Für saubere Luft CDU Osnabrück fordert Nachrüstung von Diesel-Bussen

Von Wilfried Hinrichs

Foto: Michael GründelFoto: Michael Gründel

pm/hin Osnabrück. Der Osnabrücker CDU-Chef Fritz Brickwedde fordert eine technische Überprüfung und Nachrüstung der Diesel-Busse, um die Luftbelastung in Osnabrücker City zu senken.

„Die jetzigen Busse sind ein Teil des Problems, die zukünftigen Busse können ein Teil der Lösung sein“, wird Brickwedde in einer Mitteilung der CDU zitiert. Die hohen Belastungen durch Stickstoffdioxid und Lärm am Neumarkt , in der Johannis-, Hase- oder Dielingerstraße gingen ganz überwiegend von Bussen und nicht von Personenwagen aus, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende. Deshalb müsse sich der öffentliche Nahverkehr unter Umweltgesichtspunkten ebenso kritischen Fragen stellen wie der Individualverkehr.

Dicke Luft auf dem Neumarkt

Zwei Drittel der Schadstoffbelastung auf dem Neumarkt rührt vom dieselbetriebenen Nahverkehr her, wie Untersuchungen ergeben haben. Vor der Sperrung für den Autoverkehr wurde auf dem Neumarkt eine Stickstoffdioxid-Belastung von 63 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Nach der Sperrung sank der Wert auf 43 Mikrogramm, blieb damit aber immer noch über dem EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm.

Umstellung der Busflotte

Brickwedde hält die Entscheidung der Stadtwerke Osnabrück für richtig, in den kommenden Jahren in Elektrobusse zu investieren . Für die Stadtentwicklung sei die Elektrifizierung des Nahverkehrs von großer Bedeutung, werde aber viele Jahre dauern. Bis 2020 wollen die Stadtwerke 40 Busse auf innerstädtischen Linien zum Einsatz bringen. Nach Brickweddes Angaben durchfahren 256 Busse die Osnabrücker Umweltzone, darunter sind 91 von den Stadtwerken. Wann die 118 Fahrzeuge privater Unternehmen, die 40 der Weser-Ems-Bus GmbH und die sieben der Verkehrsgesellschaft Osnabrück (VLO) durch umweltfreundliche Busse ersetzt werden, sei völlig offen. Wichtig für das Tempo der Umstellung sei die Dotierung der Förderprogramme des Landes.

Nur auf dem Prüfstand sauber?

Vor dem Hintergrund des VW-Abgasskandals äußerte Brickwedde die Vermutung, dass die aktuelle Busflotte die Grenzwerte für Stickstoffdioxid im Alltagsbetrieb nicht einhalten kann, auch wenn die Tests auf dem Prüfstand andere Ergebnisse zeigten. Alle Busse müssten nach Meinung der CDU auf den Prüfstand und gegebenenfalls nachgerüstet werden. „Genauso wie VW jetzt seine Pkw umweltmäßig optimiert, weil man Grenzwerte nur auf dem Papier und nicht in der Realität erreicht hat, muss es auch bei den Bussen kommen. Im Interesse der Gesundheit unserer Bürger müssen die Bus-Emissionen real gesenkt werden“, betont Brickwedde. Die Fraktion werde Initiativen im Rat der Stadt und im Aufsichtsrat der Stadtwerke ergreifen.

Grüne: Wir haben ein Diesel-Problem

Der Landtagsabgeordnete der Grünen, Volker Bajus, macht die Diesel-Technik insgesamt für die schlechte Luft verantwortlich. „Wir haben ein Diesel-Problem. Konkrete Maßnahmen gegen diese Motorentechnik müssten aber zuerst durch den Bund geregelt werden“, teilte Bajus mit.

Bajus hatte in einer Anfrage an die Landesregierung Auskunft erbeten, wie die Regierung die Luftbelastung beurteilt und welche Maßnahmen sie für sinnvoll hält. Außer Osnabrück kämpfen nach Bajus‘ Angaben sechs weitere Städte in Niedersachsen mit dem Problem, das trotz Modernisierung der Fahrzeugflotten und entgegen aller Vorhersagen die Stickstoffdioxid-Werte nicht unter die Grenzwerte gesunken sind. „Die Abgaswerte von Dieselmotoren mit Euro 6-Papier-Norm liegen im Realbetrieb durchschnittlich um den Faktor 7 drüber. Kein Wunder, dass die Grenzwerte weiter gerissen werden“, erklärte Bajus.

Einschränkungen für Dieselautos?

Die Landesregierung werde die betroffenen Städte dabei unterstützen, die Luftqualität zu verbessern und neue Luftreinhaltepläne aufzustellen. Als kurzfristig wirksame Maßnahmen kämen weitere Reglementierungen für Dieselautos und Lastwagen in Frage, zitiert Bajus die Landesregierung. Auch die Einführung von Tempo 30 wie in Berlin könnte geprüft werden.

Ebenso können Straßensperrungen sinnvoll sein, um lokale Grenzwertüberschreitungen zu vermeiden. „In Osnabrück gibt es dazu am Neumarkt meines Wissens gar keine Alternative. Spätestens wenn der erste Betroffene Anwohner klagt, wird der Oberbürgermeister hier handeln müssen“, so Bajus. „Wir werden auch über mehr Tempo 30 zur Luftreinhaltung diskutieren müssen. Das kann schon kurzfristig helfen, und die Kosten wären überschaubar.“ Zudem würden der Lärm reduziert und die Verkehrssicherheit erhöht. Bajus: „Das wird vielen nicht gefallen, aber die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger muss stets Vorrang haben.“ Das beste Mittel für frische Luft sei eine Verlagerung des Verkehrs weg vom Auto.


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