Systemwechsel bringt Probleme Verkehrsclub Osnabrück: Elektrobusse zu anfällig

Ein mittelgroßer Elektrobus (Midibus) rollt seit knapp drei Jahren durch Osnabrück – wenn er denn fährt. Denn nicht selten lässt das batteriebetriebene Fahrzeug die Stadtwerke und ihre Kunden wegen technischer Mängel im Regen stehen. Unser Bild zeigt den Midibus bei einer Schaufahrt für Mitglieder der SPD-Landtagsfraktion im Herbst 2015. Foto: Jörn MartensEin mittelgroßer Elektrobus (Midibus) rollt seit knapp drei Jahren durch Osnabrück – wenn er denn fährt. Denn nicht selten lässt das batteriebetriebene Fahrzeug die Stadtwerke und ihre Kunden wegen technischer Mängel im Regen stehen. Unser Bild zeigt den Midibus bei einer Schaufahrt für Mitglieder der SPD-Landtagsfraktion im Herbst 2015. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. 2018 soll in Osnabrück Deutschlands längste Elektrobus-Linie rollen. Die Stadtwerke geben Millionen dafür aus. Doch ist die Technik überhaupt soweit? Der Verkehrsclub VCD hat Zweifel und fürchtet große Nachteile für Fahrgäste – vom Zwangsumstieg bis zum Totalausfall.

Jüngste Meldungen aus Berlin und Schleswig-Holstein haben den Osnabrücker VCD-Kreisverband alarmiert. In Pinneberg erwies sich ein Elektrobus als lahme Ente, weil er in den 15 Monaten nach seiner Anschaffung nur sieben Tage lang im öffentlichen Nahverkehr fuhr – und den Rest der Zeit kaputt war. Die Berliner Verkehrsbetriebe wiederum resümieren für ihre Elektrobus-Testlinie zwischen Zoo und Südkreuz: Nur an 21 von 134 Tagen seit Ende August 2015 waren alle vier Stromfahrzeuge im Einsatz. An den übrigen Tagen waren es weniger, davon 57-mal gar keins. Dann mussten Dieselbusse sämtliche Fahrten übernehmen.

Hersteller in der Pflicht

Der Osnabrücker Verkehrsclub fordert deshalb: „Die technischen Probleme der Elektrobusse müssen behoben werden!“ Und zwar bevor die Stadtwerke Osnabrück wie angekündigt 9,1 Millionen Euro (davon gut ein Drittel Landeszuschüsse) ausgeben, um in zwei Jahren die ersten 13 von geplanten 40 batteriebetriebenen Gelenkbussen auf die Strecke zu bringen.

Unsere Redaktion fragte nach: Ist die Zuverlässigkeit bei großen E-Bussen gewährleistet? Die Stadtwerke wissen es nicht. Aber sie wollen die Hersteller in die Pflicht nehmen. Künftige Anbieter hätten klare Bedingungen zu erfüllen, die sich aus jahrelangen Feldversuchen mit neuen Antriebstechniken in Osnabrück und anderswo ergeben.

Verfügbarkeit von 83 Prozent

„In der Tat ist die Einsatz- und Betriebsstabilität ein entscheidendes Kriterium für den grundlegenden Systemwechsel von einem dieselbetriebenen zu einem elektrifizierten Nahverkehr“, sagt Sprecher Marco Hörmeyer. Für die Dieselbusse der Osnabrücker Stadtwerke liege die Verfügbarkeit bei etwa 95 Prozent. Das bedeutet: Von 100 geplanten Fahrten finden etwa 95 statt. „Kennzahlen unterhalb von 95 Prozent bei der Verfügbarkeit von E-Bussen würden unweigerlich zu einer Beeinträchtigung der Servicequalität und somit auch der Akzeptanz führen.“

Mit den beiden Elektrobussen, die bereits seit einigen Jahren in Osnabrück auf der Linie 94 im Einsatz sind, haben die Stadtwerke und ihre Fahrgäste diesbezüglich oft leidvolle Erfahrungen gemacht: Gerade zu Beginn, aber auch in der Folge kam es immer wieder zu Ausfällen aufgrund technischer Mängel – auch im Moment befinden sich beide Wagen mal wieder in der Werkstatt. Wie die Stadtwerke auf Nachfrage mitteilen, hatte der Minibus (20 Plätze) in der Fahrplanperiode 2014/2015 gleichwohl eine Verfügbarkeit von 97 Prozent, der Midibus (45 Plätze) jedoch nur von 83 Prozent. Aktuellere Daten gebe es nicht, heißt es.

Langes Warten auf Ersatzteile

Ursächlich für die teils hohe Ausfallrate seien allerdings nicht Probleme mit der Elektrotechnik und der Batterietechnik – „die arbeiten zuverlässig“, stellt Hörmeyer fest. „Der Grund sind vielmehr Defekte an mechanischen Aggregaten.“ So hätten die Stadtwerke 60 Tage auf ein Originalersatzteil warten müssen, nachdem beim Midibus der Druckluftkompressor den Geist aufgegeben hatte.

Zudem führe „das weniger gute Service- und Vertriebsnetz“ zu teilweise sehr langen Wartezeiten auf einfachste Bauteile wie zum Beispiel Scheibenwischerarme, so der Stadtwerke-Sprecher weiter. Der in Osnabrück eingesetzte Minibus vom Typ Zeus wird in Italien gebaut, der Midibus „Oreos“ ist ein französisches Fabrikat. Batteriebetriebene Gelenkbusse mit mindestens 100 Plätzen, wie sie demnächst auf der stark genutzten Stadtbus-Linie 41 gebraucht werden, haben bislang nur sehr wenige Hersteller im Angebot – Erfahrungswerte mit Wagen dieser Größenordnung sind folglich knapp.

Umstieg an der Stadtgrenze

Offene Fragen beim Thema Reichweite und Akku-Ladestationen geben dem VCD Osnabrück überdies Anlass zur Sorge, dass die Umstellung auf Elektrobusse im großen Stil auch zu mehr Umstiegen führen könnte – was Fahrgäste eher abschrecken als anlocken würde. So fährt die Buslinie 41/541 bislang kombiniert als Stadt- und Regionalbus die Strecke Düstrup – Neumarkt – Haste – Rulle. Kommt mit dem E-Bus an der Stadtgrenze der Umstieg in Dieselbusse?

Die Stadtwerke Osnabrück antworten ausweichend. Es gebe noch keine endgültigen Entscheidungen hinsichtlich künftiger Linienführungen, erklärt Marco Hörmeyer. Grundsätzlich solle die Linie 41 unverändert bleiben. „Lediglich für die Anbindung von und nach Rulle arbeiten wir derzeit an einer komfortablen Lösung für die Fahrgäste.“

Haltestelle Bramstraße verlegt

Drittes Sorgenkind des Osnabrücker Verkehrsclubs im Zusammenhang mit der Linie 41: die Haltestelle Bramstraße. Stadteinwärts wird sie um 80 Meter versetzt. Der VCD bemängelt, dass sie sich dadurch von den benachbarten Haltestellen der Linien 81 und 82 an der Bramscher Straße entferne – und auch von einem Supermarkt, was es vor allem für ältere Menschen weniger komfortabel mache.

Die Stadtwerke teilen dazu mit, dass der barrierefreie Ausbau der Haltestelle Bramstraße am Fahrbahnrand „sowohl die Verkehrssicherheit als auch die Pünktlichkeit der Buslinie“ 41 erhöhe. Bei der Versetzung müsse zudem Rücksicht auf Parkplatz-Zufahrten und private Grundstückszufahrten genommen werden.


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