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Kallas Heimatabend BOB - Bund Osnabrücker Bürger tritt zur Wahl an

Wie soll der Neumarkt aussehen? Von links: Heiko Pohlmann, Michael Wiese, Fritz Brickwedde Rainer Lahmann-Lammert, Kalla Wefel, Frank Henning, Jens Meier, Wulf-Siegmar Mierke und Thomas Haarmann. Foto: Egmont SeilerWie soll der Neumarkt aussehen? Von links: Heiko Pohlmann, Michael Wiese, Fritz Brickwedde Rainer Lahmann-Lammert, Kalla Wefel, Frank Henning, Jens Meier, Wulf-Siegmar Mierke und Thomas Haarmann. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Die Kritiker der Neumarkt-Politik treten als „BOB - Bund Osnabrücker Bürger“ zur Kommunalwahl im September an. Das kündigte Michael Wiese am Sonntagabend während des Heimatabends von Kalla Wefel an.

In seinem Schlusswort auf Kalla Wefels Heimatabend zum Thema Neumarkt ließ der Gründer der Facebook-Seite „Gebt den Neumarkt wieder frei“ die kleine Bombe platzen. Eine Wählergruppe, die genug habe von der rot-grünen Anti-Auto-Politik, werde sich unter dem Namen BOB -Bund Osnabrücker Bürger zur Wahl stellen. „Und dann wird in Zukunft jeder Euro drei Mal umgedreht“, kündigte Wiese an. Wer für BOB ins Rennen geht, sagte Wiese nicht. Er selbst kann  nicht kandidieren, solange er in Wallenhorst wohnt.

Es war der dritte Heimatabend, der sich dem Thema Neumarkt widmete, und wohl in keinem waren die Positionen so weit auseinander und die Stimmung so geladen. Co-Moderator Rainer Lahmann-Lammert sorgte gleich zu Anfang für ein Stück Klarheit: Eine „satte Mehrheit“ der 235 Zuhörer hob den Arm auf seine Frage, wer für die Freigabe des Neumarktes sei. Und einer unter den Zuhörern gab zu, in den letzten Tagen mit dem Auto über den Neumarkt gefahren zu sein.

Als Überraschungsgast präsentierte Kalla Wefel den „Befreier des Neumarktes“: Bernd Klute, der mit seiner Klage gegen die Neumarkt-Sperrung zuletzt für hektische Betriebsamkeit in der Politik gesorgt hat. Was hat ihn angetrieben, Klage einzureichen – „als CDU-Mitglied“?, fragte Wefel mit einem Augenzwinkern. Er habe es aus eigenem Interesse gemacht, versichert Klute, weil ihn die Umwege und Wartezeiten geärgert hätten.

Wie soll der Neumarkt in Zukunft aussehen? Wulf-Siegmar Mierke erntete lauten Protest mit seiner These, die Mehrheit der Bürger sei für einen autofreien Neumarkt. Michael Wiese bezeichnete es als  „ökologischen Wahnsinn“, die Autofahrer zu Umwegen zu zwingen. 25000 bis 30000 Autos hätten früher täglich den Neumarkt passiert. „Die Fahrer suchen jetzt andere Wege oder stehen auf dem Wall im Stau.“ Der Neumarkt sei zwar sauberer, aber insgesamt sei die Umweltbelastung durch eine unkluge Verkehrspolitik gestiegen, so Wiese.

Der Neumarkt werde nie eine grüne Oase werden, solange dort täglich 2096 Busse fahren, sagte Fritz Brickwedde (CDU). Osnabrück müsse „freundlich“ zu den über 50.000 Einpendlern sein. Die baustellenbedingte Sperrung des Neumarktes sei seit Juni 2015 rechtswidrig. Die Bauverwaltung habe „immer neue Baustellen erfunden“ und dem Gericht die Unwahrheit gesagt. Und dann griff Brickwedde tief in die Populismuskiste: „Das ist Verarschung der Bürger und eine bodenlose Frechheit!“

Thomas Haarmann (FDP) sprach sich für einen autofreien Neumarkt aus, weil der Platz sonst wieder zur Barriere würde. Heiko Pohlmann (Hasepost.de) säte Zweifel, dass das Einkaufszentrum tatsächlich gebaut wird. Würde der Investor noch an das Projekt glauben, hätte er längst mit dem Abriss begonnen. Der Politik warf er vor, dem Investor nicht „die Daumenschrauben angelegt“ und keinen Plan B in der Schublade zu haben.

Jens Meier blickte optimistisch nach vorn: „Ich freue mich auf den neuen Platz. Die Menschen werden den neuen Neumarkt annehmen und den Platz für sich erobern.“ Ähnlich äußerte sich Frank Henning. Über 130 Millionen Euro würden in das Einkaufszentrum investiert, hinzu kämen über 30 Millionen Euro für das Justizzentrum und weitere Millionen für das sogenannte Baulos 2 vor H&M.

Warum wird der Neumarkt nicht gesperrt und der Wall zum Einbahn-Kreisverkehr?, fragte Kalla Wefel. Keine Antwort. Wie kann Osnabrück das Problem mit den Luftschadstoffen lösen?, fragte Lahmann-Lammert. Auch keine erschöpfende Antwort. Die sieben Männer auf dem Podium wiederholten die bekannten Thesen zur Verkehrspolitik, jeder aus seiner Perspektive und mitunter mit dem Hinweis, man verbitte sich einen „Erziehungsprozess“. Es wurde viel über Erziehung gesprochen an diesem Abend: SPD und Grüne stehen in dem Ruf, die Osnabrücker zur Auto-Enthaltsamkeit erziehen zu wollen.

Karl-Heinz Wiese, Anwohner des Walls, forderte eine Befragung der Wall-Anwohner. Mechthild Möllenkamp, Präsidentin des Einzelhandelsverbandes, warnte vor massiven Nachteilen für den Handel, wenn der Neumarkt gesperrt werde und die Innenstadt nicht mehr gut erreichbar sei. Eva-Maria Westermann, CDU-Ratsfrau aus Voxtrup, will eine zunehmende Abwanderung von Kunden in Städte des Umlandes ausgemacht haben, die schnell erreichbar sind und keine Parkgebühren verlangen.

Wo ist der Kompromiss, fragte ein Zuhörer? Heiko Pohlmann verwies auf den geltenden Ratsbeschluss, der zwei Streifen für Autos vorsieht. Gelte der nicht mehr? Im Prinzip ja, aber: Jens Meier bewertete die aktuelle Sperrung als erfolgreichen Testlauf, aus dem jetzt die richtigen Schlüsse zu ziehen seien. In der nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses sollen nach seinen Worten weitere Ergebnisse der Verkehrsuntersuchungen vorgestellt werden.


Das Podium in der Lagerhalle war prominent besetzt mit: Fritz Brickwedde (CDU), Frank Henning (SPD), Jens Meier (Grüne), Thomas Haarmann (FDP), Wulf-Siegmar Mierke (UWG/Piraten) und Heiko Pohlmann (Hasepost.de) und Michael Wiese. Der Gründer der Facebookgruppe „Gebt den Neumarkt wieder frei“ trat zum ersten Mal zu diesem Thema auf die politische Bühne. An der Seite von Gastgeber Kalla Wefel moderierte Rainer Lahmann-Lammert (Lokalredaktion NOZ medien).

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