Osnabrücker Praxen abgemahnt Osteopathie-Verbot verunsichert Physiotherapeuten in Osnabrück

Von David Hausfeld

Ärzten und uneingeschränkten Heilpraktikern bleibt die Osteopathie vorbehalten, das hat das Oberlandesgericht Düsseldorf entschieden. Auch Osnabrücker Physiotherapeuten wurden auf Grundlage dieser Einzelfallentscheidung abgemahnt. Symbolfoto: dpaÄrzten und uneingeschränkten Heilpraktikern bleibt die Osteopathie vorbehalten, das hat das Oberlandesgericht Düsseldorf entschieden. Auch Osnabrücker Physiotherapeuten wurden auf Grundlage dieser Einzelfallentscheidung abgemahnt. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Mehrere Osnabrücker Physiotherapiepraxen sind auf Grundlage einer Einzelfallentscheidung abgemahnt worden, weil sie osteopathische Behandlungen angeboten oder damit geworben haben. Grund ist ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 8. September des vergangenen Jahres. Demnach ist Osteopathie den Ärzten und allgemeinen Heilpraktikern vorbehalten, ein Physiotherapeut darf nicht mit diesen Methoden behandeln oder werben – auch nicht mit einer Osteopathie-Weiterbildung.

Physiotherapeuten können zwar auch eine Osteopathie-Ausbildung absolvieren, als Heilkunde darf sie aber nur von Ärzten und ausgebildeten Heilpraktikern angewandt werden, bestätigte das Oberlandgericht Düsseldorf ein vorangegangenes Urteil des Verwaltungsgerichtes Düsseldorf.

Die Ausübung der Osteopathie als berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit dient der Feststellung, Heilung und Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden und fällt damit unter Paragraf 1 des Heilpraktikergesetzes (HeilPrG).

In der Düsseldorfer Verhandlung, in der ein Heilpraktiker gerichtlich gegen einen Physiotherapeuten vorging, handelt es sich allerdings um einen Einzelfall.

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Osnabrücker Praxen abgemahnt

Allein in Osnabrück seien dennoch inzwischen „sechs oder sieben“ Praxen abgemahnt worden, berichtet Johann Mohr, Geschäftsführer des Osnabrücker Gesundheitsdienstleisters Team Mohr. Treibende Kraft war eine Osnabrücker Heilpraktikerin, die in diesem Bericht nicht namentlich erwähnt werden will. Auch gegen Team Mohr sprach sie eine Unterlassungserklärung aus. Mohr zog dagegen vor Gericht und verlor.

Aufgrund großer Nachfrage von Patientenseite habe das Team Mohr auf der Firmenwebseite über osteopathische Behandlung informiert und auf Wunsch an einen Osteopathen weitervermittelt, erklärt der Geschäftsführer. Selber angeboten habe er die Behandlung in seinen Praxen nicht.

„Es ist keine Rechtssicherheit mehr gegeben“, klagt Mohr. Viele selbstständige Physiotherapeuten seien verunsichert. Das Risiko, einen Streit vor Gericht zu verlieren, sei wegen der fehlenden juristischen Klarheit groß. Bisher führten auch Physiotherapeuten ohne uneingeschränkte Heilpraktikererlaubnis osteopathische Methoden aus. Praxen warben mit der Behandlung.

Bundesweite Regelung gefordert

Lediglich in Hessen ist die Gesetzeslage klar geregelt: Die hessische Weiterbildungs- und Prüfungsordnung im Bereich Osteopathie (WPO-Osteo) definiert, welche Physiotherapeuten sich auch als Osteopathen ausweisen dürfen. Auf Rezept ist es diesen dann auch erlaubt, osteopathische Techniken auszuführen.

Es fehle an einer bundesweiten Gesetzesgrundlage, die Therapeuten, aber auch Patienten die nötige Sicherheit gebe, sagt Mohr. Eine klare Linie, die überall greifen müsste. Damit schließt sich das Unternehmen der Forderung des Bundesverbandes selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) an.

