Streit um Neumarkt und NO2 Lohnen sich spezielle Filter für die Osnabrücker Busse?

Öffentlicher Nahverkehr oder Autos: Wie lässt sich der Stickstoffdioxidanteil in der Osnabrücker Luft wirksam reduzieren? Symbolfoto: Michael GründelÖffentlicher Nahverkehr oder Autos: Wie lässt sich der Stickstoffdioxidanteil in der Osnabrücker Luft wirksam reduzieren? Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Den Dieselbussen wird neuerdings der schwarze Peter zugeschoben für die hohe Stickstoffdioxidbelastung in Osnabrück, speziell am Neumarkt. Jetzt prüfen die Stadtwerke den Einbau zusätzlicher Filter, betonen aber, dass der geplante Umstieg auf E-Busse die größte NO2-Entlastung bringe.

2018 wollen die Stadtwerke mit der Umstellung ihrer gesamten Flotte auf Elektroantrieb beginnen. Innerhalb weniger Jahre sollen dann 40 batteriebetriebene Großraumfahrzeuge Zug um Zug die alten NO2-Schleudern ersetzen.

Zwölf Busse nach Euro-6-Standard

Nach Auskunft von Pressesprecherin Katja Diehl sind derzeit alle 91 Busse im Fuhrpark mit einer Abgastechnik ausgerüstet, die der grünen Plakette entspricht. Zwölf davon erfüllen auch die Euro-6-Norm, weil sie mit SRCT-Filtern ausgestattet sind, die neben dem Feinstaub auch Stickoxide im Abgas reduzieren. Zudem verweist Diehl auf zwei Elektrobusse, die ohne lokale Emissionen fahren.

Als Problemfälle gelten die 77 älteren Fahrzeuge, deren Partikelfilter zwar den Feinstaub zurückhalten, nicht jedoch das giftige NO2.

Zweifel an der Wirksamkeit

„Wir prüfen derzeit, welche Filtertechnik am Markt existiert und ob diese für unsere Fahrzeuge geeignet ist“, vermerkt die Stadtwerke-Sprecherin. Aus ihren weiteren Ausführungen klingt jedoch durch, dass die Fachleute einer wirksamen Entlastung des Neumarkt-Hotspots skeptisch gegenüberstehen. Es sei „Tatsache, dass eine solche Filtertechnik erst ab einer bestimmten Abgastemperatur Wirkung zeigt“, schreibt Diehl weiter. Gerade an Punkten wie dem Neumarkt müsse mit längeren Standzeiten und einer geringeren Durchschnittstemperatur gerechnet werden, und das könne bei der Abgasfilterung kontraproduktiv sein.

Katja Diehl weist im Übrigen darauf hin, dass bei der Betrachtung der NOx-Emissionen auch die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) eine wichtige Rolle spiele. Um die ging es vor einigen Tagen auch im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Detlef Gerdts, der Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz, nahm die VOS-Busse vor Kritik in Schutz.

VOS hat investiert

Seit der Einführung der Umweltzone hätten die Unternehmen mehr als 50 Millionen Euro in moderne Fahrzeuge investiert. Die Flotten seien deutlich jünger als im bundesweiten Vergleich. Gerdts machte auch deutlich, dass die Abgasreinigung der Euro-6-Busse im Gegensatz zu älteren Modellen offensichtlich gut funktioniere. 29 Euro-6-Fahrzeuge von privaten Unternehmen seien derzeit in Osnabrück unterwegs.

Im Streit um den Neumarkt wurde in den vergangenen Wochen mehrfach die Frage aufgeworfen, wer für die erhöhten NO2-Werte verantwortlich ist. Fachbereichsleiter Gerdts geht davon aus, dass ein Drittel auf die Pkw, ein Drittel auf die Busse und ein Drittel auf die Hintergrundbelastung zurückgehe. Während der Sperrung sei jedenfalls ein deutlich niedrigerer Wert gemessen worden, lautet sein Fazit.

Wer fährt sauberer?

In diesem Zusammenhang wird relevant, welches Verkehrsmittel mehr Stickoxide pro Personenkilometer emittiert. Stadtwerke-Sprecherin Katja Diehl bedauert, dass es zu dieser Fragestellung offensichtlich keine neuen Veröffentlichungen gebe. 2012 hatte der Verkehrsclub Deutschland (VCD) den NO2-Wert für einen durchschnittlichen Pkw mit 0,3 Gramm angegeben, für einen Linienbus mit 0,48 Gramm. Demnach sind die Busse beim Stickstoffdioxidausstoß also noch schlimmer als die Autos.

Diehl sieht allerdings Grund zu der Annahme, dass der öffentliche Nahverkehr in Osnabrück besser abschneidet. Zum einen, weil die Linienbusse innerhalb der Stadt besser ausgelastet seien als die auf dem Lande, die der VCD ebenfalls mitgezählt hat. Zum anderen, weil beim Autoverkehr der Anteil der Dieselfahrzeuge stark gestiegen ist. Gerade die Dieselmotoren werden für das giftige Stickstoffdioxid verantwortlich gemacht.


NO2 bremst das Lungenwachstum bei Kindern

Es entsteht bei der Verbrennung fossiler Energie, vor allem in Dieselmotoren: Stickstoffdioxid ist ein giftiges Gas mit der chemischen Formel NO2. Die stechend riechende Substanz gilt als krebsverdächtig und greift die Atemwege an. Bei Kindern bremst NO2 das Lungenwachstum.

Der Mittelwert darf nicht höher sein als 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. In Osnabrück wurde dieser Grenzwert in der Vergangenheit am Neumarkt, an der Martinistraße und am Schlosswall überschritten. Während der Neumarkt-Sperrung sanken die Werte dort ebenso wie an der Martinistraße, während sie sich am Schlosswall erhöhten.

Wegen der gravierenden gesundheitlichen Beeinträchtigung ist die Stadt verpflichtet, die Richtwerte einzuhalten. Kommt es zu Überschreitungen, riskiert sie Klagen von Bürgern oder Umweltverbänden, außerdem muss sie mit einem Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Union und Strafzahlungen rechnen.

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