40. Schwarzbunt-Tage Spektakel rund um die Kuh in Osnabrück

Von Stefan Buchholz


Osnabrück. Spektakel rund um die Kuh: Die 40. Schwarzbunt-Tage waren erneut ein Stelldichein der internationalen Züchterszene. Experten aus 19 Nationen folgten am Samstag in der Halle Gartlage der Holsteinschau und der Top-Genetik-Auktion von Elite-Tieren aus dem Osnabrücker Land.

Wiebke Niederwestberg hat in den letzten Tagen nicht regelmäßig geschlafen. Sie kümmerte sich nämlich mit anderen Jungzüchtern schon seit Montag um die gut 100 Schwarz- und Rotbuntexemplare. Der Job der Heilpädagogin-Studentin: Pflege und Training der Tiere. „Die Kühe müssen langsam an die Schau gewöhnt werden. Deshalb üben wir zum Beispiel das Herumführen mit ihnen“, erklärt Wiebke Niederwestberg.

Neu ist für die Pferdeliebhaberin, dass die Tiere ziemlich clever sind. „Wer eine Kuh dumm nennt, weiß nicht Bescheid“, meint sie. Deutlich habe sie m Laufe der Tage bemerkt, wie lernfähig die Tiere seien.

An der Holsteinschau verdient die Osnabrücker Herdbuchgenossenschaft als Veranstalter der Schwarzbunt-Tage keinen Cent. Muss sie auch nicht. Geld verdient sie mit einem anderen Stoff. Der ist dank klugem Management so lukrativ, dass man die Kuh-Show für lau präsentieren kann.

„Pimp my Cow“

Eigens lässt sich für das Event auch der Programmpunkt „Pimp my Cow“ finanzieren. Engagiert hat man dafür Erica Ryneveld. Die Britin ist für das „Fitting“ der ausgewählten Kühe zuständig. Dazu rückt die Selfmade-Frau den Tieren mit Schermesser, Kamm und Spray auf den Pro Kuh bedeutet für sie gut drei Stunden Arbeit. Zunächst muss das Fell runter, schildert sie. Ein paar Haare lässt sie aber zurück, die sie mit einem Spray stylt. „Die sind für die Top Line wichtig, damit man optisch den geraden Rücken verstärkt.“ Mit der Sprühdose bringt sie dann den Euter zum Glänzen und kämmt jedem Tier noch den Schwanz buschig.

Die Schwarzbunt-Tage sind ein fester Termin in Rhynvelds Kalender. Drei Kuh-Schauen hat sie im noch jungen Jahr schon absolviert. Folgen werden noch etliche in Europa, Kanada und den USA.

So weit kommt Knud Andresen nicht herum. Der Landwirt und Rinderzüchter aus dem schleswig-holsteinischen Handewitt ist wegen der Top-Genetik-Auktion nach Osnabrück gekommen. Ein Kalb will der 58-Jährige ersteigern. Interesse hat er an „Entitle“, einem gerade mal vier Monate jungen, rotbraunen Kalb. „Es hat einfach Top-Werte“, sagt Andresen und tippt auf die Skala des DIN A4-Zettels. Obwohl die kleine „Entitle“ noch keinen Tropfen Milch abgeben kann, schätzt man laut ihren DNA-Werten, dass sie einmal eine hervorragende Milchkuh sein wird, erklärt Andresen.

Fragt man ihn, warum ihm bei sinkenden Erzeugerpreisen überhaupt noch an der Milchleistung gelegen ist, antwortet er unternehmerisch „Wenn ich pro Kuh nur fünf Liter am Tag mehr bekomme, rechnet sich das bei 100 Tieren schon wieder.“

350 Kühe, Rinder und Kälber hat sein „Wirtschaftsunternehmen“, das er mit seiner Tochter und deren Partner als Familien GmbH betreibt. Auch wenn er täglich penibel auf den perfekten Mix der Futtersilage achtet, anhand der regelmäßigen Molkereilabor-Bulletins exakt Bescheid weiß über den Säurehaushalt im Kuhmagen und den Dung im Darm der Tiere höchst persönlich analysiert: Seine Kühe sind für ihn keine Maschinen. „Sie können nicht ohne uns und wir nicht ohne sie. Wir müssen einfach zusammen wirken“, lautet seine Philosophie nach 40-jähriger Berufserfahrung.

Kein Katzensprung ist der Besuch der Schwarzbunt-Tage für Vasile Pachitjanu. Der rumänische Tierarzt hat 2000 Kilometer verfahren, um in Osnabrück dabei zu sein. Ihm geht es um Kontakte zu Züchtern. Und um Bullensperma. Denn das ist der Stoff, mit dem die Osnabrücker Herdbuch-Genossenschaft Geld verdient. „Osnabrück ist zwar die kleinste Züchtervereinigung Deutschlands. Aber sie hat immer die genetischen Top-Tiere“, sagt Pachitjanu.

In Osnabrück macht er auch eine Menge Bilder. Er wolle zu Hause zeigen, wie man professionell mit den Tieren arbeiten kann. Für den Rückweg packt sich der rumänische Handelspartner der Osnabrücker Herdbuch-Genossenschaft auch den Kofferraum voll Bullensamen. „Das spart die Transportkosten.“