Eingeschränkte Heilpraktikerlaubnis

Jede osteopathische und physiotherapeutische Behandlung bedürfe der vorherigen Diagnose und Verordnung durch einen Arzt oder Heilpraktiker, erläutert Dr. Gerhard Bojara, Leiter des Gesundheitsdienstes für den Landkreis und die Stadt Osnabrück. Physiotherapeuten könnten alleine durch Weiterbildung eine eingeschränkte Heilpraktikererlaubnis für den Bereich Physiotherapie erlangen, erklärt Bojara.

Diese Erlaubnis berechtige aber ausschließlich zur Physiotherapie-Behandlung ohne die Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers. Eine osteopathische Behandlung bleibe unzulässig, egal ob sie verschrieben wurde oder nicht.

„Schranke, die es einzuhalten gilt“

„Das sind grundsätzliche Schranken, die es einzuhalten gilt“, befindet Bojara. Nur die Ausbildung zum Arzt oder Heilpraktiker erwirke die Erlaubnis, Menschen überhaupt behandeln zu dürfen. „Jemand kann noch so ein guter Autofahrer sein, ohne Führerschein darf er nicht fahren“, zieht Bojara einen Vergleich.

Selbst auf die eingeschränkte Heilpraktikererlaubnis, mit der Physiotherapeuten ohne ärztliche Weisung physiotherapeutisch arbeiten, blickt der Amtsarzt „nicht unkritisch“. Grund sei die fehlende Ausbildung, fachgerecht bestimmte Krankheitsbilder zu erkennen und dadurch eine Fehlbehandlung auszuschließen. Dieses Argument führt auch die Osnabrücker Heilpraktikerin an.

Gefahr für die Patienten

„Es geht gar nicht um die Gesetzeslage, sondern vor allem um die Patienten“, sagt die Heilpraktikerin. Auch mit einer ärztlichen Verschreibung wäre eine osteopathische Behandlung durch Physiotherapeuten bedenklich, denn diese würden in Gefahr laufen, den Patienten durch falsch zugeordnete Symptome zu gefährden. „Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Jemand klagt über Rückenschmerzen an der Brustwirbelsäule. Dann müssen Sie erkennen können, dass die Schmerzen eventuell durch Krebs an der Bauchspeicheldrüse hervorgerufen werden“, erklärt die Heilpraktikerin.

„Wir sehen es in der Praxis: Am besten funktioniert es, wenn Arzt und Physiotherapeut eng zusammen arbeiten“, sagt hingegen Mohr. Die Physiotherapeuten wollen sich nicht von Ärzten unterschätzt wissen, denn auch sie durchlaufen, insbesondere bis zum Osteopathen, eine mehrjährige Aus- und Weiterbildung, sagt der Geschäftsführer.

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Was ist Osteopathie?

„Heilung mit den Händen“ verspricht die in Deutschland als Heilkunde geltende Behandlungsform der Osteopathie. Der Verband Osteopathen Deutschland (VOD) informiert auf seiner Internetseite darüber, dass Diagnose und Therapie des Patienten bei der Osteopathie ausschließlich mit den Händen erfolgten. Dabei sollen unter anderem Spannung, Beschaffenheit und Beweglichkeit der Haut sowie darunterliegender Gewebe, Muskeln, Bänder, Knochen und innerer Organe sanft ertastet und etwaige Bewegungseinschränkungen behandelt werden. Mit anderen Worten: Durch bestimmte Handgriffe und Massagetechniken sollen Blockierungen des Gelenkapparates beseitigt werden. Dem liegt nach Angaben der Bundesvertretung der Osteopathen in Deutschland die Annahme zugrunde, der Körper sei selbst in der Lage, sich zu regulieren und zu heilen, wenn alle Körperstrukturen beweglich und gut versorgt seien.

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