Szenische Lesung zum Ersten Weltkrieg Botschaft der Osnabrücker Schüler: Nie wieder


Osnabrück. Acht Schüler des Gymnasiums in der Wüste führten am Freitagabend eine szenische Lesung im Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum auf. Unter dem Titel „Der Kaiser rief - und Alle, Alle kamen“ präsentierten sie Tagebuchaufzeichnungen, Romanauszüge und Gedichte von jungen Zeitzeugen aus dem Ersten Weltkrieg. Historische Fotos und Tondokumente verstärkten die Wirkung der kontrastierend arrangierten Texte, die bei vielen Zuhörern Gänsehaut hervorriefen.

„Dies ist keine Veranstaltung im Sinne von ‚Opa erzählt vom Krieg‘“, erklärte der 1937 geborene Regisseur der Aufführung Burkhard Imeyer. Vielmehr gehe es darum, die Erinnerung wach zu halten und die Botschaft „Nie wieder“ an das Publikum weiterzugeben.

Die Schrecken in den Schützengräben

Seit den Sommerferien hatte er mit den acht Oberstufenschülern Amrit Bains, Jelena Bohne, Mia Gillenkirch, Saskia Huwe sowie Marius Borchert, Alexander Dück, Nico Kurland und Anton Stratmann am Stück gearbeitet. In schnellem Wechsel trugen sie Gedichte, Tagebuchaufzeichnungen und Romanauszüge vor, die das Kriegsgeschehen aus unterschiedlichen Perspektiven wiedergaben. Jeder von ihnen hatte sich dabei die Rolle ausgesucht, die ihm am meisten lag. Von der anfänglichen Kriegsbegeisterung über die Schrecken in den Schützengräben bis hin zum Leiden an der Heimatfront im Angesicht von Hunger, Tod und Zerstörung steigerten sich die Szenen in ihrer Dramatik.

Die „Blutmühle von Verdun“

Die beiden zentralen Texte der Lesung bildeten Auszüge aus den Tagebuchaufzeichnungen der damals 14-jährigen Elfriede Kuhr aus Schneidemühl in Westpreußen, wie sie Peter Englund in seinem Buch „Schönheit und Schrecken“ wiedergegeben hat, und Kriegsszenen aus Paul Coelestin Ettighoffers „Gespenster am Toten Mann“, der darin die Erlebnisse eines jungen Freiwilligen in der „Blutmühle von Verdun“ schildert. 

Bilder mit Schockwirkung

Mal schlüpfte ein Schüler im Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum in den militärischen Duktus eines Kaiser Wilhelm II. und schrie förmlich ins Mikrophon, mal sprach eine Schülerin mit der zarten, besorgten Stimme einer alten französischen Dame, bei der deutsche Soldaten Quartier bezogen hatten. Die Bilder, die im Hintergrund dazu durchliefen, verdeutlichten, kontrastierten oder entlarvten die vorgetragen Beiträge, zum Teil mit Schockwirkung.

Intensiver Vortrag mit mahnendem Zitat

„Jeder der Schüler hat die richtige Rolle für sich gefunden und sich in die Figur eingefühlt“, so der ehemalige Geschichtslehrer Imeyer. So verkörpern sie eindrucksvoll die damals etwa gleichaltrigen, jungen Menschen. Als nach gut neunzig Minuten ihr intensiver Vortrag mit dem mahnenden Zitat „Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären“ aus Friedrich Schillers „Wallenstein“ endete, schienen die acht Schüler ihre Rollen erst einmal abschütteln zu müssen.


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