Bildhafte Stadtchronik 40 Jahre Osnabrück in Schwarz-Weiß


Osnabrück. „Momente auf Baryt“ heißt eine Ausstellung im Intervision-Studio, die am kommenden Samstag eröffnet wird. Es handelt sich um eine Auswahl von Schwarz-Weiß-Fotografien mit Osnabrücker Motiven, die der Journalist Harald Keller in den vergangenen 40 Jahren anfertigte.

Obwohl Harald Keller in den 1970er Jahren eine Ausbildung zum Fotokaufmann absolvierte, galt seine Leidenschaft eher der Fotografie selbst. Schon als Kind experimentierte er mit der „Familienkamera“, einer Voigtländer Bessa I. Als Jugendlicher pirschte der Osnabrücker durch seine Stadt und dokumentierte, was ihm vor die Linse kam: Straßenszenen, in denen der Mensch stets im Mittelpunkt stand, zum Beispiel spielende Kinder hinter einem Fenster oder zwischen den Schrottkäfern auf dem Hinterhof einer Tankstelle. Später schlug Keller den Weg des Freien Journalisten ein – was ihn jedoch nicht davon abhielt, weiterhin seine Kamera einzusetzen. Daher spricht er heute von einem „Sekundär-Job“, wenn es um das Fotografieren geht. Seine Storys und Reportagen, die er beispielsweise für das Stadtblatt Osnabrück schrieb, illustrierte er gern mit selbst gemachten Fotos: die Skater-Szene am Haarmannsbrunnen, die Wahlkampfveranstaltung vor dem Rathaus, der Wochenmarkt oder der Karneval in Osnabrück.

All das lässt Keller jetzt im Intervision-Studio Revue passieren. „Da wuchs ein dickes Archiv heran, dementsprechend schwierig war es, für die Ausstellung eine Auswahl zu treffen“, sagt Keller. Was die Präsentation seiner Arbeiten angeht, bezeichnet er sich als „Spätzünder“, denn es ist tatsächlich seine erste Einzelausstellung mit Fotoarbeiten.

Für den Besucher ist die Fotoschau doppelt interessant. Einerseits verblüfft die Qualität der Fotografien aus Analog-Zeiten, als man beim Entwickeln der Filme noch ins Wechselbad der Gefühle geschickt wurde: Vom Aha-Erlebnis über tolle Ergebnisse bis zum Frust über misslungene Schnappschüsse war alles dabei. Andererseits kann man in nostalgischen Gefühlen schwelgen, denn ob alte Aufnahmen vom Neumarkt oder mit Willy Brandt bei einer Wahlkampfveranstaltung vor dem Osnabrücker Rathaus, ob die Jubiläumsparty im Hyde Park oder der alternative Jugendrosenmontag im einem riesigen Zelt auf dem Platz, auf dem heute die Kamppromenade zum Shoppen einlädt – die Fotos rufen Osnabrücker Erinnerungen wach.

Als roter Faden zieht sich das Thema „Jugendkultur“ durch die Schau, aber Keller packt auch mal eine Aufnahme von Schlagersänger Heino vor der Stadtwaage oder die polizeiliche Fahrzeugkontrolle auf einer Osnabrücker Straße dazwischen. Möglich gemacht wurde die Ausstellung durch Mittel des Landschaftsverbands Osnabrücker Land und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur.


Intervision-Studio, Lohstraße 58: „Momente auf Baryt – Osnabrücker Straßenbilder aus 40 Jahren“. Fotografien von Harald Keller. 2. April (Eröffnung um 19 Uhr mit einer Einführung von Medienwissenschaftler Dr. Peter Nowotny) bis 17. April, Do.-Fr. 16-18 Uhr, Sa. 12-14 Uhr, So. 14-16 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 0173 – 74 96 344

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