Landgericht verurteilt zwei Litauer Haftstrafen nach Überfall auf Osnabrücker Juwelier

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Das Landgericht Osnabrück hat zwei Männer verurteilt, die Ende September den Juwelier Kolkmeyer in der Großen Straße überfielen. Die beiden Litauer müssen jeweils für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Doch die Angst der Schmuckhändler vor schweren Verbrechen bleibt.

Viermal binnen elf Wochen wurden Osnabrücker Juwelierläden im Sommer 2015 von Räubern heimgesucht. Nur im letzten Fall gelang es der Polizei, die Täter dingfest zu machen: zwei Litauer, 29 und 21 Jahre alt. Experten sehen sie als Handlanger einer organisierten Kriminalität mit Ursprung in Osteuropa.

Opfer schwer verletzt

Seit ihrer Verhaftung unmittelbar nach dem Überfall am 28. September sitzen die beiden Männer in Oldenburg hinter Gittern. Und das wird auch eine Weile so bleiben: Die 10. Große Strafkammer des Landgerichts Osnabrück brummte ihnen jetzt jeweils viereinhalb Jahre Knast auf – wegen versuchten besonders schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung.

Unmittelbar nach Betreten des Juweliergeschäfts in der Osnabrücker Fußgängerzone hatten die Täter zwei Kunden und zwei Verkäuferinnen außer Gefecht gesetzt, indem sie ihnen Reizgas ins Gesicht sprühten. Die Opfer erlitten dabei laut Anklage „schwerwiegende Augenverletzungen, Hautreizungen und Verätzungen der Atemwege“. Allein ihre Hilfeschreie und der Aufruhr sollen die Räuber davon abgehalten haben, ihren Plan bis zum Ende durchzuziehen. Sie flüchteten ohne Beute.

L+T-Detektivin gab Tipp

Vor Gericht stritt der ältere der beiden Angeklagten jede Verantwortung für die Tat ab und forderte einen Freispruch. Sein Komplize räumte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft hingegen ein, wollte aber ebenfalls straflos bleiben, da er – angeblich erschrocken über sich selbst beim Einsatz des Pfeffersprays – in tätiger Reue von der Tat zurückgetreten sei. Die Kammer nahm ihnen diese Geschichten jedoch nicht ab.

Dabei stützte sie sich auf die Aussagen von 14 Zeugen. Angehört wurden unter anderen die betroffenen Mitarbeiterinnen und Kunden des Juweliers Kolkmeyer, außerdem Passanten und Polizisten. Als besonders nützlich erwiesen sich die Angaben einer Detektivin des Modehauses L+T: Sie hatte Tage vor dem Überfall beobachtet, wie die Angeklagten die Gegend auskundschafteten. So lieferte sie später entscheidende Hinweise, die zur Ergreifung der Männer führten.

Immer noch verängstigt

Juwelier Hans Heinrich Kolkmeyer ist froh, dass die Verbrecher nun für einige Jahre aus dem Verkehr gezogen werden. „Mit dem Urteil muss man zufrieden sein“, sagte er unserer Redaktion auf Nachfrage. Doch die Furcht des Schmuckhändlers vor weiteren Überfällen bleibt. „Die Aufregung hat sich nicht gelegt, wir sind alle noch ein bisschen verängstigt.“

Dabei spreche Kolkmeyer, der auch Vizepräsident des Bundesverbands der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ) ist, für die anderen Osnabrücker Läden seiner Branche mit. Besonders steckten die brutalen Ereignisse jenen in den Knochen, die sie hautnah miterleben mussten. „So etwas kann man nicht vergessen.“ Seine Kolleginnen seien – dank psychologischer Hilfe – zum Glück wieder in der Lage zu arbeiten. Aber Hans Heinrich Kolkmeyer weiß auch: „Absolute Sicherheit kann es nicht geben.“ (Weiterlesen: Wie Juwelier Dirk Kolkmeyer die Raubüberfälle auf sein Geschäft in der Georgstraße verkraftet)

Hintermänner bleiben ungeschoren

Dass der nächste Überfall in Osnabrück nur eine Frage der Zeit sei, glaubt auch Martin Winckel vom Internationalen Juwelier-Warndienst. „Es ist ruhiger geworden in den vergangenen Monaten, aber die Taten hören nicht auf.“ Es ändere auch nichts an der Gefährdung, wenn einzelne Räuber gefasst und eingesperrt würden, wie jetzt in Osnabrück geschehen – so positiv dies auch erscheinen mag. Denn die Hintermänner und Hehler, die gleichsam den verurteilten Litauern „alle in Osteuropa“ zu suchen seien, blieben unbehelligt.

Mithin hält Winckel auch Freiheitsstrafen bei dieser speziellen Tätergruppe für unwirksam. Selbst ein Daueraufenthalt in einer deutschen Justizvollzugsanstalt sei für sie „wie Urlaub“. Besser wäre es nach Ansicht des für polarisierende Standpunkte bekannten Experten, die Verbrecher würden in ihren Heimatländern ins Gefängnis wandern, wo die Kittchen weniger komfortabel seien – „und wir bezahlen das“. Zudem müsse es sich strafverschärfend auswirken, wenn die sogenannten „Arbeiter“ vor Gericht nicht über ihre mächtigen Auftraggeber auspackten, fordert Winckel. „Sonst kommt man nie an die Drahtzieher heran.“


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