Hochmotiviert auf Arbeitssuche Kameratraining für Flüchtlinge in Osnabrück

Von Ulrike Schmidt

Constanze von Laer unterrichtet Zenko Borko aus Serbien in einem Kameratraining im Rahmen des Projekts „Netwin3 - Netzwerk Integration“ in der Caritas Osnabrück. Foto: David EbenerConstanze von Laer unterrichtet Zenko Borko aus Serbien in einem Kameratraining im Rahmen des Projekts „Netwin3 - Netzwerk Integration“ in der Caritas Osnabrück. Foto: David Ebener

pm/S. Osnabrück. Bei einem Projekt der Osnabrücker Caritas lernen Flüchtlinge bei einem Kameratraining, wie sie sich bei einem Vorstellungsgespräch verhalten sollen.

Hochmotiviert sind sie und wollen Arbeit finden. Flüchtlinge, die sich aus eigener Initiative an die Caritas gewandt haben und über das Projekt Netwin3 dabei unterstützt werden, hier in Deutschland eine Arbeit, eine Ausbildung oder ein Praktikum zu finden. Im Büro von Anastasia Westby und Iryna Pashkevich brummt es. Die beiden vermitteln über Netwin3 nicht nur Sprachkurse und Schulungen zur Berufsvorbereitung. Oft helfe einfach nur ein lieber Zuspruch oder ein warmes Lächeln.

Ausführliches Profiling

„Wir kennen unsere Klienten, weil sie freiwillig immer wieder kommen“, sagt Iryna Pashkevich. In einem ausführlichen Profiling-Gespräch eruiert Constanze von Laer von der Agentur Konzeptwerk für Netwin3 den Lebenslauf, Kenntnisse, schulische und berufliche Laufgänge, den Aufenthaltsstatus und vor allem das Sprachniveau.

„Eigentlich kann ich die meisten Gespräche mit den Flüchtlingen gut auf Deutsch führen, denn die Teilnehmer sind meistens schon über ein Jahr in Deutschland und haben mindestens schon andere Kurse hinter sich“, berichtet von Laer. Diejenigen, die sich bei Netwin melden, wollten lernen, arbeiten und sich integrieren.

Info-Hotline für Unternehmen

Ist das Profil ermittelt und sind die Bewerbungsunterlagen erstellt, müssen Firmen gefunden werden, die bereit sind, Flüchtlingen einen Praktikums-, Ausbildungs- oder Arbeitsplatz anzubieten. Hier herrsche oft noch Verunsicherung auf Unternehmensseite. Wie ist das mit dem Aufenthaltsstatus und wie sieht es aus mit den tatsächlichen Kenntnissen? Meist gebe es keine Zeugnisse und Zertifikate aus den Herkunftsländern. Aus diesem Grund hat die Caritas eine kostenlose Hotline für Unternehmen eingerichtet. Unter der Nummer 0160/3640364 können sich Firmen Rat und Hilfe holen.

Tipps zu Kleidung und Höflichkeit

„Unsere Bewerber kommen aus den unterschiedlichsten Ländern. Vieles für sie ist in Deutschland fremd und ungewohnt“, erläutert Anastasia Westby: „Deshalb bieten wir ein Kameratraining an. Themen wie Kleidung, Begrüßung, Höflichkeitsfloskeln, Smalltalk, und Vorstellungsgespräch werden besprochen und das Verhalten dabei geübt.“

Das Interesse bei den Flüchtlingen an dem Kameratraining ist so groß, dass gleich zwei Termine eingerichtet wurden, freut sich Stephan Kreftsiek, Koordinator von Netwin3 beim Caritasverband für die Diözese Osnabrück.


Im Projekt Netwin 3 haben sich neun Partner aus dem nord-westlichen Niedersachsen mit dem Ziel zusammengeschlossen, Asylbewerber und Flüchtlinge bei der Arbeitsmarktintegration zu unterstützen. Netwin 3 ist Teil der „ESF-Integrationsrichtlinie Bund – Handlungsschwerpunkt – Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen (IvAF)“ und wird durch Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert. Die Dauer des Projektes ist vorerst befristet bis zum 30. Juni 2019.

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