Verschollene Stücke der Musikgeschichte Konzert der Bläservereinigung Osnabrück

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Die Bläservereinigung Osnabrück hat sich vorgenommen, selten vorgetragene Werke vorzustellen. Foto: Egmont SeilerDie Bläservereinigung Osnabrück hat sich vorgenommen, selten vorgetragene Werke vorzustellen. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Am späten Sonntagnachmittag lotete die Bläservereinigung Osnabrück die klassische Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts aus: Im Lortzinghaus spielte sie Serenaden der Romantik der Komponisten Franz Lachner und Emil Hartmann.

Wer die Namen Franz Lachner und Emil Hartmann nicht kennt, muss sich keine Sorgen machen. Selbst Armin Würz, seines Zeichens Oboist und Sprachrohr der Bläservereinigung Osnabrück, waren diese nicht unbedingt populären Komponisten des 19. Jahrhunderts bis vor einem Jahr auch noch kein Begriff. Heute ist er sich sicher: Sie schrieben „Perlen der Bläsermusik“.

Das haben Hartmann und sein Musikerkollektiv sich ohnehin zur Aufgabe gemacht: die Archive der klassischen Musikgeschichte zu sichten, selten vorgetragene Werke zu erarbeiten und in Konzerten vorzustellen. So haben sie sich schon an große Mozart-Serenaden in Es-Dur (KV 375), c-moll (KV 388) und B-Dur (KV 361 – Gran Partita) herangewagt, an Dvoraks Serenade d-moll op.44 und Franz Krommers Nonett Es-Dur op.79. Zum zweiten Mal waren sie am späten Sonntagnachmittag für ihren Vortrag zu Gast im Lortzinghaus an der Katharinenkirche. Im Programm hatten sie dieses Mal Franz Lachners Oktett op.156 und Emil Hartmanns Serenade op.43 – „Serenaden der Romantik“ hat die Bläservereinigung die Vorführung betitelt.

Franz Lachner (1803 – 1890) war seinerzeit Dirigent in München und Freund Franz Schuberts, ein produktiver Komponist, dem jedoch anhaltender Ruhm verwehrt blieb. Wilhelm Emil Hartmann (1836 – 1898) war Sohn des Komponisten Johann Peter Emilius Hartmann und Schwager von Niels Wilhelm Gades, konnte aus deren Schatten jedoch nie wirklich hervortreten.

Im Lortzinghaus spielten Bärbel Baum an der Flöte, Armin Würz an der Oboe, Jan Kampmeier und Joachim Farbowsky an der Klarinette, Sigrid Heidemann und Iris Hüne am Fagott, Astrid und Alfred Weymann am Horn und Heinz Berge am Kontrabass – letzterer kam erst zu Hartmanns Serenade, dem zweiten Stück, auf die Bühne.

Die Stücke sind jeweils in vier Sätze unterteilt und klingen, wie es der Titel der Veranstaltung vermuten lässt. Romantische Klänge, zu denen die Gedanken schweifen. Diese wechseln von Allegro zu Adagio und wieder zurück, oder von Andante zu Allegro, heißt: von schnell zu langsam und von mittlerem zu schnellem Tempo. Entsprechend sind Dynamik und Abwechslung geboten, sowohl Tiefe als auch Heiterkeit, durch die die Musikstücke selbst wie eine Geschichtenerzählung anmuten.

Lachner und Hartmanns Kompositionen bieten für die Musiker ein Novum: Sie haben lediglich eine Oboenstimme und beziehen eine Flöte mit ein; mit diesem Instrument hat das Kollektiv bisher noch nicht gearbeitet. Dennoch ist die Bläservereinigung in ihrem Spiel souverän. Sie besteht aus „ambitionierten Laien, Musikstudenten und Musikschullehrern“, die bestens aufeinander eingespielt sind und somit Freunden klassischer Musik gute Unterhaltung und eine Reise durch die Nischen der Musikhistorie bieten.


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