Kongress-Bummel „Bewegte Kindheit“ Paula kaut Kaugummi – nicht nur in Osnabrück


Osnabrück. Die Stadt Osnabrück ist voll von gut gelaunten Menschen, die mit ihren markanten rot-weißen Leinentaschen auf dem Weg zu Workshops und Vorträgen sind. Unsere Redaktion begleitet einige der 3000 Teilnehmer in ihre Workshops.

„Loitetotsufarenistlböd“. „Kinder kennen keine Wörter, Wörter kennen nur Menschen, die schreiben können“, erklärt Ingrid Clausmeyer, ehe die Fachseminarleiterin für Pädagogik am Studienseminar Osnabrück das Rätsel auflöst: „Leute tot zu fahren, ist blöd“. In ihrem Workshop „Paula kaut Kaugummi“ führt Clausmeyer Lieder und Spiel zur Unterstützung des Spracherwerbs vor. Und sie gibt auch Tipps, wie fremdsprachige Kinder schnell deutsche Begriffe lernen: Gegenstände wie Lineal, Buch oder Apfel benennen und dann mit einer Fliegenklatsche draufhauen – Selbstversuche belegen den Spaßfaktor und Effekt.

„Mathe ist ein Arschloch“

Die Workshops mit praktischen Anleitungen für pädagogisches Fachpersonal sind in der Regel besonders gut besucht. So auch der von Katja Tietz, Facherzieherin für Integration und Motopädagogin. Sie stellt „Schwämme, Moosgummifüße & Co“, kurz Alltagsmaterialien für Bewegungsstunden in der Kita vor. Aus Mossgummi ausgeschnittene Füße in vielen Farben führen kreuz und quer durch den Raum, über Stühle und Tische oder darunter hindurch. Darf es noch etwas komplizierter sein? Dann bitte nur auf die Füße einer bestimmten Farbe treten.

Mit dem Spruch „Mathe ist ein Arschloch“ begrüßt Rudolf Lensing-Conrady die Teilnehmer seines Workshops „Mathe bewegt! – Vom Körperraum zum Zahlenraum“. „Mathe gehört zu unserem Leben und macht und das Leben leichter“, sagt der Sportpädagoge. Aber Mathe werde meist nicht als sinnvoll erlebt, sondern mit Aufgaben wie dieser verbunden: Zwei Goldfische wandern durch die Wüste, der eine dick, der andere rot. Wie viel wiegt die Palme, wenn es regnet?

Dem Lehrer einen Vogel zeigen

Erstklässler würden ihrem Lehrer noch einen Vogel zeigen bei solch einer Aufgabe, sagte Lensing-Conrady begleitet vom Gelächter seiner Teilnehmer. Viertklässler aber begännen zu rechnen, weil sie nicht mehr nach der Sinnhaftigkeit der Mathematik fragten. Wie Mathe und Bewegung zusammenpassen, zeigte er unter anderem mit dem Atomspiel .

Zehn Jahre Kongress „Bewegte Kindheit“ heißt auch Erfahrung beim Andrang auf Angebote mit Musik. Und so finden zwei Workshops parallel an den größtmöglichen Räumen statt: Der Kinderliedermacher Wolfgang Hering präsentiert im Kongresssaal der Osnabrückhalle „Die feinsten Hits für die Kleinsten“ wie den „Schubidua-Tanz“ und „Sternenfänger“. Im Europasaal zeigt sein Kollege Reinhard Horn den Teilnehmern, wie sie im Kindergarten und der Grundschule „Singend und bewegt durch die Jahreszeiten kommen“.

Bettina Wulff als Helmträgerin

Mittagspause am zweiten Kongresstag. Jetzt besuchen vielen Teilnehmer die Fachausstellung in der Osnabrückhalle. Gekicher am Stand mit dem Erlebnisband „Le Bonbond“ . Vier Leute testen die Elastizität des Tuches, eine andere Teilnehmerin nutzt es als Schaukel.

Weiter geht der Bummel, einige Teilnehmer stutzen. Ist das nicht... Ja, es ist Bettina Wulff, die ehemalige First Lady Deutschlands. Heute ist sie als Botschafterin des Projektes „Stadthelm“ unterwegs. „Ich setzte den Stadthelm auf, weil lässig besser ist als fahrlässig“, lautet ihr Slogan.

Das Projekt wurde initiiert vom Bundesverband Kinderneurologie-Hilfe. Fahrradunfälle führen gerade bei Kindern und Jugendlichen oft zu Kopfverletzungen mit tödlichem Ausgang – und gelten als Haupttodesursache bei Radunfällen der unter 18-Jährigen. Einen Helm zu tragen, verringert nach wissenschaftlichen Studien das Risiko einer Kopfverletzung um 69 Prozent. Die zweifache Mutter Bettina Wulff will beim Kongress vor allem Erzieherinnen und Erzieher auf die Bedeutung eines Helms aufmerksam machen.

Am Samstag wird ihr Mann Christian Wulff den Abschlussvortrag halten. Den Freitag hatte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka mit einem Grußwort eröffnet.


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