Webportal „re.photos“ Uni Osnabrück sucht Hobbyfotografen für Rephotographie

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Das Webportal re.photos der Universität Osnabrück ermöglicht es, historische und aktuelle Fotos hochzuladen und als Rephotographien darzustellen. Hier ist ein Screenshot aus der Datenbank der Informatiker der Universität Osnabrück zu sehen: Das Rathaus im Jahr 1946 und 2015. Foto: Screenshot/Uni OsnabrückDas Webportal re.photos der Universität Osnabrück ermöglicht es, historische und aktuelle Fotos hochzuladen und als Rephotographien darzustellen. Hier ist ein Screenshot aus der Datenbank der Informatiker der Universität Osnabrück zu sehen: Das Rathaus im Jahr 1946 und 2015. Foto: Screenshot/Uni Osnabrück

Osnabrück. Heute und früher auf einen Blick: Informatiker der Universität Osnabrück haben mit „re.photos“ ein Internetportal entwickelt, das historische und aktuelle Fotos von ein- und derselben Szene passgenau miteinander verschmilzt. So sollen Veränderungen des Motivs im Wandel der Zeit veranschaulicht werden. Fotoamateure sind eingeladen, die Plattform mit eigenen Bildpaaren zu bereichern. An einer nützlichen App wird noch gearbeitet.

Historische Fotos und alte Ansichtskarten sind zeitgeschichtliche Dokumente. Oft verstauben sie in Archiven oder fristen halb vergessen in Schubladen ihr Dasein. Muss nicht sein, dachte sich Prof. Dr. Oliver Vornberger vom Institut für Informatik an der Universität Osnabrück. Denn: „Man kann in der Bevölkerung ein zunehmendes historisches Bewusstsein feststellen.“

Webportal entwickelt

Also schien die Idee naheliegend, für die anstehende Bachelorarbeit einer seiner Studenten Informatik und Zeitgeschichte miteinander zu verbinden. Wieso historische Dokumente nicht spielerisch anfassen und zu neuem Leben erwecken?

Initiiert von Vornberger und unter Mitwirkung von Ann-Katrin Becker, Rasmus Diederichsen und Sören Weber wurde am Institut für Informatik das Webportal re.photos entwickelt, welches die Bearbeitung und Veröffentlichung sogenannter Rephotographien ermöglicht.

Das Prinzip Rephotographie

Rephotographie bedeutet, eine bereits fotografierte Szene zu einem späteren Zeitpunkt vom selben Standort erneut abzulichten. So werden die Entwicklungen und Veränderungen der Szenerie oder der Menschen deutlich. In analoger Form könnte man die beiden Aufnahmen nebeneinanderlegen und so vergleichen. Auf dem Webportal, welches im November 2015 an den Start gegangen ist, können die Bilder hochgeladen und mithilfe von farbigen Markern manuell übereinandergelegt werden.

„Durch die pixelgenaue Darstellung ist der Vorher-Nachher-Vergleich viel anschaulicher“, erklärt Informatikprofessor Vornberger. Eine Linie in der Mitte trennt das Bild und zeigt links die alte, rechts die neue Aufnahme. Mithilfe des Mauszeigers kann die Linie verschoben werden. Der Betrachter sieht die Aufnahmen quasi miteinander verschmelzen. Rund 80 solcher Fotos wurden bereits hochgeladen, 13 davon aus Osnabrück.

Geschmolzene Gletscher

Jetzt möchten die Informatiker der Uni Osnabrück Fotoamateure dazu bewegen, eigene Bildpaare zum Webportal beizusteuern. Dabei müssen sich die Aufnahmen nicht auf Osnabrück beschränken, betont Vornberger. Bereits jetzt sind auf re.photos auch Rephotographien aus Paris, Hanoi, Dublin zu finden.

Wer die Beiträge durchstöbert, findet darüber hinaus Rephotos von Gletschern, auf denen der Rückgang des Eises deutlich zu sehen ist, außerdem Urlaubsbilder aus den 1970er-Jahren, die 40 Jahre später nachgestellt wurden und neben modischen auch landschaftliche Besonderheiten von damals und heute zeigen.

Osnabrück in den 1960ern

Bei den Bildern aus Osnabrück hält derzeit ein Rephoto des Ratsgymnasiums den Rekord mit der größten abgebildeten Zeitspanne: 145 Jahre liegen zwischen beiden Aufnahmen. Beliebtes Rephotomotiv ist der Osnabrücker Hauptbahnhof. Ein Schwarzweiß-Bild von 1968 zeigt den Vorplatz mit Blumenbeeten, Sitzbänken und vielen Bäumen. Die Aufnahme von 2015 wirkt dagegen trotz ihrer Farben wesentlicher grauer. Lediglich die eilenden Reisenden und das alte Gebäude haben beide Aufnahmen gemein.

(Weiterlesen: Der Monat Dezember aus Sicht der Fotografie)

Zurzeit können die historischen und neuen Bilder nur über das Webportal hochgeladen und dort händisch übereinandergelegt werden. Doch die Informatiker der Uni Osnabrück arbeiten bereits an einer Smartphone-App, die es Fotografen erleichtern soll, Rephotos zu erstellen – etwa indem sie zur richtigen Position gelotst werden, um dann die exakte Perspektive wie beim Ursprungsbild einnehmen zu können. Dazu sollen das Livebild der Handykamera und die historische Aufnahme abgeglichen werden. Außerdem soll die App die anschließende pixelgenaue Anpassung der beiden Bilder automatisieren.

Fragen zu Bildrechten, Angaben und möglichen Quellen für historische Fotografien erhalten die interessierten Fotografen im Webportal. „Uns war es wichtig, ein Forum zu schaffen, in dem man Fachsimpeln und sich austauschen kann.“ Gewünscht ist laut Vornberger zu jedem Rephoto eine Beschreibung, damit Betrachter den historischen Kontext besser einordnen können.


Was ist bei den Bildrechten zu beachten? Geht es um die Rechte am eigenen Bild, kann der Fotograf natürlich selbst über die Lizenzen entscheiden: Entscheidet er sich für „Alle Rechte vorbehalten“, darf das Bild zwar betrachtet, aber ohne Zustimmung des Urhebers nicht weiterverwendet werden. Weniger restriktiv ist die „CC BY-ND“-Lizenz. Diese creative-commens-Lizenz erlaubt anderen Nutzern die Weiterverbreitung, soweit dies vollständig, ohne Veränderungen am Werk und unter Nennung des Urhebers passiert.

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