Thema im Bürgerforum Angst vor sozialem Brennpunkt in Osnabrück-Atter

Naturschutzgebiet mit Autobahn: An der Kuhlbreite sollen Fauna und Flora künftig bessere Bedingungen vorfinden. Viel Erde soll bewegt werden, damit sich Frösche und Molche wieder ausbreiten. Foto: Gert WestdörpNaturschutzgebiet mit Autobahn: An der Kuhlbreite sollen Fauna und Flora künftig bessere Bedingungen vorfinden. Viel Erde soll bewegt werden, damit sich Frösche und Molche wieder ausbreiten. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Die Natur an der Kuhlbreite und die Menschen im künftigen Landwehrviertel beschäftigten das Bürgerforum Atter.

Wie ein Naturschutzgebiet entsteht: Die bewegte Geschichte des Geländes zwischen der Kuhlbreite und der Autobahn geht weiter. Karl-Robert Wolf von der Planungsgruppe Ökologie erinnerte daran, dass dort in den 1960er-Jahren Sand für die Autobahn abgebaut wurde, das Gelände in den 1970er-Jahren als Steinwaschgebiet genutzt wurde und dann sich selbst überlassen blieb – mit Hinterlassenschaften wie Bauschutt und „problematischen Abfällen“, wie es Wolf formulierte. Auf dem nährstoffarmen Boden breiteten sich Laubfrösche und Kammmolche aus. Es entstand ein Naturschutzgebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH). In der Zwischenzeit sind Birken, Erlen und Weiden gewachsen, das Gebiet hat sich „überschattet und begrünt“, ab Mai ist der Boden trockener als sonst – und die Lebensbedingungen für die Laubfrösche und Kammmolche verschlechterten sich. Das soll sich ändern. Wolf erläuterte, dass unter anderem 7000 Kubikmeter Boden abgetragen werden sollen. Es sollen Rohbodenbereiche geschaffen und Gewässer revitalisiert werden. Wolf kündigte an, dass die Düte zu einem Winkel verschwenkt werden soll. Das Vorhaben ist gleichzeitig ein Ausgleich für den Bau der neuen Autobahnbrücke gleich nebenan. Für die Arbeiten sollen unter anderem zwei riesige Kräne aufgestellt werden. „Alle Transporte dafür werden über die Autobahn abgewickelt“, erläuterte Wolf.

Angst vor Rasern: Bereits vor zwei Jahren hatten sich Anwohner der Wersener Landstraße darüber empört, dass manche dort erheblich zu schnell fahren. Bereits damals war von bestimmten Autotypen die Rede. Daran hat sich offenbar nichts geändert. Ein Anwohner meinte: „Die fahren 150!“ Nachbarn wünschen sich eine Tempo-30-Zone, aber die ist aus rechtlichen Gründen wohl nicht möglich, wie Jürgen Wiethäuper vom städtischen Fachbereich Bürger und Ordnung berichtete. Es sei eine Verkehrsschau geplant. Ratsherr Ulrich Hus (SPD), der die Sitzung leitete, zeigte Verständnis für die Empörung an der Wersener Landstraße: „Da muss etwas passieren.“ Das Thema werde auch im Fachausschuss besprochen, versprach er.

Eine Alternative für Radfahrer: Der Verein „Bürgerforum Atter“ forderte im gleichnamigen Bürgerforum des Stadtteils die Freigabe des Gehwegs zwischen dem Rubbenbruchweg und dem Birkenweg für Radfahrer, damit diese nicht über die Wersener Straße fahren müssen. Darauf werden die Radfahrer nicht lange warten müssen: „Die Verwaltung arbeit in Ihrem Sinne“, sagte Ulrich Hus.

Angst vor einem neuen sozialen Brennpunkt: Mitglieder des Vereins „Bürgerforum Atter“ befürchten, dass es in dem geplanten Landwehrviertel auf dem Gelände der ehemaligen Quebec-Kaserne zu eng wird. 800 Wohneinheiten seien nicht tragbar, hieß es. Es bliebe nicht genügend „Freiraum für kommende Generationen“. Dem widersprach Finanzvorstand Thomas Fillep. Nach seiner Auffassung wird das Gebiet mit 400 Quadratmetern pro Wohneinheit „nicht genügend verdichtet“ sein. Die geplante Siedlung bezeichnete er als „lockere Bebauung“: Von den 37 Hektar würden 27 Hektar nicht überbaut. Ulrich Hus erläuterte: „Dieser Bereich hilft uns ein wenig, aus der Misere herauszukommen“ – es gehe vor allem darum, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das weitverbreitete Modell von Siedlungen mit Einfamilienhäusern sei auch angesichts der recht engen Stadtgrenzen „nicht zukunftsfähig“.


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