VfL-Hymne statt Niedersachsenlied Osnabrücker Mahlzeit: VfL-Präsident ist Grünkohlkönig

Von Rainer Lahmann-Lammert


Osnabrück. Lila-Weiß und Grünkohl – passt das zusammen? Bei der 63. Osnabrücker Mahlzeit kam der Drittligist ganz groß raus: VfL-Präsident Hermann Queckenstedt wurde neuer Grünkohlkönig und statt des Niedersachsenliedes wurde die VfL-Hymne gesungen.

Wenn sich knapp 1300 Männer in der Stadthalle treffen, statt an der Bremer Brücke die Osnabrücker Mannschaft anzufeuern, dann mag das für den Grünkohl und nicht unbedingt gegen den VfL sprechen. Für VfL-Präsident Hermann Queckenstedt muss es eine harte Entbehrung gewesen sein, dass er an diesem Abend seine lila-weiße Dauerkarte nicht in Anspruch nehmen konnte. Aber es reichte ja auch nur zum 0:0.

Kirchenmann ohne Zölibat

Felix Osterheider, seit 2015 Vorsitzender des Verkehrsvereins Stadt und Land Osnabrück (VVO), stellte die neue Majestät als Historiker, Journalist und Kirchenmann vor, „kein so richtiger, mit Zölibat und Pfaffenkragen“, wie er einschränkte, sondern als Leiter der Abteilung Kultur und Archiv im Bischöflichen Generalvikariat und als Direktor des Diözesanmuseums.

Hermann III. beichtete, dass er noch nie im Verein Fußball gespielt hat, sondern mit Leib und Seele Schwimmer war und später zum Langstreckenläufer avancierte. Als gottesfürchtiger Katholik gestand er ein, dass Lila die Farbe der Buße sei, und schlug damit den Bogen zu seinem Verein: Der Feuerzeugwurf an der Bremer Brücke im August 2015 habe einer Leipziger Brause (Red Bull Leipzig) Flügel beschert und dem VfL ein Büßertrikot.

Grünkohl ist kein Frauensport

Die sensible Frage, ob nicht auch Frauen zur Osnabrücker Mahlzeit zugelassen werden sollten, beantwortete der neue König ungefragt mit Fußballzitaten, die er zu Grünkohlzitaten umfunktionierte. Zum Beispiel Peco Bauwens, den ersten Präsidenten des DFB: „Grünkohl ist kein Frauensport. Wir werden uns mit dieser Angelegenheit nie ernsthaft beschäftigen“.

Auch „Bomber“ Gerd Müller wurde das Wort im Munde umgedreht: „Meiner Frau würde ich nicht erlauben, Grünkohl zu essen“.

Seine Majestät hatte Mühe, die sorgsam vorbereitete Rede zu Ende zu bringen; der Geräuschpegel stieg schon nach der ersten Hälfte merklich an. Anfangs hatte die Männerrunde noch mitgesungen bei seiner lila-weiß angehauchten Grünkohlhymne „Nur für diesen Verein woll‘n wir mampfen und schrei‘n. Wir sind alle ein Stück VVO Osnabrück“. Am Ende sang er alleine, und den Beifall mögen seine Zuhörer ebenso wie er als Erlösung empfunden haben.

Auf Augenhöhe mit Felipe

Deutlich mehr Lacher produzierte der scheidende Grünkohlkönig David McAllister, der treuherzig bekundete: „Es waren die schönsten 365 Tage meines Lebens!“ Als Grünkohlmajestät, so berichtete der CDU-Europaabgeordnete, habe er in Brüssel den spanischen König Felipe auf Augenhöhe angesprochen: „Grüß Sie, Herr Kollege“. McAllister ging nicht von der Bühne, ohne auf den größten Erfolg seiner Amtszeit hinzuweisen: „Osnabrück ist wieder die drittgrößte Stadt Niedersachsens!“

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