Maan Moussli zeigt Film in Cannes Syrische Autoren werben für Flüchtlingsfilm

Engagiert für „Newcomers“: Günter Sandfort von der Caritas, Filmemacher Maan Mouslli, Produzentin Sara Höweler und Filmemacher und Autor Anis Hamdoun. Foto: Egmont SeilerEngagiert für „Newcomers“: Günter Sandfort von der Caritas, Filmemacher Maan Mouslli, Produzentin Sara Höweler und Filmemacher und Autor Anis Hamdoun. Foto: Egmont Seiler

Maan Moussli, Osnabrücker Filmemacher aus Syrien, zeigt dieses Jahr einen Kurzfilm beim Festival in Cannes. Gleichzeitig wirbt er zusammen mit Anis Hamdoun für ein Filmprojekt über Flüchtlinge.

Osnabrück. Anis Hamdoun sitzt im Lichtkegel, spricht über seine Geschichte. Eine Geschichte von der Zerstörung seiner Heimat Syrien, von Flucht, vom Willen, ein neues Leben zu beginnen. Er zieht Parallelen zu Bertolt Brecht, Thomas Mann, Hannah Arendt und viele, viele andere Flüchtlinge: „Wir führen alle das gleiche Leben - mit anderen Namen, aus anderen Gründen, in einer anderen Zeit“ – aber alle waren sie gezwungen, in einer neuen Heimat ein neues Leben zu beginnen. Weiterlesen: Mit „The Trip“ ist Anis Hamdoun auch auf der Theaterbühne erfolgreich

„Newcommers“ statt „Flüchtlinge“

Mit dem zwei Minuten und 21 Sekunden langen Trailer werben Hamdoun und sein Freund und Filmemacher Maan Mouslli für ein ambitioniertes Projekt: „Newcomers“ heißt es, nach dem Begriff, den Hannah Arendt in Amerika für sich in Anspruch genommen hat: nicht Flüchtling, sondern Neuankömmling. Denn das bringt den Willen zum Ausdruck, Teil der neuen Welt zu werden.

In ganz Deutschland wollen Mousslli und Hamdoun Neuankömmlinge befragen, sie ihre Geschichte erzählen lassen. Allein das dürfte interessante Perspektiven eröffnen: In diesem Filmprojekt befragen Neuankömmlinge andere Neuankömmlinge. Gleichzeitig spiegeln die beiden Filmemacher die aktuellen Schicksale mit denen von Menschen, die in der Vergangenheit gezwungen waren, Deutschland zu verlassen. Den „Link zur deutschen Geschichte“ nennt Sara Höweler das. Dafür werden Schauspieler in die Rollen von Flüchtlingen frührer Jahre schlüpfen. Höweler erhöfft sich davon „Erkenntnisse, dass alles nicht weit von der Deutschen Geschichte entfernt ist“. Weiterlesen: Tommy Schneller startet die erste Spendenaktion für „Newcomers“

Höweler arbeitet ehrenamtlich im Exil e.V., dem Osnabrücker Zentrum für Flüchtlinge, und ist gleichzeitig Produzentin des Films. In einer 20-köpfigen Arbeitsgruppe des Exil-Vereins ist auch die Idee zu dem Projekt entstanden. Ziel ist es, mit dem Film „mehr Akzeptanz und Verständnis für Newcomers wie uns zu schaffen“, sagt Hamdoun.

Kurzfilm von Maan Moussli läuft in Cannes

Die Trägerschaft für das Projekt hat der Caritasverband für die Diözese Osnabrück übernommen. Denn, so der stellvertretende Caritasdirektor Günter Sandfort, „wir haben einen Auftrag als Anwalt und Solidaritätsstifter“ für und mit den Newcomers. Und „die Form des Projekts ist hilfreich, um junge Menschen zu erreichen“. Wenn der Film Ende 2017 fertig ist, soll er an alle nahezu 30000 allgemeinbildenden Schulen in Deutschland verteilt werden.

Vorher wollen Hamdoun und Mouslli ihn allerdings bei Festivals einreichen. „Wir wollen einen künstlerischen, schönen und guten Film machen“, sagt Hamdoun. Ein hochgestecktes Ziel? Immerhin läfut Mousllis Kurzfilm „Shakespeare in Zaatari“ dieses Jahr auf zwei Festivals: In Los Angeles und in Cannes. Wenn das mal keine Referenz ist.


Zum Trailer „Newcomers“ geht es auf www.newcomers-film.de . Dort findet sich auch ein Spendenaufruf.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN