Künstlerisches Recycling Hendrik Spiess verwandelt Buch-Cover in Bilder

Von Tom Bullmann


Osnabrück. Im BBK-Kunstquartier sind sie zu sehen: Alte Bücher, die ihres papierenen Innenlebens beraubt wurden. Die Buchumschläge, die übrig blieben, dienen dem Osnabrücker Künstler Hendrik Spiess als Malgrund.

„Dürer“ lautet der Titel eines Buches. Nur schwer ist der Prägedruck auf dem Buchrücken zu entziffern, denn Hendrik Spiess hat ein Bild darauf gemalt. Eine junge Frau arrangiert vier große, geometrische Blöcke, als hätte sich Dürers Feldhase in ein kubistisches Kunstobjekt verwandelt. „Ich beziehe mich auf den Inhalt des jeweiligen Buches, ohne zu illustrieren“, sagt der Künstler, der mit seiner Werkgruppe IV Recycling der künstlerischen Art betreibt. Bücher aus den 1940er bis 1970er Jahren suchte er auf Flohmärkten und im Regal seiner Eltern zusammen. „Meine Eltern waren im Bertelsmann Buchclub, wie das früher üblich war. So bekamen sie regelmäßig Bücher zugeschickt, die sie zum großen Teil überflüssig fanden“, so Spiess. Was den Künstler heute interessiert, sind die zum Teil aufwendig gestalteten Buchdeckel, die erst zum Vorschein kommen, wenn man den Hochglanz-Schutzumschlag aus Papier entfernt: Leinencover mit geprägter Ornamentik, Typografie und Illustration.

Die nimmt er sich jetzt vor, lässt sich von den Originaltitel inspirieren, interpretiert oder persifliert sie künstlerisch, integriert vorhandene Prägedrucke in seine Öl- und Acryl-Malerei. Bisweilen geht er so weit, dass er den kompletten Buchdeckel monochrom übermalt, sodass geprägte Titel als kryptische Zeichensprache nur schwer zu entziffern sind.

Für seine Bildobjekte übernimmt er die Originaltitel der Bücher. „Kein Platz für wilde Tiere“ heißt das Werk, das er aus dem gleichlautenden Buch von Bernhard Grzimek machte. Ein Mann in Joga-artiger Kopfstandstellung macht in einer Steppenlandschaft seine Übung, derweil nebenan eine kleine, geprägte Giraffe zu entdecken ist. „Im großen Sturm“ fliegen Häuser durch die Gegend, auf dem „Jahrhundert der Deutschen“ müssen sich Menschen in dampfenden Thermalbecken erholen und auf dem Cover von „1000 Morgen Land“ hockt ein Islam-Kämpfer, eine Fahne mit Friedentaubensymbol haltend.

Anders als bei diesen Werken, die er „Paint on Book-Cover“ nennt, arbeitet Spieß bei drei großformatigen Bilder, die er zeigt: Hier setzt er die Umschlaggestaltung von Büchern original in gemalte Kunst um. Unter anderem das Buch „Funktionen der Bildenden Kunst im Spätkapitalismus“, das der Künstler als Hommage an den Verfasser, den verstorbenen Osnabrücker Kunsthistoriker Martin Damus, anfertigte.


BBK Kunst-Quartier (Bierstraße 33): „Paint on Book-Cover / Werkgruppe IV“. Malerei von Hendrik Spiess. 11. März (Eröffnung um 19 Uhr) bis 15. April. Di.-Fr. 14-18 Uhr, Sa. 11-16 Uhr.

0 Kommentare