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Die Grabesritter kommen Orden nimmt an diesem Wochenende im Osnabrücker Dom neue Mitglieder auf

Von Dirk Fisser


Osnabrück. Sie sind unter uns. Als Lehrer beispielsweise oder als Versicherungsvertreter. Doch wenn sie ihren Mantel überstreifen, werden sie zu Rittern des Ordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. An diesem Wochenende kommen rund 230 der katholischen Ordensleute im Osnabrücker Dom zusammen, um neue Mitglieder in ihre Reihen aufzunehmen.

Nein, auf dem Pferderücken reisen die Ritter nicht an. Eine Rüstung tragen sie auch nicht, und ohnehin: „Wir sind kein Geheimbund“, betont Hermann Sommer. Der ehemalige Oberstudiendirektor des ehrwürdigen Osnabrücker Gymnasiums Carolinum steht der norddeutschen Ordensprovinz vor. Dazu zählen die Regionen Braunschweig, Bremen, Hamburg, Hildesheim und Osnabrück-Vechta. 120, vielleicht auch 130 Ritter leben in diesem Gebiet. So genau weiß Sommer das nicht, schließlich ist er gerade erst in sein Amt gewählt worden.

Vorher stand er an der Spitze der Komturei St. Wiho. Komturei wird unter Rittern die Verwaltungseinheit unterhalb der Provinz genannt. St. Wiho umfasst in etwa das Gebiet der Landkreise Osnabrück, Emsland, Vechta und der Grafschaft Bentheim und richtet jetzt die dreitägigen Aufnahmefeierlichkeiten in Osnabrück aus. Zwei dieser sogenannten Investituren werden jährlich in Deutschland veranstaltet, erzählt Sommer. Das letzte Mal, dass sich die Ritter in Osnabrück trafen, war 1997.

Neue Mitglieder in den Orden aufzunehmen ist Chefsache. Und deswegen reist der Großprior der deutschen Statthalterei höchstselbst an. Es handelt sich um Erzbischof Reinhard Kardinal Marx aus dem Erzbistum München-Freising. Er wird per Ritterschlag die neuen Mitglieder am Samstag im Osnabrücker Dom im Zuge eines mehrstündigen Investiturgottesdienstes in den Orden aufnehmen.

Danach ist die Gemeinschaft, die weltweit etwa 22000 und in Deutschland 1300 Anhänger zählt, um 15 Mitglieder reicher: fünf Ritter, fünf Damen und fünf Priester. Im Gegensatz zu anderen Orden sind die Grabesritter keine reine Männergesellschaft. „So eine Ritterinvestitur, die ist schon ein bisschen pompös“, sagt Hermann Queckenstedt, Leiter des Diözesanmuseums in Osnabrück und ebenfalls Ritter. Drei Tage wird gefeiert, von Freitag bis Sonntag mit dem Höhepunkt am Samstag. Auch in evangelischen Kirchen werden die katholischen Ritter Einzug halten: Am Freitag zur Vesper etwa in die Marktkirche St. Marien in Osnabrück – ganz friedlich, versteht sich.

Zu übersehen sind sie nicht, schließlich tragen alle Ordensleute ihren elfenbeinweißen Mantel samt Jerusalemkreuz und die spezifische Kopfbedeckung in Form eines schwarzen Baretts. „Das haben wir natürlich nicht zu jedem Gottesdienst an. Es handelt sich um liturgische Kleidung speziell für einen solch festlichen Anlass“, erklärt Ordensprovinz-Chef Sommer.

Doch wie wird man Mitglied? „Bewerben kann man sich für eine Aufnahme nicht“, stellt er klar. Das gehe nur auf Vorschlag eines Ritters. Und was ist Voraussetzung, um auserwählt zu werden? „Man sollte katholisch geerdet sein“, springt Queckenstedt seinem Provinzvorsteher bei. Es sei allerdings nicht weiter schlimm, wenn der Ehepartner zufälligerweise evangelisch sei. Der könne halt nur nicht Ritter oder Dame werden. Es gibt aber auch eine Ausnahme: Der ehemalige deutsche Kaiser Wilhelm II., bekennender Protestant, zählte ebenfalls zu den Grabesrittern.

Hermann Sommer gibt zu: Wenn er von seinem Ritterdasein erzähle, ernte er manchmal schiefe Blicke. „Das kann schon mal vorkommen. Aber das halten wir aus“, sagt er, und Queckenstedt ergänzt, dass seine Kinder in der Schule auch schon einmal gefragt worden seien, ob der Papa denn auch eine Ritterrüstung und ein Pferd habe. Nein, hat er nicht. Und seinen Rittermantel holt er auch nur selten aus dem Schrank.

Das Ordensleben besteht nicht nur aus den zwei Investiturgottesdiensten pro Jahr. Zwei Säulen habe der Ritterorden, berichtet der Museumsdirektor. Zum einen das Leben des Glaubens in einer Gemeinschaft. „Es herrscht eine große menschliche Nähe, das macht die Stärke der Gruppe aus.“ Zum anderen das Pilgern ins Heilige Land.

Denn hier liegen die Wurzeln des Ordens, der auf Lateinisch „Ordo Equestris Sancti Sepulcri Hierosolymitani“ heißt. Er zählt nicht zu den christlichen Gemeinschaften, die sich rund um die mittelalterlichen Kreuzzüge gegründet haben, sondern fußt auf der Tradition der Pilgerreisen zur Grabeskirche nach Jerusalem.

Das zeigt sich bis heute in Form einer tiefen Verbundenheit: Die Ritter helfen den Christen im Heiligen Land – einer Minderheit im Vergleich zu Muslimen und Juden. „Die sitzen da zwischen den Stühlen“, umschreibt es Hermann Sommer. Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und Altenheime werden mit dem Geld des Ordens gebaut und betrieben. Regelmäßig reisen Ordensleute nach Jerusalem. Und 2013, erzählt Sommer, steht hier sogar die erste Investiturfeier des Ordens in der Moderne an. „Mit allen Schwierigkeiten, die das mit sich bringt.“

Doch jetzt steht erst einmal Osnabrück auf dem Programm. Landauf, landab haben die Mitglieder ihre Mäntel aus den Schränken geholt. Für dieses Wochenende sind sie wieder für jeden als Grabesritter zu erkennen.

Weitere Informationen im Internet: www.ritterorden.de


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