Kritik zum 15. Geburtstag Ehrenbürger Fip enttäuscht von der Friedensstiftung

Der Ledenhof in Osnabrück, Sitz der Deutschen Stiftung Friedensforschung. Foto: Michael GründelDer Ledenhof in Osnabrück, Sitz der Deutschen Stiftung Friedensforschung. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Vor 15 Jahren wurde die Friedensstiftung in Osnabrück gegründet. Zum Geburtstagsfest an diesem Donnerstag gibt es viel Lob, aber auch Kritik vom ehemaligen Oberbürgermeister Fip.

Im April 2001 konstituierte sich der Stiftungsrat der Deutschen Stiftung Friedensforschung in Osnabrück. Das war gleichsam die Geburtsstunde einer mit viel Vorschusslorbeeren ausgestatten Einrichtung, die der Konflikt- und Friedensforschung in Deutschland einen gehörigen Schub und Osnabrück einen Imagegewinn als Friedensstadt geben sollte. An der Spitze des Stiftungsrates stand mit Egon Bahr ein renommierter Politiker und Vordenker der Entspannungspolitik in den Siebziger- und Achtzigerjahren. Die damalige Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn förderte die Stiftungsgründung. Die heutige Vizepräsidentin des Bundestages wird an diesem Donnerstag beim Festakt im Rathaus die Festrede halten.

16 Millionen Euro ausgeschüttet

Der Bund stattete die Stiftung mit einem Kapital von 25 Millionen Euro aus. Jährlich kann die Stiftung etwa eine Million Euro an Fördergeldern ausschütten. So flossen seit Gründung rund 16 Millionen Euro aus den Kapitalerträgen in die Förderung der Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland. Davon entfielen nach Angaben von Geschäftsführer Thomas Held fünf Millionen Euro auf ein „strukturbildendes Sonderförderprogramm“, das die Einrichtung von drei Masterstudiengängen zur Friedens- und Konfliktforschung sowie der Carl-Friedrich von Weizsäcker-Stiftungsprofessur für die naturwissenschaftliche Friedensforschung möglich machte.

Kampfdrohnen und Flüchtlingskrise

Die von der Stiftung geförderten Projekte widmen sich nach Helds Angaben hochaktuellen Fragen der Gewaltprävention, Konflikteskalation, Friedenssicherung und Rüstungskontrolle. Geforscht wurde und wird zum Beispiel mit Unterstützung der Friedensstiftung über Salafismus in Deutschland, über mögliche Konflikte durch Folgen des Klimawandels oder den Einsatz von Drohnen („Unbemannte bewaffnete Systeme – Trends und Gefahren“). Die Konflikte im Mittleren Osten und die Flüchtlingskrise bildeten einen Schwerpunkt in den aktuellen Förderanträgen, sagt Thomas Held.

Darüber hinaus habe die Stiftung mit eigenen Veranstaltungen Akzente gesetzt, zuletzt mit den beiden internationalen Symposien „Religionen und Weltfrieden“ (2010) und „Peacebuilding in Crisis“ (2014) in Osnabrück, betonte Held.

Zu wenig öffentliche Aufmerksamkeit

Die öffentlichen Akzente kommen nach Meinung eines frühen Förderers der Friedensstiftung deutlich zu kurz: Alt-Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip – der im Jahr 2000 im Schulterschluss mit regionalen Bundespolitikern erreichte, dass die Friedensstiftung ihren Sitz in Osnabrück nahm – hatte eine höhere öffentliche Ausstrahlung der Stiftung und der sie beherbergenden Friedensstadt erwartet. Schon beim Empfang zu seinem 75. Geburtstag im Rathaus im November hatte Fip vor versammelter Festgesellschaft Kritik an der Außendarstellung der Stiftung geübt . Jetzt sagte er: „Ich bin persönlich enttäuscht, wie sich die Friedensstiftung in der Wahrnehmung in Osnabrück entwickelt hat.“ Er würde sich wünschen, dass die Stiftung mit Veranstaltungen, Vorträgen, Ausstellungen oder hochkarätig besetzten Kongressen – und zwar in Osnabrück – größere Breitenwirkung entfalten würde.

Missverständnis

Geschäftsführer Thomas Held kennt diese Kritik. „Das ist das alte Missverständnis.“ Stiftungszweck sei die Förderung der Friedensforschung mit Blick auf überregionale und internationale Konfliktfelder. „Öffentlichkeitsarbeit ist nicht unser Auftrag, dafür stehen auch keine Mittel zur Verfügung.“

Das werde sich aber jetzt ändern, so Held weiter. Der Stiftungsrat wolle während seiner Tagung in Osnabrück eine neue Satzung verabschieden, in der der Auftrag zur Öffentlichkeitsarbeit und Darstellung der Forschungsergebnisse ausdrücklich niedergelegt ist.

Die neue Satzung markiert nach den Worten des Vorsitzenden des Stiftungsrats, Michael Brzoska, einen „bedeutsamen Einschnitt in der Geschichte der Stiftung“. Durch die
Reform erhalte die Stiftung zwei neu zugeschnittene Organe: Der Vorstand werde die operativen Aufgaben übernehmen, während der Stiftungsrat sich um die grundsätzliche Ausrichtung der Stiftung sowie Kontroll- und Lenkungsaufgaben kümmern werde. Von dieser Aufgabenteilung verspreche sich der Stiftungsrat, so Brzoska, eine Optimierung der Entscheidungsprozesse und Handlungsfähigkeit.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN