Visionen vonne Kirche Kabarett zugunsten der Wohnungslosenhilfe Osnabrück

Von Uta Biestmann-Kotte

Ausgebildete katholische Gemeindereferentin und Kabarettistin: Ulrike Böhmer. Foto: Egmont SeilerAusgebildete katholische Gemeindereferentin und Kabarettistin: Ulrike Böhmer. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. „De Hütte is ja voll“, freute sich die rundliche Frau mit dem karierten Hut, als sie energisch durch den voll besetzten Saal marschiert und sich von SKM-Geschäftsführer Michael Strob auf die Bühne geleiten lässt. Dabei ist Erna Schabiewsky doch eigentlich „auf Krawall gebürstet“.

Auf Einladung des Förderkreises Wohnungslosenhilfe in Osnabrück/Soziale Dienste SKM begeisterte Ulrike Böhmer beim alljährlichen Kirchenkabarett im Saal der katholischen Familienbildungsstätte. Dabei wurde schnell klar, dass der Titel von Böhmers sechstem Solo-Programm „Und sie bewegt sich doch!“ mehr war als bloßes Lippenbekenntnis.

In ihrer Paraderolle als Dortmunder Katholikin „Erna Schabiewsky“ stand die 53-Jährige im roten Kostüm lebhaft gestikulierend auf der Bühne und legte auch mal tänzerische Einlagen hin. Ansonsten plauderte Erna mit Herz und Schnauze über verkaufte Kirchen, Sparzwänge im Bistum oder die Eigeninitiative der Frauen in Sachen Gottesdienstgestaltung in Dortmund-Eving.

Socken für Pater in Indien

Als ausgebildete katholische Gemeindereferentin und ausgezeichnet mit dem Kabarettpreis „Honnefer Zündkerze“, wusste die in Iserlohn lebende Böhmer gekonnt, die zwei Ks Kirche und Kabarett zu verbinden. Ob Erna ihre „KFD-Schwestern“ zum Sockenstricken für die unbeschuhten „Paters“ aus Indien animierte, Bollywood-Träumen in der Kirche nachhing oder seit nunmehr zehn Jahren den Weg des Erzbistums Paderborn in die Zukunft verfolgte – Ernas „Visionen vonne Kirche“ wirkten in Zeiten von Priestermangel und Pastoralverbünden wie echte Alternativen.

Der Papst tanzt Tango

Selber glänzte Erna als Vorreiterin in Sachen „Ökenemene“ als Maria beim Senioren-Krippenspiel im evangelischen Gemeindehaus. Und wenn ihr auf dem Weg zur U-Bahn nicht ständig hilfsbedürftige Menschen über den Weg gelaufen wären, die mit Kuchen und Eierlikör gepäppelt werden mussten, wäre Erna längst nach „Santiago von den Kompost“ gepilgert.

Andererseits: Wo „Pilgererei“ durch tätige Nächstenliebe unterbrochen wird, scheint es für die Kirche doch noch Hoffnung zu geben. Ihr zweistündiges Programm ließ Ulrike Böhmer wohl nicht von ungefähr mit Ernas Traum von einem Tango tanzenden Papst ausklingen, der ihr in einer evangelischen Kirche zuzwinkert: „Siehste, Erna: Und sie bewegt sich doch!“