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14.03.2016, 16:20 Uhr ÜBERFALLSERIE IN OSNABRÜCK

Noch zu viele Juwelenräuber auf freiem Fuß

Ein Kommentar von Sebastian Stricker


Auf hochwertige Uhren haben es die Räuber in der Regel abgesehen. Unser Bild zeigt eine geplünderte Auslage nach einem Überfall im September 2015 auf einen Juwelierladen am Osnabrücker Markt. Foto: David EbenerAuf hochwertige Uhren haben es die Räuber in der Regel abgesehen. Unser Bild zeigt eine geplünderte Auslage nach einem Überfall im September 2015 auf einen Juwelierladen am Osnabrücker Markt. Foto: David Ebener

Osnabrück. Zwei Räuber im Knast sind besser als keiner. Doch gelöst wird das Problem der Überfälle auf Juwelierläden mit dem Urteil des Landgerichts Osnabrück nicht.

Erstens sind die beiden eingebuchteten Handlanger aus Litauen für die organisierte Kriminalität leicht zu ersetzen. Zweitens befinden sich mutmaßlich drei Verbrecherduos, die allein 2015 in unserer Stadt ihr Unwesen trieben, noch auf freiem Fuß. Und werden es wohl auch bleiben. Täter und Beute sind schließlich längst über alle Berge – höchstwahrscheinlich außer Landes, genauer: in Osteuropa, wo Experten die Wurzeln des Übels vermuten.

Der Fahndungserfolg im bislang letzten Fall von Ende September ist daher nur ein scheinbarer. Denn Mut, Achtsamkeit und Reaktionsschnelligkeit von Zeugen haben mehr zur sofortigen Ergreifung der beiden Litauer beigetragen als die Instrumente des Rechtsstaats. Warum? Weil hohe bürokratische Hürden eine internationale Strafverfolgung von reisenden Banden behindern. Und weil der Datenschutz in Deutschland den Kriminellen mehr nützt als der Polizei.

So gehen Aufzeichnungen von Überwachungskameras wegen zu kurzer Aufbewahrungsfristen verloren, bevor daraus wichtige Erkenntnisse über Verdächtige und ihre Masche gewonnen werden können. Das kommt einer systematischen Vernichtung von Beweismitteln gleich. Zudem dürfen Täterbilder nicht als Warnhinweise unter Juwelieren verbreitet werden. Dabei gilt eine Gesichtskontrolle an der Ladentür, mag sie auf Kunden auch wenig einladend wirken, als eines der effektivsten Mittel zum Schutz vor Überfällen.


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