Tag der Muttersprache am 21. Februar Osnabrücker Professor erklärt die arabische Sprache


Osnabrück. Immer mehr Menschen kommen nach Deutschland, die Arabisch als Muttersprache haben. Omnipräsent, aber unbekannt – was wissen Sie über die arabische Sprache, abgesehen davon, dass man von rechts nach links schreibt? Prof. Dr. Josef Wichmann gibt einen Einblick in die Welt der arabischen Sprache.

Bevor Dr. Wichmann an der Uni Osnabrück gearbeitet hat, hat er viele Jahre in Saudi-Arabien gelebt und an der Universität für Petroleum und Minerale in Dhahran gelehrt. Jetzt arbeitet er in der Fakultät für Mathematik und Informatik der Fern-Universität Hagen, und gibt nebenbei Arabisch-Unterricht. Wie schwierig ist es also, Arabisch zu erlernen? „Zunächst: Man kann die hocharabische Sprache nicht richtig verstehen, wenn man die Schrift nicht kennt“, sagt Dr. Wichmann zu Beginn des Gesprächs. Das sei ganz wichtig. Denn: Das arabische Alphabet, Abschad genannt, hat 28 Konsonanten und drei Vokale, a,u und i. „Für die Bedeutung von Worten sind die Vokale ausschlaggebend; je nach dem, ob sie lang oder kurz sind“, so Dr. Wichmann.

Hund oder Herz?

Beispiel: Das arabische Wort „qalb“, ausgesprochen wie das deutsche Wort „Kalb“, bedeutet „Hund“. „Qalb“ mit einem kehligen „Ch“-Laut begonnen, bedeutet „Herz“. Ein gewaltiger Unterschied und für ungeübte Sprecher bereits eine Herausforderung. Sei die Aussprache nicht richtig, werde auch das Wort ein ganz anderes, betont Wichmann.

Zischlaute beispielsweise seien in Deutsch „sch“, in Englisch „sh“. Suffixe, also mein, dein und so weiter, werden im Arabischen an das entsprechende Nomen hinten angehängt. Folglich heißt „mein Herz“ auf hocharabisch „qalbi“. „Deshalb funktionieren Umschriften aus lateinischen Sprachen nicht. Araber werden das nicht lesen können.“ Nur wenn das Wort korrekt geschrieben sei, könne man es verstehen.

Komplizierte Reiseführer

„Ein schönes Beispiel dafür sind Reiseführer, in denen arabische Sätze abgedruckt sind, damit man sich mit Einheimischen verständigen kann,“ sagt Dr Wichmann, der mehrere Jahre in Persien gelebt und gearbeitet hat. „Da stehen dann ganz lange, ganz höfliche Sätze drin – da denke ich dann, Leute, Leute, da versteht doch keiner, was man will. Kurze Sätze und Fragewörter, das reicht.“

Gutes Stichwort: Nach Einschätzung des Informatikers sind zwei bis drei Wochen ein realistischer Zeitraum, um die arabische Schrift zu erlernen. Aufgrund der ähnlichen grammatikalischen Strukturen hätten Lateiner hier einen Vorteil.

Sprachkurse

Seine Sprachkurse belegten vermehrt Menschen, die im weitesten Sinne mit Flüchtlingen arbeiten – sei es durch ehrenamtliche oder kirchliche Tätigkeiten. Man dürfe aber nicht erwarten, nach wenigen Wochen Smalltalk mit einem Syrer halten zu können. Wichmann, der nach eigener Aussage Französisch schwieriger als Hocharabisch findet, drückt es so aus: „Ich frage dann immer: Können Sie sich noch daran erinnern, wie lange es gedauert hat, bis sie sich vernünftig auf Englisch unterhalten konnten?“ Natürlich könne man auch eine Sprache lernen, wenn man sie einfach nachplappere. „Aber spätestens, wenn man eine Zeitung oder ein Buch auf arabisch lesen will, rächt es sich, wenn man sich nicht mit der Grammatik auseinandergesetzt hat.“

Keine unbestimmten Artikel

Wie schwierig ist es denn für arabische Muttersprachler, Deutsch zu erlernen? „Schwierig“, lautet die Einschätzung von Wichmann. Als Beispiel nennt er die bestimmten und unbestimmten Artikel im Deutschen: „Der, die, das gibt es im Hocharabisch nicht. Da gibt es nur ein Wort, ‚al‘. Es ist also schwer zu Bestimmen, welches Geschlecht ein Wort hat.“ So verhalte es sich auch mit unbestimmten Artikeln. „Die gibt es im Arabischen gar nicht.“

Hocharabisch in der Schule

In der arabischen Welt lernen alle Kinder in der Schule Hocharabisch in Wort und Schrift, erklärt Wichmann. Dennoch gebe es Unterschiede und auch durchaus Verständigungsprobleme zwischen Persern, Syrern und Saudis, beispielsweise. Denn wie bei allen anderen Sprachen gebe es hier Dialekte und unterschiedliche Aussprachen. „Es ist dieselbe Schrift, aber es sind unterschiedliche Sprachen.“

Wer jetzt Arabisch lernen möchte, um sich mit besser mit syrischen Flüchtlingen verständigen zu können, tut das Richtige. „Hocharabisch sollten theoretisch alle Flüchtlinge verstehen, die Schulbildung genossen haben. Und um ein paar Worte zu wechseln, brauche ich die Schrift nicht erlernen.“

Unbekannte Sprache, unbekannte Kultur?

Wie kann es sein, dass Arabisch, immerhin einer der meistgesprochenen Sprachen der Welt, den Menschen hierzulande so befremdlich, vielleicht sogar unheimlich ist? Vielleicht wurde Arabisch einfach nicht genug beachtet? Hebräisch und Kyrillisch sind der deutschen Kultur durch das Zeitgeschehen vermutlich näher als arabische Schriftzeichen. „Dabei stammen Wörter wie Algebra oder Admiral aus dem Arabischen,“ sagt Wichmann. Er kann sich daran erinnern, wie er als Schüler ein Buch über das Leben des Propheten Mohammed gelesen habe. „Das war illustriert mit Kalligrafiebildern. Ich war damals schon sehr beeindruckt.“ In den damaligen Geschichtsbüchern sei zwar der Haddsch, die traditionelle islamische Pilgerreise nach Mekka, erwähnt worden, aber die arabische Kultur nie wirklich erläutert. „Insgesamt konnte man nur wenig darüber lesen.“

Arabisch als Pflichtfach?

Vor wenigen Wochen sorgte der ehemalige Rektor der Universität Rostock Thomas Strothotte in einem Artikel in der „Zeit“ für Aufsehen, in welchem er forderte, Arabisch an deutschen Schulen als Fremdsprache neben Englisch oder Französisch zu unterrichten – und zwar verpflichtend. Josef Wichmann findet diese Idee „ganz interessant“, aber: „Man muss den Schülern die Wahlfreiheit lassen, ob sie Arabisch als Zweit- oder Drittsprache erlernen wollen. Unter Zwang darf es nicht passieren. Und es darf auch nicht in Koran-Unterricht enden.“

Nicht nur für Schüler mit Deutsch als Muttersprache könne Arabisch als Schulfach interessant sein, so Wichmann. „Es gibt bestimmt auch eine Menge Türken, die gerne Hocharabisch lernen möchten.“ Wenn das Angebot und das Interesse bestünden, könne Arabisch-Unterricht durchaus zur Verständigung der Kulturen beitragen. Man müsse aber womöglich genau differenzieren; Arabisch-Unterricht sei vermutlich nur in Ballungszentren sinnvoll.


0 Kommentare