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Keine Rivalität zwischen Schulen Abi-Streiche: Tumulte in Köln – in Osnabrück friedlich

Von Sebastian Philipp

Anders als in Köln wollen die Osnabrücker Abiturienten friedlich die Mottotage an ihren Schulen feiern. Symbolfoto: dpa/Marijan MuratAnders als in Köln wollen die Osnabrücker Abiturienten friedlich die Mottotage an ihren Schulen feiern. Symbolfoto: dpa/Marijan Murat

Osnabrück. Während sich Abiturienten in Köln bei Tumulten gegenseitig verletzen, wollen die Osnabrücker Oberstufenschüler die Feierlichkeiten rund um den nahenden Schulabschluss und die Mottotage friedlich über die Bühne bringen. Das hat eine stichprobenartige Anfrage unserer Redaktion ergeben.

In Köln hatte es Anfang der Woche tumultartige Auseinandersetzungen mit rund 200 Schülern unterschiedlicher Gymnasien gegeben, bei denen zwei Jugendliche ernsthaft verletzt wurden. Nach Erkenntnissen der Polizei hatten sich die Schüler mit Gegenständen beworfen, die Polizei stellte zudem einen „speerähnlichen“ Stock sicher. Mittlerweile wird wegen Verstößen gegen das Waffengesetz, Körperverletzung und Landfriedensbruch ermittelt. Offenbar nutzten die Schüler mehrerer Schulen die sogenannten Mottotage, um eine Rivalität zwischen den Gymnasien zu betonen. (Weiterlesen: Interview mit Abi-Gag-Forscherin zu den Ereignissen in Köln)

Keine Einsätze für Polizei

Anders als im Rheinland blickt die Osnabrücker Polizei jedoch relativ entspannt auf die Mottowochen der Abiturienten in Osnabrück. „Wir hatten in den vergangenen Jahren keine größeren Einsätze in diesem Zusammenhang. Wenn es in der Vergangenheit Probleme gegeben hat, dann wurden sie offenbar ohne Beteiligung der Polizei und schulintern gelöst“, sagt Georg Linke. Der Polizeisprecher betont, dass es in Osnabrück keine Rivalität zwischen den Schulen gebe, wie es in Köln der Fall ist. „In diesem Zusammenhang ist Osnabrück wirklich eine Friedensstadt.“

Vorbildliches Verhalten der Schüler betont

Schockiert sei er gewesen, als er die Nachrichten aus Köln vernommen hat, sagt Jürgen Westphal. Der Schulleiter des Gymnasiums „In der Wüste“ betont jedoch im Gespräch mit unserer Redaktion das vorbildliche Verhalten seiner Schüler. „Wir haben die Mottotage gemeinsam besprochen und alle Streiche, die die Schüler sich ausgedacht haben, sind im Grunde harmlos.“

Spaß soll im Vordergrund stehen

Seine Schüler Marius Borchert und Nico Kurland stecken aktuell zwischen dem Abfeiern ihrer Mottotage und den Vorbereitungen zu den Abiturprüfungen, die Anfang April beginnen. Borchert als Jahrgangssprecher und Kurland als Vorsitzender des Mottotage-Komitees betonen, dass es aus ihrer Sicht in Osnabrück keine Rivalität zwischen den Schulen gebe. „Wir schauen schon hin und wieder bei Sozialen Medien, was die anderen Schulen an ihren Mottotagen machen. Aber selbst Hasskommentare gibt es da nicht.“ Anders als in Köln nutzt der Abschlussjahrgang des Wüstengymnasiums die Mottotage eher dazu, sich täglich neu zu verkleiden und mit kleineren Aktionen auf sich aufmerksam zu machen. Die Gymnasiasten bestätigen, dass alle Aktionen inklusive Abi-Scherz im Vorfeld mit der Schulleitung abgestimmt wurden. Die Nachrichten der Ereignisse in Köln haben die beiden mit unguten Gefühlen aufgenommen: „Uns fehlt das Verständnis für solche Aktionen. Wir wollen zum Ende unserer Schulzeit noch einmal den Spaß in den Vordergrund stellen – und nicht die Gewalt.“ (Weiterlesen: Wie der Kölner „Abi-Krieg“ über Social Media ausgetragen wird)

Ereignisse wie von einem anderen Planeten

Für Helmut Brandebusemeyer sind die Kölner Ereignisse „wie von einem anderen Planeten“. „Mir fehlt die Fantasie, mir so etwas in Osnabrück vorzustellen. Dafür ist das Miteinander der Schüler in unserer Stadt einfach zu gut“, sagt der Schulleiter des Carolinums. An seiner Schule würden sich die Mottotage eher auf die Schüler oder die Schule selbst beziehen, anders als in Köln. „Feindschaften zu anderen Schulen gibt es hier nicht und werden daher auch nicht an Mottotagen gepflegt. Dass die Jugendlichen untereinander ein gutes Verhältnis haben, zeigt sich auch dadurch, dass es seit Jahren gemeinsame Abipartys gibt.“

Aktionen laufen im Einvernehmen

Am Ratsgymnasium hat Schulleiter Lothar Wehleit in den vergangenen Tagen keine Notwendigkeit gesehen, mit dem aktuellen Abi-Jahrgang über die Ereignisse zu sprechen – und das aus einem einfachen Grund: „Alle Aktionen wie Abi-Streiche laufen bei uns immer im Einvernehmen. Anlass für Ansprachen an die Schüler gibt es deswegen nicht.“ Auch Wehleit betont, dass er sich derartige Eskalationen wie in Köln hierzulande nicht vorstellen kann.