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Dicke Luft im Netz Tattoo Convention: Ärger in der Osnabrücker Halle Gartlage

Von Markus Strothmann


Osnabrück. Am Wochenende ging in der Halle Gartlage die erste „Internationale Tattoo Convention“ in Osnabrück über die Bühne. Die Nadelschau sorgt für viel Gemecker, vor allem im Netz.

Hauptkritikpunkt: das Angebot sei mager gewesen, der Eintrittspreis von zehn Euro zu hoch. Veranstalter Willy aus Kempen vom ausrichtenden Kollektiv „Pitbull Conventions“ nimmt die Kritik gelassen: „Wer an unserer Convention etwas auszusetzen hat, kann ja einfach mal 20000 Euro in die Hand nehmen und es selbst ausprobieren, statt zu Hause am Rechner darüber herzuziehen.“ Die Qualität stimme, auch die Besucherzahlen seien zufriedenstellend. „Bis jetzt haben wir ungefähr 2500“ - so der Stand am Sonntagnachmittag. Auch den Tätowierern verdarb der Shitstorm auf Facebook nicht die Laune. „Das ist die erste Convention, die wir hier machen. Es ist völlig normal, dass das nicht auf Anhieb ein Riesending ist“, sagt einer, „das wird nächstes Jahr garantiert schon anders aussehen.“

Berlin teurer

Zum Vergleich: Bei der „25th International Tattoo Convention“ in Berlin im letzten August kostete der Eintritt um die 20 Euro, also immerhin das Doppelte. Zudem können die Macher in größeren Städten mit ungleich mehr Besuchern rechnen – völlig klar, dass etablierte Großveranstaltungen in einer ganz anderen Liga spielen als die erste Osnabrücker Tattoo Convention überhaupt. Eine Tätowiererin hat von den negativen Stimmen im Netz gar nichts mitbekommen: „Wie, es läuft nicht gut? Jetzt ist gerade nicht so viel los, aber insgesamt läuft es total gut.“

Heiße Nadeln & Schmerz-Show

Vor Ort sah man dann auch, dass das Urteil der Besucher keineswegs einstimmig negativ ausfiel. Diejenigen, die sich an den Ständen tätowieren oder piercen ließen, wirkten alles andere als unzufrieden. Bei den Künstler von Rated R Ink, Animal Farm Tattoo & Co summten jedenfalls durchgehend die Nadeln.

Freakshow

Lord Insanity mit seiner Freakshow hatte zwar am Sonntag Schwierigkeiten, die Zuschauer in Wallung zu bringen, haute sich aber trotzdem mit Enthusiasmus einen wirklich großen Nagel durch die Nasenscheidewand. Eine junge Dame erklärte sich bereit, ihn wieder rauszuziehen – des Lords Angebot, den Nagel als Souvenir mitzunehmen, lehnte sie dankend ab. Obwohl viele tätowierte Mitbürger eine gesteigerte Schmerztoleranz aufweisen dürften, verzogen sich einige Gesichter, als eine Mausefalle geräuschvoll zuschnappte und die Zunge des Entertainers packte.

Lord Insanitys Statement

Der verteidigte übrigens schon online die Convention gegen das Gedisse der Unzufriedenen: „Leider haben viele der Besucher nicht den Glamour vorgefunden den sie durch Doku Soaps über Tattoo Studios in Las Vegas auf Dmax kennen [...] und sind für 10 Euro Eintritt in eine kleine Halle gegangen und dann so was. 30 Tätowierer, ein Bühnenprogramm von nem Typen der sich Nägel rein klopft, einen der besten Elvis Doubles der Welt, Tattoocontests usw. Da geben sich Veranstalter mühe so was auch mal abseits der Metropolen der Welt zeigen zu wollen und kriegen dann einen Shitstorm als Dank [...] Aber dank Facebook ist das ja heutzutage ganz einfach gut Gemeintes kaputt zu machen.“


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