Tochter übernimmt das Kommando Generationswechsel auf dem Hof Kolkmeier in Atter

Heiner und Nele Kolkmeier in ihrem neuen Rinderstall, der demnächst 120 Milchkühe beherbergt. Foto: Harald PreuinHeiner und Nele Kolkmeier in ihrem neuen Rinderstall, der demnächst 120 Milchkühe beherbergt. Foto: Harald Preuin

Osnabrück. Trotz der momentanen Erlöskrise in der Milchproduktion und der Schweinehaltung setzen einige Landwirte auf die Zukunft. Neue Schweine- und Rinderställe entstehen mit erheblichem Investitionsaufwand: „In einem hohen sechsstelligen Bereich“, sagt Heiner Kolkmeier. Der 56-Jährige packt die Zukunft seines Betriebes, der seit 1548 in Familienbesitz ist, mit Tochter Nele (25) an.

Auf dem Hof entsteht ein Rinderstall für 120 Kühe. Der alte Boxenlaufstall ist gebaut worden, als Heiner Kolkmeier 1981 den Betrieb von seinem Vater übernommen hat. Der wollte am liebsten mit Schweinen weitermachen, doch da konnte sich der Sohn durchsetzen, dessen Interesse und Leidenschaft am Rindvieh hing. 60 Milchkühe zogen mit dem Generationswechsel in den neuen Stall. Die Entscheidung für den heutigen Stallneubau fiel 2013 mit Nele. „Sie hat gesagt, dass sie den Hof weitermachen möchte“, erinnert sich Vater Heiner.

Geprüfte Agrarbetriebswirtin

Die junge Frau hatte als ausgebildete Fleischereifachverkäuferin eine landwirtschaftliche Lehre angehängt. ( Weiterlesen: Warum ein Osnabrücker Stadtkind Landwirt werden will ) Ein Jahr war sie auf einem Milchbetrieb mit 200 Kühen im Emsland, die morgens und abends im Melkstand gemolken wurden, ein Jahr lernte sie auf einem Hof mit 110 Kühen, wo Melkroboter die Arbeit übernahmen. Danach absolvierte die junge Frau die Fachausbildung zur staatlich geprüften Agrar-Betriebswirtin mit Ausbildereignung. Da waren die Arbeiten am neuen Stall schon im Gange. Dennoch schaute Nele noch einmal hinter die Kulissen eines anderen Hofes – in Kanada. „In den drei Monaten habe ich viel gelernt“, sagt sie.

Zwei Melkroboter ab April

Mitte Januar kehrte sie zurück, im neuen Stall liefen schon die ersten Kühe, 90 sind es jetzt. Die Erweiterung der Herde auf 120 wird durch eigenen Nachwuchs erfolgen. Im April sollen zwei Melkroboter installiert sein, die den Kolkmeiers mehr Zeit beschert. Nele: „Ziel war, den Hof so zu organisieren, dass freie Wochenenden und Urlaube möglich werden“. Die junge Frau wollte immer einen Betrieb, den sie am Wochenende alleine führen kann.

Nur noch elf Vollerwerbsbetriebe

Heiner und Nele, unterstützt von einem Azubi und einer Teilzeitkraft, werden den Hof künftig bewirtschaften. Das sind 50 Hektar Grünland für Grassilage und Heu, 40 Hektar Acker für Getreide, Mais und Speisekartoffeln sowie Wald. Etwa die Hälfte der Flächen ist Pachtland in erträglicher Entfernung. Kolkmeier, auch Vorsitzender des Ortslandvolkverbandes Hasbergen (mit Atter, Hellern, Gaste, Hasbergen und Ohrbeck), weiß von 38 Vollerwerbsbetrieben, die es 1980 gab. Heute sind es noch elf. Das hat auch zu einem Plus an Pachtflächen geführt.

Produkte zunehmend direkt vermarkten

Die Vergrößerung der Kuhherde hat auch etwas mit der generellen Versorgungssituation in der Landwirtschaft zu tun. In den frühen 80-er Jahren ernährten 60 Milchkühe die Menschen auf einem Hof. Das waren in der Regel mindestens zwei Generationen. Heute geht man von 120 Milchkühen aus, die ein verträgliches Auskommen sichern sollten. Heiner Kolkmeier: „Uns reicht die Größe, wir wollen dann durch Optimierung und Veredlung wachsen“. Milch und Fleisch sollen zunehmend direkt vermarktet werden. Da hilft natürlich die räumliche Nähe zur Stadt.

Hoffen auf steigende Milchpreise

Natürlich hoffen auch die Kolkmeiers, dass die Milchpreise wieder steigen. ( Weiterlesen: Trotz niedriger Preise steigt die Milchproduktion – Mit Vollgas durch die Krise ) Billigproduzenten beispielsweise in Neuseeland würden aber jetzt von den Behörden ihres Landes zunehmend gezwungen, strengere Naturschutz- und Umweltbedingungen einzuhalten. Wenn die Farmer in anderen Ländern auf Basis europäischer Qualitätsvorschriften produzieren müssten, wären die deutschen Landwirte mehr als konkurrenzfähig.

Kinder ernten Kartoffeln

Schon immer hat sich der Hof Kolkmeier nach außen geöffnet. ( Weiterlesen: Einladung auf den Bauernhof ) Neben dem Hofladen zeigt sich das auch in den Besuchen von Kindergärten und Schulklassen. Für ein Kartoffelprojekt hat der Bauer einen Ackerstreifen neben dem verpachteten Selbstpflück-Blumenfeld angelegt. Zwei Schulklassen der Osnabrücker Grundschulen haben hier die Saatkartoffeln gelegt, während des Wachstums Unkraut gejätet und schließlich die Knollen geerntet. Ein solch hautnahes Erlebnis sollen Kinder auch künftig haben. Nele Kolkmeier: „Das ist mir ganz wichtig, ich habe hier doch selbst als Kindergartenkind Kartoffeln gesammelt.“ ( Weiterlesen: Osnabrücker pflanzen Kartoffeln in Schwarz-Rot-Gold )


0 Kommentare