Führung auf Arabisch für Geflüchtete im Theater am Domhof in Osnabrück Blick hinter die Kulissen

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Zainab Alsawah (rechts) führt Flüchtlinge hinter die Bühne. Foto: Hermann PentermannZainab Alsawah (rechts) führt Flüchtlinge hinter die Bühne. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Bei einer Führung auf Arabisch konnten am Mittwoch Geflüchtete hinter die Kulissen des Theaters am Domhof gucken. Die Veranstaltung gehört zum Programm „Refugees Welcome“ des Theaters Osnabrück.

In Syrien waren Kheirat Salem und seine Frau Mutaz Toutoungi oft im Theater. Aber er ist noch auf andere Weise mit dem Theater verbunden. Denn nebenberuflich war der Innenarchitekt in seiner alten Heimat auch als Bühnenbildner tätig. Nun nehmen er und seine Frau an einer Führung auf Arabisch durch das Theater am Domhof teil.

Rund 20 Flüchtlinge sind der Einladung des Theaters Osnabrück an diesem Spätnachmittag gefolgt und lassen sich nun von Dramaturgin Maria Schneider und Zainab Alsawah hinter die Kulissen führen. Letztere tritt als Sängerin in „The Trip“ von Anis Hamdoun auf und ist selbst aus Syrien nach Deutschland geflohen.

Blick hinter die Kulissen

Der Probenbetrieb ist an diesem Spätnachmittag noch nicht wieder losgegangen, Bühnen- und Zuschauerraum sind deshalb verwaist. Geprobt wird später noch die Wagner-Oper „Lohengrin“, die nächste Premiere am Theater Osnabrück. Hinter der Bühne erklärt Zainab Alsawah, wie die Drehbühne funktioniert und zu welcher Produktion die Bestandteile der Kulissen hinter der Bühne gehören. Da ist etwa eine Lichtanlage aus „Die Möwe“ zu sehen, die über die Decke fährt. „Das ist ein sehr schöner Lichteffekt“, sagt Maria Schneider.

Von der Bühne geht es runter in einen Probenraum im Keller, wo für die Operette „Clivia“ geprobt wird. Auch hier werden Sänger und Regisseur erst später wieder ihre Arbeit aufnehme. Alsawah beschreibt den Tagesablauf an einem Theater verläuft. Dass zwischen 10 und 14 Uhr sowie 18 und 22 Uhr geprobt wird. Dass die Künstler nach Abendvorstellungen und späten Proben einen Anspruch auf elf Stunden Ruhezeit haben. Und dass das Einstiegsgehalt eines Künstlers bei gerade mal 1750 Euro brutto liegt.

Von der Requisite bis zur Maske

Vom Keller geht es den ganzen Bühnenturm hoch bis zum Tanzsaal. Auch Requisiten, Kostüme, die Schneiderei und die Maske bekommen die Besucher zu sehen. In der Requisite reihen sich in den Regalen die verschiedensten Dinge aneinander. Maria Schneider nimmt ein gefülltes Cocktailglas in die Hand und hält es auf den Kopf. Nichts passiert. Denn das vermeintliche Getränk ist ein fester Stoff, der die Spirituose nur nachahmt. Die Gläser, so Schneider, würden in Operninszenierungen genutzt.

Die Treppen runter und wieder hoch, hier durch einen Flur und dann durch den nächsten geht es der eineinhalbstündigen Führung. Hinter einer Tür ist eine Geige zu hören, hinter einer anderen singt eine Sängerin sich warm. Kein Zweifel, dies ist ein Theater. Und in das kehrt nun allmählich das Leben. Auch auf der Bühne sind die Künstler inzwischen wieder aktiv.

Programm „Refugees Welcome

Kheirat Salem und Mutaz Toutoungi können sich gut vorstellen, hier auch mal ins Theater zu gehen. Oper ist eher ihre Sache. Aber auch ein Besuch im Schauspiel wäre durchaus möglich, so Salem. 

Das Theater hat mit „Refugees Welcome“ ein Programm für Geflüchtete zusammengestellt. Dazu gehören neben der Führung Workshops, Gespräche und öffentliche Proben mit mehrsprachigen Einführungen.


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