CDU-Vorstoß für neue Schleusen Osnabrücker Stichkanal wird Thema im Landtag

Von Rainer Lahmann-Lammert


Osnabrück. Der Stichkanal zwischen Pente und Osnabrück ist zwar längst vertieft und verbreitert, aber die Schleusen sind immer noch so klein wie vor 100 Jahren. Mit dem Ziel, dieses Nadelöhr zu beseitigen, bringt die CDU-Fraktion am Dienstag einen Antrag in den niedersächsischen Landtag ein. Initiator ist der Osnabrücker Abgeordnete Burkhard Jasper. Gemeinsam mit seinem Fraktionskollegen Clemens Lammerskitten informierte er am Montag Vertreter der Hafenwirtschaft über seinen Vorstoß.

Knapp 600000 Tonnen wurden 2015 im Osnabrücker Hafen umgeschlagen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einer Zunahme um 17 Prozent. Damit seien die Potenziale der Wasserstraße aber noch lange nicht ausgeschöpft, meinte Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes. In der Region Osnabrück könne die Binnenschifffahrt einen weitaus größeren Beitrag für den Gütertransport leisten, wenn der Stichkanal durchgängig für moderne Schiffe passierbar sei.

Schrott für die Hütte

85 Meter Länge erlauben die Schleusenkammern in Haste und Hollage, als heutiger Standard gelten 130 Meter. Die Schiffe, die den Osnabrücker Hafen ansteuern, seien meist schon 50 oder 60 Jahre alt, erklärte Knut Schemme, Geschäftsführer Vertrieb und Logistik bei der Georgsmarienhütte GmbH. Und die Zahl dieser Oldtimer nehme ab. Das Stahlwerk sei aber auf Schrottlieferungen aus einem großen Einzugsbereich angewiesen. Es werde immer schwieriger, Schiffe für den dringend benötigten Rohstoff zu bekommen. Ein Schiff, merkte Schemme an, ersetze 50 Lkw.

Von ähnlichen Erfahrungen berichtete Walter Bergschneider, der Geschäftsführer des gleichnamigen Baustoffhandels. Mittlerweile sei es kaum noch möglich, einen Schiffer zu gewinnen, der eine Ladung aus Süddeutschland über den Rhein und den Rhein-Herne-Kanal nach Osnabrück bringe – „es sei denn, man zahlt die Leerfracht“, schränkte Bergschneider ein. Doch das mache den Transport über die Wasserstraße unwirtschaftlich.

„Den letzten Engpass beseitigen“

Nach Ansicht des CDU-Abgeordneten Burkhard Jasper sind Investitionen in den Stichkanal schon deshalb sinnvoll, weil die Wasserstraße umweltfreundlich sei und zugleich das Straßenverkehrsnetz entlaste. Kein anderes Verkehrsmittel brauche so wenig Energie pro Tonne und Kilometer wie das Schiff. Schon 1965 sei der Ausbau des Osnabrücker Stichkanals vereinbart worden. Es sei an der Zeit, dieses Vorhaben mit dem Ausbau der Schleusen zu Ende zu bringen.

Für eine Sanierung der vorhandenen Schleusen dürfe kein Geld ausgegeben werden, warnte der Wallenhorster Abgeordnete Clemens Lammerskitten. „Wenn der letzte Engpass nicht beseitigt ist, funktioniert das Ganze nicht!“ Ziel müsse es sein, die Schleusen für Großmotorgüterschiffe zu ertüchtigen. Und weil die Lebensdauer der bestehenden Anlagen begrenzt sei, müssten jetzt die Weichen für den Neubau gestellt werden.

„Bohmte ist Ergänzungshafen“

Lammerskitten ging auch auf die Rolle des geplanten Containerhafens in Bohmte ein. Das sei ein „Ergänzungshafen und kein Ersatzhafen für Osnabrück“, machte er deutlich. Darüber sei in der Region Einigkeit erzielt worden, erklärte auch Burkhard Jasper. Er rechnet fest damit, dass der CDU-Antrag zum Ausbau der Schleusen eine Mehrheit im Landtag findet. Die Diskussion findet zunächst im Ausschuss Häfen und Schifffahrt statt. Über die Kosten gibt es nur grobe Schätzungen. Stadtwerke-Vorstand Rolfes rechnet mit Investitionen von 50 Millionen Euro pro Schleuse.