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Osnabrücker Kinogeschichte(n), Teil 4. Kultiges Servicekino für Nachtschwärmer: Das „Cinema“ polarisierte mit seinen Mitternachtsvorstellungen

Von Reinhard Westendorf

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Konflikt-Kino: Das Cinema ärgerte die Nachbarn. Foto: ArchivKonflikt-Kino: Das Cinema ärgerte die Nachbarn. Foto: Archiv

Osnabrück. Für zwei Jahrzehnte war das „Cinema“ ein beliebter Treffpunkt für Osnabrücker Kinogänger. Insbesondere das Spätprogramm lockte die Besucher in das Service- und Raucherkino – zunächst von 1981 bis 1991 in die Spichernstraße, anschließend bis 2001 an den neuen Standort Pagenstecherstraße.

„Wir bedienen Sie gern! Bitte drücken Sie den Bedienungs-Ruf-Schalter vor ihrem Sessel.“ Dieses Angebot war regelmäßig in den einfarbigen, hochformatig gefalzten Programmzetteln des „Cinema“ zu lesen. Das darin annoncierte „Sonderprogramm“ der täglichen Spätvorstellungen wurde vom Publikum ebenso geschätzt wie der Getränkeservice am Platz und die Raucherlaubnis.

Das „Cinema“ wurde im April 1981 von dem Detmolder Kinounternehmer Lothar Hauschild (der damals in Osnabrück auch das „Universum“ und den „Rosenhof“ betrieb) in der Spichernstraße 11 in einem ehemaligen Werkstatt-Flachbau eröffnet. Es war die erste Kino-Neueröffnung in Osnabrück seit 21 Jahren, zu einer Zeit, als es in der Stadt nur noch drei gewerbliche Leinwände gab. Die Bildwand im „Cinema“ war mit nur 12 Quadratmetern zwar recht klein, der Raum sehr niedrig und die Platzanzahl mit 96 Sitzen eher dürftig, aber dennoch sorgte das Einzelhaus seit der Übernahme durch den umtriebigen Betreiber Rolf Schrader ab September 1982 für großartige Kinoerlebnisse.

Neben den bequemen Sesseln mit großem Reihenabstand und dem bereits erwähnten Bedienungskomfort war es insbesondere das dreimal in der Woche wechselnde Spätprogramm mit täglichen Vorstellungen um 22.30 und 0.45 Uhr (!), das dem „Cinema“ ein Stammpublikum bescherte. Die Nachtschwärmer sorgten allerdings nicht nur für Umsatz, sondern auch für Ärger mit den Anwohnern. Ein Nachbar klagte lange und letztlich erfolgreich gegen die Stadt auf Entzug der Baugenehmigung, da die nächtliche Lärmbelästigung durch die an- und abfahrenden Fahrzeuge der Kinobesucher unzumutbar sei.

So nahm Osnabrücks letzter lokaler Kinobetreiber Rolf Schrader nach rund zehn Jahren und einer Million Besuchern am 6. April 1991 Abschied vom „Cinema“ in der Spichernstraße. Zum Abschluss wurden noch einmal die langjährigen Kultfilme „Blues Brothers“ und „Rocky Horror Picture Show“ gezeigt.

Aber bereits zwölf Tage später konnten die „Cinema“-Freunde die Neueröffnung unter gleichem Namen in der Pagenstecherstraße 48 direkt neben der Diskothek „Subway“ feiern.

„Im alten Stil“, aber jetzt mit zwei Sälen (120 und 50 Plätze) und moderner Tontechnik ausgestattet, führte Rolf Schrader sein bewährtes Konzept bis zur Übergabe an seine ehemaligen „Hasetor“-Geschäftsführer Saßnick und Thieken weiter. Aber nach zehn Jahren ging am 19. September 2001 auch das „Cinema“ an der Pagenstecherstraße endgültig vom lokalen Kino-Netz. Heute befindet sich in dem Gebäude die russische Club-Disco „Arlekino“.


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