Kritik an Flüchtlingspolitik Russlanddeutscher aus dem Südkreis meldete Demo in Osnabrück an

Von Stephanie Kriege


Osnabrück. Die Demonstration vor dem Osnabrücker Rathaus am Sonntag ist von einem Familienvater aus dem Südkreis angemeldet worden. Das haben Recherchen unserer Zeitung am Montag ergeben.

300 Menschen hatten sich in Osnabrück unter dem Motto „Wir fordern Aufklärung im Fall des 13-jährigen Mädchens aus Berlin. Wir sind gegen Gewalt in Deutschland“ am Markt versammelt. Bundesweit war es in verschiedenen Städten zu Demonstrationen dieser Art gekommen. Das Motto bezog sich auf angebliche Geschehnisse in der Hauptstadt, wo Flüchtlinge ein Kind entführt und vergewaltigt haben sollen.

Mann möchte anonym bleiben

Angemeldet hatte die Versammlung ein Familienvater aus dem Osnabrücker Südkreis, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Das war ja eine bundesweite Aktion“, so der 43-jährige Russlanddeutsche im Gespräch mit unserer Redaktion. In russlanddeutschen Communities in sozialen Netzwerken hätte sich seinen Angaben zufolge seit den Geschehnissen in der Silvesternacht in Köln Unsicherheit breit gemacht.

Die Gerüchte über die angebliche Vergewaltigung eines Mädchens in Berlin hätten diesem Gefühl weitere Nahrung gegeben. Um dieser Unsicherheit Ausdruck zu verleihen, seien bundesweit Russlanddeutsche auf die Straße gegangen, berichtet der Familienvater. Auch in Harsewinkel und Versmold gab es am Sonntag Versammlungen zum Thema Gewalt gegen Frauen.

Frauen besorgt

Er selbst habe vorher noch nie eine Demo angemeldet und auch noch an keiner teilgenommen, sagt der 43-Jährige. Seine Motivation: „Ich höre von vielen Frauen in meinem Umfeld, dass sie besorgt sind und Angst um ihre Kinder haben“, sagt er. „Meine Frau lässt meine achtjährige Tochter nicht mehr alleine zur Schule gehen. Deshalb habe ich Verantwortung übernommen und diese Versammlung bei der Stadt angemeldet.“

Sven Jürgensen, Pressesprecher der Stadt Osnabrück, sagte dazu am Montag: „Die Demonstration war recht kurzfristig angemeldet worden am Freitag. Es gab keinen Grund, sie nicht zu genehmigen.“

Kein Vertrauen in Medien und Polizei

Warum der Mann aus dem Osnabrücker Südkreis die Veranstaltung unter dem Motto „Wir fordern Aufklärung im Fall des 13-jährigen Mädchens aus Berlin. Wir sind gegen Gewalt in Deutschland“ angemeldet hat, erklärt der dreifache Vater so: „Es wird offenbar einiges vertuscht in den Medien und von der Polizei.“

Er informiere sich sowohl in deutschen wie auch in russischen Medien und habe das Gefühl, vor allem nach den Ereignissen in Köln in den deutschen Medien nur nach und nach etwas von den Geschehnissen am Kölner Hauptbahnhof erfahren zu haben. „Da wurde tagelang über ein brennendes Hochhaus in den Vereinigten Arabischen Emiraten berichtet und über die kurzfristige Schließung des Münchner Hauptbahnhofs“, sagt der Mann, der selbst seit 22 Jahren in Deutschland lebt. „Aber über Köln wurde drei, vier Tage lang geschwiegen und nur vereinzelt berichtet. Alle haben gewartet.“

Gerüchte in sozialen Netzwerken

Angesprochen auf den Fall aus Berlin, den auch er bei der Anmeldung der Demo bei der Stadt zum Anlass nahm, äußert sich der Familienvater zögerlich. „Ich bin im Zweifel, was ich da glauben soll.“ Die Polizei in Berlin stellte klar, dass es zu keiner Vergewaltigung durch Flüchtlinge an dem Mädchen gekommen sei.

Die Gerüchte waren dennoch in der Welt und verbreiteten sich vor allem im Internet. „Man sollte sehr vorsichtig sein mit dem Verbreiten von solchen Gerüchten vor allem in sozialen Netzwerken, weil sie der Wahrheit entbehren“, sagte Georg Linke von der Polizei Osnabrück am Montag gegenüber unserer Redaktion. „Sie sind schlichtweg falsch.“

„Fühlen uns als Deutsche“

„Ein russischer Sender hat sehr ausführlich über die Vergewaltigung berichtet“, sagt der 43-Jährige. Er sei verunsichert, was man noch glauben könne. „Wir Russlanddeutsche sind nach Deutschland gekommen und fühlen uns als Deutsche.“ Dennoch informiere man sich auch weiterhin auch über russische Medien. „Zweisprachig lesen, das ist doch gut“, so der 43-Jährige.

Auf Distanz zu AfD, Pegida und NPD

Fremdenfeindliche Parolen, die am Sonntag auch in Osnabrück zu hören waren, möchte der 43-Jährige nicht teilen. „Mit Pegida, AfD und NPD wollen wir nichts zu tun haben. Wir hatten bei unserer Demo vor dem Rathaus auch keinen Redner und nichts weiter geplant. Wir wollten, dass alles friedlich verläuft, und so war es ja auch.“

Er sei nicht fremdenfeindlich, betont der Familienvater. Doch an der Flüchtlingspolitik müsse sich etwas ändern. „Natürlich ist die Sicherheit von Frauen und Kindern gefährdet, wenn nicht einmal die Regierung weiß, wie viele Menschen kommen.“

Eine weitere Demonstration habe er entgegen anderslautender Gerüchte am Sonntag nicht geplant. „Es ist der Wunsch von vielen, noch einmal einen Zug durch die Stadt zu machen. Aber von meiner Seite ist da nichts geplant.“