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15.03.2016, 19:07 Uhr MEINUNG

Scheinheilige Begründung

Kommentar von Rainer Lahmann-Lammert

Aus der Traum für die „Lebensquelle“: Auf eine Kirche im Gewerbegebiet will sich die Stadt nicht einlassen. Grafik: Architekturbüro QuiringAus der Traum für die „Lebensquelle“: Auf eine Kirche im Gewerbegebiet will sich die Stadt nicht einlassen. Grafik: Architekturbüro Quiring

Osnabrück. Eine Kirche gehört nicht ins Gewerbegebiet, lautet die Formel, mit der sich die Stadt Osnabrück der „Lebensquelle“ entledigen will. Eine Begründung, die nicht von der Hand zu weisen und dennoch scheinheilig ist.

2012 war das Tischtuch zwischen der Stadt und der Schilling & Schreyer GmbH, der damaligen Eigentümergemeinschaft des Güterbahnhofs, vollständig zerschnitten. In dieser Situation rollten Oberbürgermeister Boris Pistorius und Stadtbaurat Wolfgang Griesert den roten Teppich aus, als ein Investor anklopfte, der die Idee von einer Kirche im Gewerbegebiet ins Spiel brachte. Die Frage, was für eine Glaubensgemeinschaft da auf den Plan trat, wurde aber nicht ernsthaft gestellt.

Inzwischen ist einiges über die Freikirche bekannt geworden, und viele Politiker fürchten, dass eine rückwärtsgewandte Sekte den Frieden in der Friedensstadt stören könnte. So eine Begründung wäre ehrlich, aber nicht politisch korrekt, weil sie nicht mit der Religionsfreiheit in Einklang zu bringen ist. Wer sich auf gewerbliche Erfordernissen beruft, wähnt sich offensichtlich weniger angreifbar.


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