Das industrielle Herz der Stadt 1989 war der Ofen aus im Osnabrücker Stahlwerk

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Osnabrück. Der Hasepark wird 25. Vor einem Vierteljahrhundert kaufte der Münchner Immobilienkaufmann Alfons Doblinger mit seiner Dibag Industriebau AG den angeschlagenen Vereinigten Schmiedewerken (VSG) die 40 Hektar große Industriebrache ab. Wie kam es überhaupt dazu, dass eine so große zusammenhängende Fläche, innenstadtnah direkt am Hauptbahnhof gelegen, frei wurde? Die Antwort liefert die Firmengeschichte des Osnabrücker Stahlwerks.

Die Lage des Stahlwerks am Eisenbahnkreuz war kein Zufall. Nach 1850 boomte der Eisenbahnbau und brauchte Stahl ohne Ende, sowohl für die Gleise wie auch für das rollende Material. Waggonräder und -achsen, Schienen und Weichen konnten so auf kurzem Weg an die Bahn und ihre Zulieferer übergeben werden.

Gründungsidee des Werks war, das in den Hochöfen der Georgsmarienhütte gewonnene Roheisen nach dem Bessemer-Verfahren zu Stahl zu verarbeiten und daraus Produkte für die Eisenbahn zu schmieden oder zu gießen. 1868 wurde das „Eisen- und Stahlwerk zu Osnabrück“ gegründet. Gleich nach dem Krieg von 1870/71 nahm das damals modernste deutsche Bessemer-Werk mit drei Konvertern und einer Jahreskapazität von 25000 Tonnen die Produktion auf. Hammerwerk, Walzwerk, Kesselhaus und mechanische Werkstätten ergänzten die Werksanlagen.

Nach dem Krieg die Krise

Von Anfang an wuchsen die Bäume für das Osnabrücker Stahlwerk nicht in den Himmel. Der Markt war heftig umkämpft, Krupp und Bochumer Verein ließen sich nicht gern Anteile am Kuchen wegnehmen, den sie fast monopolartig beherrschten. Hinzu kam der technische Fortschritt: Ab 1878 gestattete es das Thomasverfahren, auch aus minderwertigem Eisen Stahl herzustellen.

Der Wettbewerbsvorteil der Georgsmarienhütte in Gestalt ihres phosphorfreien Roheisens war dahin. Nur den zahlreichen Erfindungen und Patenten des Stahlwerksdirektors August Haarmann etwa im Bereich der Gleiskonstruktion war zu verdanken, dass das Stahlwerk sich weiter am Markt behaupten konnte. Nach einer Hochkonjunkturphase im Ersten Weltkrieg – Geschossdreherei, Geschosspresswerk und Gießerei wurden angebaut – begannen wieder Krisenzeiten.

Eine Abteilungsweise dicht gemacht

1923 übernahm Peter Klöckner den Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein und damit auch das Stahlwerk Osnabrück. Erst nach 1933 entschied der Klöckner-Konzern unter dem Eindruck der neuen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, das in Teilen veraltete Werk für 60 Millionen Mark zu modernisieren. Es entstand die Werksstruktur, die auch nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs im Wesentlichen so wiederaufgebaut wurde und auf dem Foto von 1969 zu sehen ist.

1971 wurde die Roheisenerzeugung im Ergebnis der „Stahlkrise“ zurückgefahren. Die fusionierten Schmiedewerke Krupp Klöckner (SKK) waren der neue Hausherr. Konzentrationsprozesse innerhalb der westdeutschen Schwerindustrie führten dazu, dass eine Abteilung nach der nächsten schließen musste. 1989 schließlich war der Ofen ganz aus. Ringwalzwerk, Hammerwerk, Weichenbau, Glüherei und Putzerei, Gießerei, Kesselhaus – insgesamt zwei Drittel des Betriebsgeländes wurden abgeräumt.

Was bleibt, ist der Schiffssteven

Nur im hinteren Teil blieben die Mechanische Bearbeitung und einige Nebenwerkstätten erhalten, die als Firma Magnum weiterhin Kaltbearbeitungen vornehmen. Seit 1998 gehört die Magnum Metallbearbeitung GmbH zu Jürgen Großmanns Georgsmarienhütte Holding. Ansonsten ist vom alten Stahlwerk noch das Verwaltungsgebäude, 1956 repräsentativ dem Bahnhof gegenübergestellt, als „Bürocenter Hasepark“ erhalten geblieben. Und der Schiffssteven, der als Beispiel der einst weltweit geschätzten Schmiedekunst des Osnabrücker Stahlwerks davor postiert ist.


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