Prostitution in Osnabrück Straßenstrich im Hasepark: Eine Streetworkerin berichtet

Von Hendrik Steinkuhl


Osnabrück. Wer über den Hasepark spricht, kann ihn nicht ignorieren: den Straßenstrich. Seit Ende der Neunzigerjahre werben hier, am Rande des städtischen Sperrbezirks, Prostituierte um Kunden. Wir haben mit einer Sozialarbeiterin gesprochen, die die Szene kennt.

Man hätte es sich ja denken können, aber wenn Katharina Kuhlage erzählt, dass das Angebot auf dem Straßenstrich am Monatsende deutlich größer ist als am Beginn, wundert man sich schon. „Viele der Frauen haben noch andere Einkommen, einige bekommen Arbeitslosengeld II, und das ist am Ende des Monats oft aufgebraucht.“

Katharina Kuhlage kennt den Straßenstrich im Hasepark, denn gemeinsam mit ihren Kolleginnen vom „Café Connection“ der Diakonie hat sie die Sexarbeiterinnen dort häufig aufgesucht. „Nachtschicht“ hieß das Projekt, einmal in der Woche fuhren die Frauen in den Hasepark, um sich ganz konkret an die Frauen zu wenden, die mit der Prostitution ihre Drogensucht finanzieren.

Projekt ist vor kurzem ausgelaufen

Vor kurzem erst, Ende des vergangenen Jahres, ist das Projekt nach beinahe 20 Jahren ausgelaufen. Der Grund ist ein durchaus erfreulicher: „Wir haben es geschafft, dass sehr viele der Prostituierten jetzt zu uns ins Café Connection kommen, um hier ihre Spritzen zu tauschen und sich Kondome geben zu lassen.“

„Safer Sex“ und „Safer Use“, also im Wesentlichen das Benutzen von Kondomen und sterilen Spritzen, mit diesem Aufklärungs-Anliegen hatten sich die Sozialarbeiterinnen an die Prostituierten gewandt. Die Frauen hätten das Beratungsangebot genau so wie die kostenlos verteilten Kondome gerne angenommen, sagt Katharina Kuhlage.

10 bis 15 Frauen pro Nacht betreut

„In jeder ,Nachtschicht‘ sind etwa 10 bis 15 Frauen in den Bulli gekommen.“ Die Resonanz auf das Angebot der Diakonie sei aber durchaus unterschiedlich gewesen. Manche hätten sich gefreut, andere wiederum hätten sich fürchterlich geschämt, dass man sie bei dieser Arbeit beobachte.

Im Laufe der Jahre sei die Zahl der Frauen, die sich im Hasepark prostituieren, um ihren Drogenkonsum zu finanzieren, deutlich gesunken. „Einer der Gründe ist die zurzeit gute Versorgung mit Substitutionsplätzen in der Stadt Osnabrück“, sagt Katharina Kuhlage.

„Hasepark liegt am nächsten an der Innenstadt“

Über die Motivation der osteuropäischen Prostituierten im Hasepark wisse man hingegen sehr wenig. Schuld daran sei die Sprachbarriere, sagt Katharina Kuhlage. Ob dort auch Frauen von Zuhältern zur Prostitution gezwungen würden, und wenn ja, wie viele, könne sie deshalb nicht sagen.

Dass im Hasepark ein Straßenstrich entstanden ist, hält die Sozialarbeiterin übrigens für naheliegend. 1997 habe die Stadt die Straßenprostitution im Bahnhofsviertel verboten, der Rest der Innenstadt sei ohnehin Sperrbezirk. „Wenn man sich dann mal die Karte anschaut, stellt man sofort fest, dass der Hasepark am nächsten an der Innenstadt liegt.“

Straßenstrich bietet soziale Kontrolle

Damit die Prostituierten auch wissen, wo sie ihrer Arbeit nachgehen können, hat die Stadt einen Flyer produziert. Mit „Anschaffen in Osnabrück“ ist der überschrieben, und neben der Karte mit den eingezeichneten Sperrbezirken sind die Kontaktdaten des „Café Connection“, der Frauenberatungsstelle und von Pro familia verzeichnet. Und das natürlich in mehreren Sprachen.

Die Forderung, Prostitution zu verbieten, hält Katharina Kuhlage im Übrigen für wenig sinnvoll. Im Hasepark habe sie beobachtet, dass es einen großen Zusammenhalt unter den Frauen auf dem Straßenstrich gebe. Man achte aufeinander, und wenn eine Frau mehrere Tage nicht da sei, werde das auch durchaus der Polizei mitgeteilt, die sehr präsent sei. Durch ein Verbot wäre all das nicht mehr möglich. Viele Frauen würden trotzdem anschaffen gehen – aber alleine und ohne jede soziale Kontrolle.

Autos mit auswärtigen Kennzeichen

Bei ihren Einsätzen mit der „Nachtschicht“ hat Katharina Kuhlage übrigens kaum Autos mit OS-Kennzeichen gesehen, sehr häufig hingegen kamen die Freier aus dem Raum Cloppenburg. „Da gibt es zwischen den Städten offenbar einen regen Austausch, vermutlich fahren viele Freier aus Osnabrück extra in umliegende Städte“, sagt sie. „Viele haben eben doch Angst, in der eigenen Stadt gesehen zu werden.“