Osnabrücker Kunstszene geprägt Künstlerin Gertrud M. Krüger verstorben

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Gertrud M. Krüger ist tot. Die Künstlerin starb im Alter von 85 Jahren in Osnabrück. Krüger prägte als Keramikerin und Objektkünstlerin die Osnabrücker Kunstszene.

Der Titel ihrer Bilderserie von 1997 war Gertrud M. Krüger Lebensprogramm: „Bewegte Frauen“ nannte sie ihre Zeichnungen, eine bewegte und bewegende Frau war die Künstlerin selbst allemal. Und das umso mehr, als sie ihr Werk trotz des jahrelangen Kampfes gegen die tückische Krankheit Multiple Sklerose vorantrieb. Schon 1980 musste sie deshalb ihre Arbeit als Keramikerin aufgeben. Mit Zeichnungen und Grafiken blieb sie nicht nur einfach aktiv, mit ihren Objekten prägte sie zeitweise sogar das Stadtbild. Vor allem ihr „Folks-Wagen“, den sie im Jahr 2000 im Park der Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück aufstellte, stand stellvertretend für ein Werk, das sich immer als bildstarker Kommentar zum Zeitgeschehen verstand. Hier weiterlesen: Gertrud M. Krüger und ihr Galeriejubiläum.

Krüger reagierte mit dem „Folks-Wagen“ auf die Flüchtlingsströme, die die Balkankriege der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts auslösten. Vor dem Hintergrund aktueller Flüchtlingsströme erweisen sich diese und weitere Arbeiten als prophetisch. Das Gefährt, das sie mit Figuren in der Form von Metallschemen durch Deutschland auf die Reise schickte, griff dieses Thema ganz direkt auf, durfte aber auch als ironischer Kommentar auf das eigene Schicksal verstanden werden. Die Krankheit hatte die Künstlerin in den Rollstuhl gezwungen. Das änderte nichts an ihrem Lebensmut, ihrer trotzigen Selbstbehauptung. Die Frau mit der markanten Kurzhaarfrisur und dem lebhaften Blick war ein Osnabrücker Charakterkopf. Hier weiterlesen: Zum 80. Geburtstag von Gertrud M. Krüger .

Krügers Temperament prägte auch ihre Kunst. Diskurslastige Konzepte waren nicht ihre Sache. Gertrud M. Krüger wollte sich mit ihren Arbeiten direkt engagieren und vor allem im Kontakt mit dem Material sein. Als Keramikerin konnte sie sich diesen Wunsch erfüllen. Später malte und collagierte sie auf Zeitungsseiten und ausrangierten Druckplatten der Neuen Osnabrücker Zeitung. Als die Krankheit ihren körperlichen Aktionsradius einzuschränken begann, dachte sie dennoch weiter groß. Sie zeichnete jene ausdrucksstarken Wandfiguren mit sprechenden Namen wie „Kopfvögel“ oder „Grenzgänger“, die sie dann in Metall ausführen ließ. 2001 wurde Krüger mit dem Elisabeth-Siegel-Preis ausgezeichnet, 2003 feierte sie noch ihr dreißigjähriges Atelierjubiläum in ihren Räumen am Domhof. Gertrud M. Krüger starb nach Mitteilung der Familie bereits am 20. Februar 2016. Hier weiterlesen: Osnabrücker Bildhauer Richard Wake verstorben.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN