Auswirkungen des Mindestlohns Viele Billig-Friseure in Osnabrück werden teurer

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Siegward Schneider ist Obermeister der Friseur-Innung Osnabrück und freut sich, dass es nun „endlich einen vernünftigen Lohn für das Personal gibt“. Archivfoto: Gert WestdörpSiegward Schneider ist Obermeister der Friseur-Innung Osnabrück und freut sich, dass es nun „endlich einen vernünftigen Lohn für das Personal gibt“. Archivfoto: Gert Westdörp

Osnabrück. Der Mindestlohn wirkte sich in der Region Osnabrück nur moderat auf die Preise aus. Die befürchteten teureren Brötchen oder teureres Fleisch sind ausgeblieben. Allerdings sind viele Billig-Friseure teurer geworden.

Der Obermeister der Friseur-Innung Osnabrück, Siegward Schneider, zieht ein positives Resümee, denn nach seiner Beobachtung zogen die Preise bei vielen Osnabrücker Billig-Friseuren nach Einführung des Mindestlohns an. Schneider freut sich, dass es nun „endlich einen vernünftigen Lohn für das Personal gibt“. Die von ihm geforderten 20 Euro für einen Herrenhaarschnitt verlangen zwar bei Weitem noch nicht alle Osnabrücker Friseure, aber er sagt: „Bei den Filialisten in der Stadt haben sich die Preise im Billigsegment im Schnitt um zwei bis drei Euro erhöht. Damit nähern wir uns der Grenze von 20 Euro.“

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Im Lebensmittelhandwerk ist die Beschäftigung von 450-Euro-Kräften im Verkauf nach Angaben des Hauptgeschäftsführers der Kreishandwerkerschaft, Thorsten Coch, deutlich zurückgegangen: „Die Beschäftigungsverhältnisse wurden teils in reguläre umgewandelt.“

Nachdem der Obermeister der Bäcker-Innung, Wilhelm Wolke, vor einem Jahr wegen der Einführung des Mindestlohns noch Preissteigerungen gefordert hatte, sind diese nun offenbar ausgeblieben. Wolke selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, aber laut Coch konnten „wesentliche Preiserhöhungen“ bei den Bäckern durch Einsparungen wie etwa bei der Energie oder bei gewissen Rohstoffen vermieden werden. Das „Bäckereisterben“ habe andere Gründe wie die Konkurrenz von Backstationen in Supermärkten oder – gerade im ländlichen Raum – die fehlenden Nachfolger für die Betriebe.

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Der stellvertretende Obermeister der Freien Fleischer-Innung Osnabrück, Christian Sostmann, kann nicht einschätzen, wie sich der Mindestlohn auf die großen Industrie-Schlachtbetriebe der Region auswirkt. Er befürworte den Mindestlohn aber schon deshalb, weil er sich wünscht, „dass die Industriebetriebe es dadurch schwerer haben, weiterhin Dumpingpreise beim Fleisch anzubieten.“ Ein Blick in die Angebotsprospekte der Discounter zeigt jedoch, etwaige Preissteigerungen wurden nicht an die Verbraucher weitergegeben.

Auf Sostmanns eigenem Betrieb, Sostmann Fleischwaren, hat der Mindestlohn nach eigenen Angaben keine Auswirkungen. Dort wird aber nur an zwei Tagen pro Woche geschlachtet. „Akkordarbeit, Werkverträge und osteuropäische Zeitarbeitsfirmen gab es und gibt es bei uns nicht“, konstatiert Sostmann. Er nennt aber einen interessanten Vergleich: „Deutschlands größter Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück schlachtet über 260.000 Schweine pro Woche in einem Werk – bei unserer handwerklichen Schlachtung sind es 180 Schweine pro Woche. Die drei größten Schlachtkonzerne Deutschlands schlachten über die Hälfte aller Schweine in Deutschland.“ Die Innungsreferentin der Freien Fleischer-Innung Osnabrück, Ursula Schaub, hatte bereits im vergangenen Jahr festgestellt, dass in den Schlacht- und Zerlegekolonnen der großen Betriebe mit meist ausländischen Werkvertraglern der Verdacht auf Ausbeutung nahe liege. Brancheninsider berichten, dass der Lohn sich nur erhöht, indem die Arbeitszeit auf dem Papier reduziert wird, effektiv aber gleich bleibe.

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Somit stellt sich die Frage nach der Mindestlohn-Kontrolle. Coch sagt dazu: „Mangelnde Kontrolle wird es sicherlich an der ein oder anderen Stelle noch geben.“ Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls habe zwischenzeitlich auch andere Aufgaben zugewiesen bekommen. Coch resümiert: „Wir werden mit dem Thema der mangelnden Kontrolle wohl auch zukünftig leben müssen.“

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Die Kreishandwerkskammer Osnabrück sieht insgesamt keine spürbaren Auswirkungen des Mindestlohns auf die Betriebe der 42 Innungen. Laut Hauptgeschäftsführer Coch lagen die tariflichen Löhne bis auf eine Ausnahme bereits in der Vergangenheit deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn.

„Lästige Aufzeichnungspflicht fällt nicht mehr ins Gewicht“

„Was im letzten Jahr zu Recht diskutiert und vor allem kritisiert wurde, war die Dokumentationspflicht, die für die allermeisten Betriebe eine bürokratische Hürde war und zu entsprechendem Mehraufwand in den entsprechenden Personalabteilungen geführt hat“, betont Coch. Die Auswirkungen der „lästigen Aufzeichnungspflicht“ würden inzwischen aber sicherlich durch andere Konjunkturparameter überlagert und fallen laut Coch entsprechend nicht ins Gewicht.


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