„Lebenswerk für die Freiheit“ Osnabrücker Liberale trauern um „einen großen Staatsmann“

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Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip empfing Hans-Dietrich Genscher 2001 im Friedenssaal. In der Mitte der Osnabrücker Liberale Carl-Ludwig-Thiele. Foto: Archiv/Jörn MartensOberbürgermeister Hans-Jürgen Fip empfing Hans-Dietrich Genscher 2001 im Friedenssaal. In der Mitte der Osnabrücker Liberale Carl-Ludwig-Thiele. Foto: Archiv/Jörn Martens

Osnabrück. Die Osnabrücker FDP zeigt sich erschüttert vom Tod Hans-Dietrich Genschers. 14 Tage nach Guido Westerwelles Tod ist die Trauer um den langjährigen liberalen Außenminister und Vizekanzler groß.

„Wir sind betroffen vom Tod eines großen Staatsmannes“, sagte der Osnabrücker FDP-Vorsitzende Moritz Gallenkamp . Genscher sei einer der Väter der deutschen Einheit. Mit Leidenschaft habe er sich für das Ende des Kalten Krieges und ein geeintes Europa stark gemacht.

„Genschers Lebenswerk stand im Dienst der Freiheit“, so Gallenkamp. Auch mit seiner Hilfe sei den jüngeren Europäern die Reisefreiheit geschenkt worden. Aus Dankbarkeit werde sich die FDP weiter mit aller Kraft für die Freiheit der Menschen einsetzen.

Respekt vor dem Lebenswerk

Respekt vor der Leistung und dem Lebenswerk Genschers bekundet auch die Vorsitzende der Osnabrücker Jungen Liberalen, Tanja Josefa Figlus. „Kaum ein anderer Politiker schaffte es über die eigene Partei hinaus, eine derartige Beliebtheit in der Gesellschaft zu finden“, schreibt Figlus: „Für viele von uns Jungpolitikern ist er ein Vorbild. Die liberale Familie hat heute ein wichtiges Mitglied verloren.“

Der liberale Politiker war oft in Osnabrück und Umgebung zu Gast. So nahm er 1974 noch als Innenminister teil am kleinen FDP-Parteitag in Osnabrück. Auf dem Flugplatz Atterheide wurden Genscher und der damalige Außenminister Walter Scheel vom Osnabrücker FDP-Ratsmitglied Diedrich Buermeyer, dem Kreisvorsitzenden Karl-Heinz Petersson und der liberalen Landtagskandidatin Heidrun Ellermann empfangen. Der frühere Oberbürgermeister Ernst Weber und Oberstadtdirektor Raimund Wimmer waren ebenfalls dabei.

Gast bei den Friedensgesprächen

Hans-Dietrich Genschers Meinung war natürlich auch gefragt bei den Osnabrücker Friedensgesprächen: Am 25. Oktober 2001, dem 353. Jahrestag des Westfälischen Friedens ließ Genscher vor mehr als 1000 Zuhörerinnen und Zuhörern die wichtigsten Stationen auf dem Weg zur Deutschen Einheit Revue passieren.

Bei diesem Besuch wurde Genscher von Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip im Friedenssaal empfangen. Dass er sich bei der Gelegenheit nicht wie andere Prominente im Goldenen Buch der Stadt verewigte, erklärte Fip damit, dass der ehemals dienstälteste Außenminister (1974 bis 1992) dies schon während seiner Amtszeit getan habe. Hans-Dietrich Genscher korrigierte seinen Gastgeber mit einem verschmitzten Lächeln: „Als ich mich eingetragen habe, war ich noch Innenminister“ (1969 bis 1974).

Mit Courage-Preis geehrt

Im Jahr 2000 wurde der beliebte Politiker mit dem Bad Iburger „Courage-Preis“ geehrt. „Ohne sein couragierten Eintreten wäre die Geschichte vielleicht anders verlaufen“, sagte damals der Laudator Richard Kiessler, Verfasser einer Genscher-Biografie. Der Vorsitzende des Courage-Komitees, Gerd Schöwing begründete die Preisverleihung damit, dass Genscher „der Architekt des neuen Europa und geschickter Anwalt des Ausgleichs zwischen Ost und West“ gewesen sei.

Die Deutsche Einheit sei seit Jahrzehnten sein Herzenswunsch gewesen, sagte Genscher damals am Rande der Veranstaltung. Im Stillen habe er gehofft, dann noch im Amt zu sein. Vor allem der Name Courage freue ihn an der Ehrung, dankte der Liberale, der zahlreiche Auszeichnungen erhielt.


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