. März 1966, die Landessuperintendent Dr. Gerhard Nordholt aus Leer vornahm, konnte sich die Öffentlichkeit von der würdevollen Zweckmäßigkeit der Kirche überzeugen. Architekt Werner Neuland hatte den Kirchenraum auf einem achteckigen Grundriss entworfen. Das Oktogon dient nicht nur als sakraler Raum, sondern steht für vielerlei Arten von Veranstaltungen offen, sodass ein gesonderter Gemeindesaal entbehrlich wurde.

Von dem 30 Meter hohen Pyramidenturm auf quadratischem Grundriss führt ein bunt verglaster Verbindungsgang zum Kirchenraum. Er übernimmt die Funktion eines Windfangs. Im Erdgeschoss des Turms ist der Konfirmandenraum untergebracht. Der Kirchraum selbst ist mit rotem Zedernholz ausgekleidet. „Die gut aufeinander abgestimmten Materialien und Farbtöne rufen einen einheitlichen, warmen Eindruck hervor“, schrieb damals das „Osnabrücker Tageblatt“.

Entwidmung 2008

Erster Gemeindepfarrer war Superintendent Hans-Gerhard Schmidt, ihm folgten Hartmut Graeber, Dr. Eberhard Güting und Günter Baum. Letzterer übernahm die traurige Aufgabe, am 27. Januar 2008 die Erlöserkirche zu entwidmen und als Gemeindekirche zu schließen. Die Evangelischen Stiftungen übernahmen die Liegenschaft. Sie standen nun vor der Aufgabe, eine möglichst mit der Würde eines ehemaligen Gotteshauses vereinbare neue Nutzung zu finden.

Als Mietinteressent trat damals „Die Christengemeinschaft – Bewegung für religiöse Erneuerung“ auf. Die freikirchliche Gemeinschaft ist in ihren Lehrmeinungen von der Anthroposophie Rudolf Steiners beeinflusst. Sie versammelt sich seit 1984 in der Johanniskapelle auf dem Johannisfriedhof, ist aber schon länger auf der Suche nach einer Alternative.

Deren Bewerbung stieß allerdings auf den Widerspruch der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Osnabrück (Ackos), deren Vorsitzender Pastor Günter Baum ist. Die Christengemeinschaft sei eine Gruppierung, die mit dem biblisch bezeugten Evangelium unvereinbare Lehren vertrete, hieß es. Und diese Lehren sollten auch in einem ehemals evangelisch-reformierten Gotteshaus nicht verbreitet werden. Baum sagt heute über die Freikirche: „Das sind alles sympathische Leute, aber es gab die EKD-Empfehlung, entwidmete Kirchen möglichst nur an Glaubensgemeinschaften abzutreten, die Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen sind. An diese Empfehlung haben wir uns gehalten.“

Gemeinde „Heilige Mutter Gottes Maria“ zieht ein

Sie wurde mit Leben erfüllt, als Anfang 2009 ein Mitvertrag mit der rum-orthodoxen Kirchengemeinde „Heilige Mutter Gottes Maria“ zustande kam – Ackos-Mitglied und seit 1995 in Osnabrück heimisch. Gemeindeglieder sind rund 120 Familien, die ihre Wurzeln in der Türkei, Syrien, Libanon, Palästina und Griechenland haben. Liturgiesprache ist Arabisch.

So kam es dazu, dass in der ehemals eher schmucklos-bilderfeindlichen reformierten Kirche nun eine Ikonenwand mit einer Fülle golden-prachtvoller bildlicher Darstellungen prangt. Eine neue Aufgabe haben die rum-Orthodoxen in allerletzter Zeit angenommen, indem sie syrischen Flüchtlingen eine sprachkundige Heimstatt bieten.


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