Jungtier am Haarmannsbrunnen Nutria dringen in die Osnabrücker Innenstadt vor

Von David Hausfeld

Die in Deutschland eingebürgerten Nutria leben vorwiegend an Gewässern und sind auch in Osnabrück anzutreffen. Bis in die Innenstadt haben sich die schädlichen Nager aber bisher nicht getraut – das ist offenbar inzwischen anders. Symbolfoto: imago/JahnkeDie in Deutschland eingebürgerten Nutria leben vorwiegend an Gewässern und sind auch in Osnabrück anzutreffen. Bis in die Innenstadt haben sich die schädlichen Nager aber bisher nicht getraut – das ist offenbar inzwischen anders. Symbolfoto: imago/Jahnke

Osnabrück. Eine verletzte Nutria musste am Osnabrücker Haarmannsbrunnen erlegt werden.

Egal ob Regenrückhaltebecken, Düte oder Hase – die Nutria ist ein eingebürgerter Bewohner in deutschen Gewässern und auch in der Region Osnabrück zu finden. Bis in die Innenstadt waren die pelzigen Nager aber bislang offenbar nicht vorgedrungen.

Rehböcke am Neumarkt und am Rißmüllerplatz, das sei ja schon Schnee von gestern, sagt Reinhold Rethschulte, von der Stadt Osnabrück bestätigter Jagdaufseher. Er ist zuständig, wenn sich wild lebende Tiere in „befriedete Bezirke“ wie die Osnabrücker Innenstadt verirren. Nach dem Versuch, Rehe auf Hauptverkehrsstraßen der Hasestadt einzufangen, kann einen gestandenen Jäger nichts mehr überraschen, oder?

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Doch: Nach einem abendlichen Anruf der Polizei war er ausgerückt, um einen verletzten Bisam am Haarmannsbrunnen von seinem Leiden zu erlösen. Vor Ort fand er jedoch keinen Bisam, sondern eine junge und optisch ähnliche Nutria – „Ich war ganz erstaunt“, sagt Rethschulte.

Ausbreitung verhindern

Vorwiegend in Gewässernähe halten sich die Pelztiere auf, ein ausreichendes Nahrungsangebot vorausgesetzt. Das am Brunnen angetroffene Exemplar hatte sich offenbar die benachbarte Hase als Lebensraum erwählt. Grundsätzlich nicht ungewöhnlich, dass die Tiere aber soweit in die Innenstadt kommen, habe der Jäger bisher noch nicht erlebt. Anders als etwa in Nordrhein-Westfalen unterliegen Nutria in Niedersachsen dem Jagdrecht, betont Rethschulte.

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Die Ausbreitung der nichtheimischen Art ist dem Bundesnaturschutzgesetz zufolge zu verhindern. Jungtiere dürfen deshalb das ganze Jahr, Alttiere zwischen dem 1. September und dem 28. Februar gejagt werden. Im städtischen Gebiet geschieht dies bisher nicht aktiv, „das wird aber auf jeden Fall kommen, gerade, wenn sie mehr werden“, sagt Rethschulte.

„Neubürger“ aus Südamerika

Die Nutria ist ein tierischer „Neubürger“, ein sogenanntes „Neozoon“, also ein Tier, das in ein Gebiet eingeführt oder unabsichtlich eingeschleppt wurde. Seit den 1980er-Jahren verbreiten sich die Nager in Deutschland. Ursprünglich kamen die biberähnlichen Tiere aus Südamerika, bevor sie in der Bundesrepublik auf Pelztierfarmen gehalten wurden. Versehentlich entwichen oder bewusst ausgesetzt wurden die Nager schnell zur Plage.

Gelbe Fangzähne

Massive Beschädigung von Deichen, Unterhöhlen von Gewässerufern aber auch das Abernten ganzer landwirtschaftlicher Felder gehören zu ihrem Alltagstreiben. Im Gegensatz zum Bisam sind ausgewachsene Nutria deutlich größer, haben markante weiße Schnurrhaare und lange, gelbe Fangzähne. Letztere könnten starke Bissverletzungen verursachen und würden sogar Jagdhunde einschüchtern, so Rethschulte.