Mit Fiebersaft fit gemacht Wenn Eltern kranke Kinder in die Kita bringen

Immer wieder bringen Osnabrücker Eltern ihre Kinder in Kitas, obwohl sie krank sind. Zum Leidwesen anderer Kinder und der Erzieher, die sich anstecken. Foto: colourbox.deImmer wieder bringen Osnabrücker Eltern ihre Kinder in Kitas, obwohl sie krank sind. Zum Leidwesen anderer Kinder und der Erzieher, die sich anstecken. Foto: colourbox.de

Osnabrück. Immer wieder bringen Osnabrücker Eltern ihre Kinder in Kitas, obwohl sie krank sind. Zum Leidwesen anderer Kinder und der Erzieher, die sich anstecken.

Heute im Angebot: Scharlach, Magen-Darm, Hand-Mund-Fuß. Eltern, die ihre Kinder in die Krippe oder den Kindergarten bringen, können der Infotafel am Eingang entnehmen, was sie wohl in den kommenden Tagen erwarten könnte. Besonders kleine Kinder scheinen in der Zeit zwischen Oktober und März ständig krank zu sein. „Etwa acht Infektionen sind in dieser Zeit normal“, sagt Dr. Burkhard Rodeck, ärztlicher Direktor des Christlichen Kinderhospitals Osnabrück. Anspruch auf Krankengeld haben Eltern für zehn Arbeitstage pro Kind – die können dann schon einmal schnell aufgebraucht sein. (Weiterlesen: Was ist zu beachten beim Umstellen auf Teilzeit?)

Wer bleibt beim Kind – wer geht zur Arbeit?

Da heutzutage häufig beide Elternteile berufstätig sind, beginnt ein Schnick-schnack-schnuck: Wer geht zur Arbeit? Und wer bleibt beim kranken Kind und macht sich damit womöglich beim Arbeitgeber und bei Kollegen unbeliebt? Gar nicht so selten greifen Eltern auch zu unlauteren Mitteln – und verabreichen ihren Kindern morgens Fiebersaft, um sie fieberfrei im Kindergarten abgeben zu können.

„Ja, das ist schon vorgekommen“, sagt Hildegard Kortmann, Leiterin der Osnabrücker Kinderkrippe St. Johann. Dabei gebe es für die Eltern klare Regeln, die für die meisten Betreuungseinrichtungen gelten: Das Kind muss 24 Stunden fieber- und durchfallfrei sein. Erst dann darf es wieder in die Kita. Zudem sollen die Kinder bei einer akuten Erkrankung möglichst binnen 30 Minuten von ihren Eltern oder einer vertrauten Person abgeholt werden. Fieber beginnt bei kleinen Kindern laut Kita-Regel bei 38 Grad. Und wenn sich die Eltern nicht an die Regel halten? „Dann rufen wir sie an, dass sie ihr Kind wieder abholen sollen“, sagt Florian Wöllmer von der Kindertagesstätte Melanchthon in Osnabrück.

Auch im Christlichen Kinderhospital ist der berufliche Druck der Eltern zu spüren. „Bei stationär liegenden Kindern beginnt schnell die Diskussion, wann es denn wieder nach Hause gehe“, sagt Burkhard Rodeck. Aber auch zu Hause sollte sich das Kind erst richtig auskurieren, damit es nicht zu ständigen Reinfektionen in der Kita kommt. Und bei einer richtigen Grippe kann das schon mal zwei Wochen dauern. (Weiterlesen: Das Kindergarten-Abc: Von A wie Abholen bis Z wie Zähneputzen)

Hoher Krankenstand unter Erziehern

Doch nicht nur gegenüber anderen Kindern, die sich womöglich anstecken, ist es unfair, ein krankes Kind in die Einrichtung zu bringen – auch Erzieher sind nicht immun gegen Magen-Darm-Infekte. „Wir hatten in diesem Jahr einen sehr hohen Krankenstand“, sagt Hildegard Kortmann. Wenn es ganz dumm läuft, dann muss in einer Kindertagesstätte auch mal eine ganze Gruppe aus Personalmangel geschlossen werden. Damit ist berufstätigen Eltern erst recht nicht geholfen.

Weiterlesen: Wie funktioniert die Vereinbarkeit von Kind und Karriere?


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