Berufsbildende Schule am Pottgraben Ausstellung über häusliche Gewalt in Osnabrück eröffnet

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Osnabrück. Eine Ausstellung über häusliche Gewalt wurde jetzt in der Berufsbildenden Schule am Pottgraben eröffnet. „Rosenstraße 76“ heißt sie, um zu zeigen: Die Tatorte verbergen sich hinter ganz gewöhnlichen Adressen.

Was tun, wenn eben noch alles ganz alltäglich war, aber plötzlich aus einem Haus laute Schreie zu hören sind? Was tun, wenn der kleine Junge auf dem Spielplatz häufig blaue Flecken hat? Was tun, wenn der eigene Mann plötzlich zuschlägt? Auch um mögliche Reaktionen in solchen Situationen dreht sich die Ausstellung, die jetzt im Kellergeschoss der Berufsbildenden Schule (BBS) am Pottgraben zu sehen ist.

Sie sieht aus, wie eine ganz normale Wohnung, aber die hat es in sich. Auf dem Anrufbeantworter ist eine besorgte junge Frau zu hören, die ihre Mutter um Rückruf bittet. Auf dem Laptop im Kinderzimmer finden sich Filme über körperliche Gewalt. Auf dem Nachttisch liegt Schminke zum Abdecken blauer Flecken – und überall sind Informationen platziert, die sensibilisieren und aufklären sollen.

„Anschaulich und schonungslos“, nennt Boris Pistorius die Ausstellung, für die er die Schirmherrschaft übernommen hat. Das Grußwort des Niedersächsischen Innenministers verliest Berufsschulpastor Hartmut Marks-von der Born als einer der Organisatoren der Ausstellung. Sie entstand in Kooperation des Diakonischen Werks in Stadt und Landkreis Osnabrück, mit dem Fachzentrum Faust, dem Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Osnabrück, den BISS Beratungsstellen in Stadt und Landkreis sowie der Polizeiinspektion Osnabrück. 2005 war sie von „Brot für die Welt“ konzipiert worden.

2011 hatte sie als Wanderausstellung zwei Wochen lang 800 Besucher in Osnabrück angezogen. Damals sei die Idee entstanden, sie fest in der Stadt zu zeigen, sagt Hinrich Haake, der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes zu Beginn der Eröffnung.

950 Fälle häuslicher Gewalt habe es im vergangenen Jahr in Osnabrück gegeben, sagt Haake und nennt die Zahl „erschreckend hoch“. Bürgermeisterin Karin Jabs-Kiesler bedauert, dass sich die Fälle trotz entsprechender Gesetzgebung nicht verringern würden und betonte, wie wichtig es sei, hinzuschauen und dagegen anzugehen. Auch dazu soll die Ausstellung beitragen.

Ralf Korswind, der Leiter der BBS Pottgraben, hob die Bedeutung des Standorts von „Rosenstraße 76“ an seiner Schule hervor: Da dort für Gesundheitsberufe ausgebildet werde, wären entsprechende Multiplikatoren direkt vor Ort, die die Sensibilisierung für das Thema „Häusliche Gewalt“ nicht nur mit in ihre Berufe nähmen, sondern auch in ihren Freundeskreisen weiter verbreiteten.


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