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Prügel, Gaukelei und schwarzer Humor Mittelalter-Messe mit knapp 4000 Besuchern

Von Stefanie Preuin

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Osnabrück. Am Wochenende fand der „1. Osnabrücker Umschlag — Messe Anno 1400“ statt. Mittelalter-Fans fanden in der Halle Gartlage ein Markttreiben mit Gaukelei, Musik und Handwerk wie vor 600 Jahren vor.

In der einen Ecke prügelten sich die Ritter in Rüstung, in der anderen spielte der Dudelsack, vor der Halle Gartlage jonglierte ein Gaukler mit Fackeln. Unmittelbar wurden die Besucher 600 Jahre zurückversetzt. Derb muss der Umgangston im Mittelalter gewesen sein — Gaukler Lupus jonglierte mit Bällen, Säbeln und Fackeln und scheute die harten Ansagen nicht. „Fass mich mal an, ich bin live hier. Genieß den Augenblick, den Scheiß guckst du dir sowieso nicht wieder an“, so schnauzte Lupus zwei Besucher mit Tablet und Smartphone an. Richtige Mittelalter-Fans ließen die elektronischen Geräte zuhause und kamen im vollen Gewand zur Messe.

Selbstgemachtes und Mittelalternamen

Rasmus von Bergen, szeneüblich nannte er den Mittelalternamen, trug einen selbst gemachten Beutel aus Fell, eine Tunika und einen Tabakbeutel aus Leder. Sein Wikingergewand wirft er regelmäßig über. „Das Leben ohne Strom und die selbstgemachten Stücke reizen mich besonders am Mittelalter“, erzählte von Bergen aus Lage. Mit nacktem Oberkörper und prächtig geschmückt ging die Band „Cradem Aventure“ auf die Bühne. Dudelsack und Fidel beförderten die Besucher auch musikalisch ins Mittelalter. Lieder wie Hunnentanz oder Spielmannstraum waren genauso tanzbar wie die Musik der Gruppe „Forum Pocina“.

Eis aus den Alpen und Fruchtmark

Zur Atmosphäre trugen der Mittelalter-Stil und andere kreative Gewänder bei. Anja Schmelter aus Gütersloh entwarf ihr Outfit mit breitem Reifrock und Zylinder mit Brille selbst: „Es ist eine Mischung aus Renaissance und Steampunk. Auf Mittelaltermärkten bin ich aber meist die Edeldame.“ Ein Kleinmädchentraum lasse sie so wahr werden. Ignatia aus Lotte, eine Feuershow-Künstlerin, trägt privat auf Messen die schlichte Variante. Mit Mieder, Rock und Umhang aus Leinen mischte sie sich unter das Publikum. „Ich stehe total auf die Mittelaltermärkte, die Atmosphäre ist ganz speziell. Gewanden muss ich mich nicht dafür“, berichtete Mareike Clausmeyer, die ihrem Sohn Schild und Helm kaufte.

Üppiges Angebot an Speisen

An den 70 Ständen boten unter anderem Handwerker und Krämer ihre Waren an, außerdem gab es ein üppiges Angebot an mittelalterlichen Speisen. Tschü van Chris verkaufte zwar Softeis, aber versicherte, dass Speiseeis auch schon im Mittelalter beliebt war. Mit Eis aus den Alpen und Fruchtmark zauberten die Menschen damals die kühle Erfrischung.

Duell mit Schwert und Schild

Eine Abkühlung konnten die streitsüchtigen Ritter nach ihrem Auftritt gut gebrauchen. Zwischen den Ständen entwickelte sich ein Duell mit Schwert und Schild. Kräftig knallten die Schläge durch die Halle. Dem Sieger winkte eine Belohnung der besonderen Art: ein inzwischen gefesselter Dieb durfte „umgebracht“ werden.

Claas Wenker und Eike Wasmund recherchierten das nächste Outfit für den Ossensamstag. „Auf eine Hexenverbrennung freuen wir uns“, scherzten die jungen Männer, „und natürlich auf Met.“ In der derb-humorigen, lauten, aber herzlichen Art war die Messe eine gelungene Zeitreise. Marktmeister Tom Zierfuß resümierte: „Wir sind sehr zufrieden mit dem ersten Markt in dieser Gegend. Es waren viele Familien und Gewandete da.“


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