Beresa als Standort im Gespräch Wasserstofftankstelle: Osnabrück muss sich noch gedulden

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Osnabrück. Die ersten Autos mit Brennstoffzellenantrieb rollen schon über Deutschlands Straßen, aber im Großraum Osnabrück gibt es derzeit keine Wasserstofftankstelle. Osnabrück ist zwar weiterhin als Standort im Gespräch, auf der Prioritätenliste der Investoren haben inzwischen allerdings andere Städte die vorderen zehn Plätze eingenommen. In Osnabrück gilt das Autohaus Beresa unweit der Autobahnabfahrt Hellern derzeit als aussichtsreicher Bewerber für eine H2-Station.

Schon vor zwei Jahren gab es konkrete Überlegungen, eine Wasserstofftankstelle bei Auto Weller zu bauen. Die Firma Air Liquide, ein französischer Hersteller technischer Gase, wollte möglichst kurzfristig investieren. Zuschüsse der Förderinitiative Energiespeicher aus dem Bundeswirtschaftsministerium standen bereit. Doch dann stellte sich heraus, dass die vorgesehene Fläche an der Pagenstecherstraße eine kostspielige Altlastensanierung erfordert hätte. Auto Weller zog zurück und die Standortsuche begann noch einmal von vorn.

Andere sind weiter

„Wir führen derzeit Gespräche mit anderen Autohäusern und der Osnabrücker Wirtschaftsförderung“, sagt Andrea Feige, Unternehmenssprecherin von Air Liquide in Düsseldorf. Osnabrück stehe zwar weiterhin auf der Wunschliste der Wasserstoffstrategen, in der Zwischenzeit seien aber andere Standorte „schlichtweg weiter gediehen“. So habe Air Liquide in den vergangenen Wochen Verträge in Offenbach, Kamen, Limburg und Köln unterzeichnet. Weitere würden in Kürze folgen, darunter mit Wolfsburg der erste Standort in Niedersachsen.

Die Stadt Osnabrück unterstützt die Initiative für eine H2-Station. Detlef Gerdts vom Fachbereich Umwelt und Klimaschutz hofft, dass Autos mit Brennstoffzellen helfen, die Probleme mit der Luftreinhaltung zu lösen und Osnabrück beim Masterplan „100 Prozent Klimaschutz“ voranzubringen. Und die Wirtschaftsförderung (WFO) sieht Chancen, dass die neue Technologie Arbeitsplätze schaffen könnte. Für die Elektromobilität spiele der Wasserstoffantrieb eine wichtige Rolle, sagt WFO-Geschäftsführerin Sonja Ende. Das Tankstellennetz sei leider noch sehr dünn, bedauert sie, und fügt hinzu: „Wir möchten es gern schaffen, dass Osnabrück auf die Landkarte kommt“.

ICO kommt nicht infrage

Von der Wirtschaftsförderung stammt die Idee, eine Wasserstofftankstelle am ICO im Wissenschaftspark zu bauen. Dahinter steht der Gedanke, innovative Technik zu fördern – ein Hauptanliegen des Innovationscentrums. Doch das lässt der Bebauungsplan nicht zu. Stadtplaner Franz Schürings meint, dass es im Stadtgebiet „mit Sicherheit günstigere Standorte gibt“. Das gelte vor allem für die Verkehrsanbindung, die im Wissenschaftspark wegen der umgebenden Wohnnutzung als sensibles Thema gilt.

Der Hinweis von Air Liquide auf die Autohäuser weist in eine andere Richtung. Nach Toyotas Mirai will Daimler Benz ein Auto mit Brennstoffzelle auf den Markt bringen, einen kleineren SUV mit der Bezeichnung GLC F-Cell. Beresa-Geschäftsführer Marcus Herkenhoff bestätigt, dass es Gespräche mit Air Liquide gibt und dass sein Haus ein „grundsätzliches Interesse“ habe:. „Wir prüfen, was platzmäßig möglich ist“.

Münster bald am Start

Der autobahnnahe Standort am Kurt-Schumacher-Damm steht für eine gute Verkehrsanbindung, eine Voraussetzung der Förderinitiative Energiespeicher. Sie verfolgt das Ziel, zunächst die Metropolen mit Wasserstoff zu versorgen und anschließend Korridore entlang der Autobahnen zu schaffen. Derzeit gibt es 20 H2-Tankstellen in Deutschland. Von Osnabrück aus ist Düsseldorf zurzeit der nächste Standort. Dort betreibt Air Liquide eine öffentliche Zapfsäule für Wasserstoff. Schon bald werden Autofahrer mit Brennstoffzellenantrieb aber auch in Münster tanken können. Dort baut die Westfalen AG eine Station, die im zweiten oder dritten Quartal in Betrieb gehen soll.


Explosiv, aber sauber: Wasserstoff aus Wind- oder Solarstrom

Kein CO2, kein Feinstaub, keine Stickoxide: Die Brennstoffzelle arbeitet emissionsfrei. Aus dem Auspuff entweichen lediglich Wassertropfen. Wasserstoff und Sauerstoff reagieren in der Brennstoffzelle ohne Verbrennungsflamme. Dabei entsteht Strom, der einen Elektromotor antreibt.

Wasserstoff lässt sich mit Tankwagen transportieren. Der Brennstoff mit der chemischen Formel H2 bietet sich als Speichermedium für regenerativ erzeugten Wind- oder Solarstrom an. Durch Elektrolyse wird Wasser in zwei Wasserstoffatome und ein Sauerstoffatom aufgespalten. Das begehrte Gas wird in Tanks zwischengelagert. In der Brennstoffzelle lässt sich die Energie dann wieder abrufen. Die Technologie bietet den Vorteil, dass Wasserstoffautos auch als Kraftwerke eingesetzt werden können, die bei Netzüberlastungen Strom einspeisen können.

Wasserstoff ist explosiv, und Knallgasreaktionen sind berüchtigt. Aber Sicherheitsexperten halten H2 nicht für gefährlicher als Benzin oder Erdgas. Diese Bewertung hat dazu geführt, dass Autos mit Wasserstofftank im Gegensatz zu gasbetriebenen Fahrzeugen auch in Tiefgaragen geparkt werden dürfen.

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