„Über den Zaun hinausschauen“ Zehn Jahre Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte

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Georgsmarienhütte. 460 Projekte hat die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte nach eigenen Angaben bereits unterstützt. Das Stiftungsvermögen ist in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen, doch die Jury stößt bei der Vergabe von Fördermitteln auch an Grenzen.

Schon bevor die Stiftung Stahlwerk gegründet wurde, habe die Georgsmarienhütte GmbH gemeinnützige Initiativen unterstützt, sagt der Stiftungsvorsitzende Hermann Cordes: „Es wurde schon immer über den Zaun geschaut und versucht, im Umfeld etwas zu tun.“

Zum 150-jährigen Bestehen des Unternehmens 2006 ist auf Initiative von Gesellschafter Jürgen Großmann dann die Stiftung Stahlwerk gegründet worden. Ihren Sitz hat sie auf dem Unternehmensgelände, die Entscheidungen werden jedoch unabhängig getroffen, betont Cordes. Damals stellte das Unternehmen eine Millionen Euro Kapital und weitere 150000 Euro für das erste Jahr zur Verfügung. „Doch wir haben schnell erkannt, dass man damit nicht die Welt aus den Angeln heben kann“, sagt Cordes.

Seitdem ist das Stiftungsvermögen um ein Vielfaches gewachsen. Es beläuft sich nach Angaben des Vorsitzenden mittlerweile auf 14 Millionen Euro. Dazu haben das Unternehmen, aber auch private Förderer beigetragen. 460 Projekte seien mit insgesamt 17 Millionen Euro unterstützt worden. In manchen Fällen reichten 2000 Euro, während andere Projekte mehrere Hunderttausend bekamen. Gefördert wurden überwiegend regionale Projekte, aber beispielsweise auch eine internationale Schule in Essen und das Sprengel Museum Hannover.

Das oberste Ziel bei der Vergabe der Fördermittel sei Nachhaltigkeit. „Wir sehen uns als Anschieber. Im besten Fall entsteht eine dauerhafte Einrichtung, die von der Stadt oder dem Land übernommen wird“, sagt Cordes. Das war zum Beispiel beim Familienhebammenprojekt der Fall. Die Zusatzausbildung für Hebammen habe das Land Niedersachsen übernommen. Aus dem Pilotprojekt „Gesunde Stunde“ ist ein Verein entstanden, der das Ziel verfolgt, Kindern Spaß an gesunder Ernährung und Bewegung zu vermitteln.

In der Satzung der Stiftung heißt es, das Geld steht für wissenschaftliche, mildtätige und kulturelle Zwecke zur Verfügung. Der Vorstand hat die Bildung in den Fokus gestellt. Kinder und Jugendliche aus einem sozial schwachen Umfeld sollen profitieren und junge Talente gefördert werden. Ein großer Teil des Geldes wird für Stipendien ausgegeben. Derzeit erhalten laut Cordes 38 Stipendiaten jährlich 120000 Euro. Zu den kulturellen Projekten, die unterstützt wurden, gehören zum Beispiel die interkulturelle Sprachwerkstatt der Lutherkirchengemeinde in Georgsmarienhütte, der Bau eines Regiehauses an der Waldbühne Oesede und das Yeah-Festival.

Über die Vergabe der Fördermittel entscheidet der ehrenamtliche Vorstand, dem außer Hermann Cordes auch der ehemalige Osnabrücker Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip und der frühere Oberkreisdirektor des Landkreises Heinz-Eberhard Scholl angehören. Viele Anträge müssen abgelehnt werden, weil sie nicht den Richtlinien der Stiftung entsprechen. Es gebe aber auch förderwürdige Projekte, die letztendlich kein Geld erhalten. Doch wenn die Mittel erschöpft sind, enden damit nicht die Möglichkeiten der Stiftung. Es komme oft zu Kooperationen zwischen regionalen Stiftungen, sagt Cordes: „Das Netzwerk, das wir hier haben, ist wahrscheinlich einzigartig.“


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